Unipress – Warum ich kein Chefredakteur dort sein würde

Salzburg hat eine eigene Zeitung für die Studierenden, die sogenannte Unipress. Das ist eine von der ÖH herausgegebene, sich an alle Studierenden wendende Zeitung.

Derzeit sucht die ÖH anscheinend immer noch fieberhaft nach einem neuen Pressereferenten, der sich dann auch um die Belange dieser Zeitung kümmern müsste. Eigentlich ein interessanter Job. Wenn da nur nicht die ÖH wäre. Denn seitdem es die rot-grüne ÖH-Führung gibt, gilt „nichtpolitisch“ sein wieder als unfein. Der Pressereferent soll deshalb den Wünschen der ÖH nach auch „politisch sensibel“ sein, was soviel heißt wie der ÖH-Politik treu ergeben.

Nun kann man sich denken: Bei so einen „Propagandamagazin“ wie der Unipress normal. Nur ist die Unipress eigentlich nicht das Propaganda-Magazin. Dafür hat die ÖH ihr eigenes „ÖH-Magazin“, in dem sie eigentlich lang und breit ihre politischen Ideen kundtun kann. Die Unipress sollte (und das war sie unter der alten schwarz-roten Führung auch) eine Zeitung sein, die sich unabhängig von der Parteifärbung für die Belange der Studierenden einsetzt und dabei journalistisch hochwertige Artikel produziert.

Journalistisch hochwertig. Das heißt, dass im Idealfall pluralistisch verschiedene politische Meinungen angesprochen werden und diese dann kritisch beleuchtet werden. Geschieht natürlich im Normalfall nur eingeschränkt, gerade in Österreich, wo der Staat sehr viel Einflussmöglichkeiten auf den ORF hat. Doch es stellt ein Ideal dar, dem sich Journalisten verpflichtet fühlen sollten, zumindest wenn sie nicht nur durch Parteibuchwirtschaft auf ihren Posten gekommen sind.

Die letzte Unipress hat dann auch bewiesen, wie so eine Zeitung aussieht, wenn eben nicht pluralistische Meinungsbildung, sondern nur einseitige Meinungsmache gestattet wird: Das eigentlich sehr vielschichtige Thema Feminismus und Emanzipation wurde nur einseitig aus dem Sicht der autonomen Frauenbewegung betrachtet, die Emanzipation der Männer, die auch führende Feministinnen wie Alice Schwarzer immer wieder fordern, wurde ebenso außen vor gelassen wie gemäßigtere Strömungen in der Frauenbewegung. Die Frage „wie emanzipiert ist die Durchschnittsfrau“ wurde ebensowenig gestellt. Dafür wurde wiederholt angeprangert, dass es noch keine Rektorin an einer Universität gibt (was sich aber aufgrund des Frauenüberschusses an den Universitäten, auch im Lehrkörper und im Rektorat, bald ändern dürfte), es wurde im Rahmen des internationalen Frauentages (nicht Frauenkampftag! Nur weil man selbst gerne gegen alles ist, kann man nicht einfach internationale Bezeichnungen umändern) nicht erwähnt, dass Frauen nicht etwa durch Tarifverträge oder Gesetze schlechter bezahlt werden (anders als es z.b. den Ostdeutschen im Vergleich zu den Westdeutschen ergeht), sondern dass es vor allem an der Arbeitssituation (Teilzeit, schlechter bezahlte Jobs) liegt, dass Frauen im Durchschnitt ein Viertel weniger Geld verdienen als Männer. Und sowieso wäre eh an allem der Kapitalismus schuld, dass auch in der DDR Frauen im Durchschnitt weniger verdienten als Männer, wenn auch mehr Frauen in Lohn und Brot standen, wird gerne mal vergessen. Aber ok, wenn eine Ausgabe schon statt eines Vorwortes einen Artikel des sich nervend in den Vordergrund drängenden Frauenbüros hat, kann der Inhalt ja kaum objektiv sein.

„Ja, gibts denn keine gegenteiligen Artikel?“, wird sich jetzt der geneigte Leser fragen. NEIN, gab es in der Ausgabe im Politikteil nicht, eine marxistische Kapitalismuskritik, die die üblichen Klischees aufarbeitet, die Marxisten vom Kapitalismus haben, ohne zu unterscheiden zwischen kapitalistischen Wirtschaftsformen in Südamerika, Japan, Europa oder Nordamerika, als ob alle Systeme gleich wären. Und das war auch gar nicht gewollt, wie mir Kay-Michael Dankl, Bildungssprecher der ÖH, persönlich erklärte, man würde zwar in unterschiedlichen Ausgaben unterschiedliche Meinungen zulassen wollen, aber diese Einseitigkeit sei gewollt gewesen.

Super, bei kritischen Themen wie dem Feminismus oder Kapitalismuskritik werden unterschiedliche Meinungen nicht zugelassen, aber bei Wischi-Waschi-Themen wie „Welches ist die beste Kneipe für Studierende“ schon. Wer bei solchen Voraussetzungen objektiv Journalismus betreiben will, müsste schon ein absoluter Vollprofi sein, um trotzdem noch objektive Berichte schreiben zu können. Wenn einem schon vorgegeben wird, in welche Richtung man schreiben sollte, damit der Artikel genommen wird, entzieht das jegliche Presse- und Meinungsfreiheit des Journalisten.

Die Unipress ist in meinen Augen für ALLE Studierende da. Und allein die Wahlergebnisse zeigen, dass von den 22% der Studierende, die gewählt haben, rund 30% eher konservativ denken. Dann haben wir noch die schweigende Mehrheit von 75%, die sich bei der letzten Wahl nicht festlegen wollte oder konnte. Gerade diese Mehrheit erreicht man eher mit einer pluralistisch aufgemachten Zeitung, in der sich sowohl linke als auch rechte Autoren äußern und es dem Leser überlassen, sich eine eigene Meinung zu bilden. Propagandistische Zeitungen schrecken diese Mehrheit eher ab und rein zur Meinungsmachtausübung verfasste Artikel lassen diese Mehrheit die Zeitung zur Seite legen. Und das sollte einer Zeitung mit einer Auflage von 20.000, damit alle Studierende ein Exemplar bekommen können, unwürdig erscheinen, wenn die Leser vom politischen Teil so sehr abgeschreckt werden (nicht aufgrund der linken Artikel selbst, sondern aufgrund der Einseitigkeit der Berichterstattung), dass sie sich z.b. für den Service-Teil nicht interessieren.

Liebe ÖH, macht eure Propaganda in eurem ÖH-Magazin, da is es mir relativ egal, wenn ihr im radikal-feministischen Wahn Frauen nicht nur als gleichberechtigt, sondern als „besser“, weil „einfühlungsfähiger“ und „konfliktlösungsbereiter“ als die Männer bezeichnet. Aber hört auf, aus der Unipress ein dreckiges Propagandablatt zu fabrizieren, dass dann keiner außer eurer kleinen Politikclique mehr lesen will!

Sascha Sierk
Student der Politik- und Kommunikationswissenschaft

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Links = Frauenfeindlich

Provokativ, oder? Einfach so behaupten, Linke wären frauenfeindlicher als Rechte, sprich ÖVP- oder BZÖ-Mitglieder. Behaupten doch schließlich immer alle, die Rechten wollten die Frauen nur am Herd haben.

Doch schauen wir uns mal die Realität an. Fällt euch irgendeine bedeutende linke Frau ein, die viel geschafft hat?

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Basisdemokratie

VIel wird über sie geschrieben. Viel wird ihr zugeschrieben. Und die Plena in den besetzten Hörsälen basieren auf ihr: Der Basisdemokratie. Doch wie soll man das einem an die althergebrachte repräsentative Demokratie gewöhnten Bürger erklären? Wie funktioniert sowas?

Nein, Basisdemokratie ist nicht das, was die Schweizer seit Jahrzehnten machen. Zumindest nicht in der radikalen Form. Alle paar Monate mal Abstimmen dürfen über Gesetze ist noch keine Basisdemokratie. Höchstens ein Zugeständnis zum Willen des Volkes, auch außerhalb von Wahlen mitsprechen zu wollen. Nicht umsonst spricht man ja auch von einem „Mitspracherecht“, sei es bei Volksabstimmungen, Gewerkschaftsbeteiligungen oder ähnlichem.

Basisdemokratie ist keine reine Mitsprache. Man spricht nicht „mit“ den Machthabern, sondern stellt sie dar. Es gibt keine Repräsentanten, keine Wahlen, keine Parteien. (Sollte es zumindest nicht, aber dazu später.) Sondern man repräsentiert sich höchstens selbst und stimmt entweder dafür oder dagegen. Oder enthält sich, man hat ja nicht zu allem eine Meinung.

Doch wie kann man das denen, die mit dem repräsentativen Modell aufgewachsen und großgeworden sind, z.b. der ÖH und ihren Funktionären, Referenten usw. erklären?

Vielleicht so: Basisdemokratie ist wie ein riesiger Chat. Wie knuddels oder IRC. Leute kommen, melden sich an, reden mit, führen Gespräche fort, idlen (sprich sitzen nur rum), treffen manchmal Entscheidungen und gehen wieder. Ist ein Benutzer nicht online, sprich im Plenum, ist er nicht da. Beteiligt er sich nicht, sondern sitzt er nur rum, sitzt er nur rum. Und (und darauf lege ich wert) meldet er sich zu Wort und redet, gibt er seine Meinung kund. Nicht die von anderen. Es sollte keine Fraktionen oder Grüppchen geben. Denn es ist wie im Chat: Wenn sich mehrere zu einem festen Grüppchen zusammenschließen, werden andere dadurch abgestoßen, da es natürlich schwerer ist, gegen ein solches festes Grüppchen zu argumentieren.

Zu so einer Art Demokratie-Chat gehört es auch, dass Quellen von außen eingebracht werden. Die Wiener machen das recht gut, Anfragen aus Facebook, Twitter oder dem stream-eigenen Chat werden aufgegriffen und von anderen vorgebracht, oder werden mithilfe einer Twitterwall direkt ins Plenum projektiert. So können auch Interessierte an der Basisdemokratie teilnehmen, die nicht vor Ort im Hörsaal sein können.

Permanent anwesend kein kann keiner. Wer das meint, vergisst, dass Menschen auch noch andere Bedürfnisse wie die Uni-Politik haben. Freunde, Arbeiten, Studieren, Familie. Zeit ist begrenzt.

Doch das ist in einem Chat kein Problem, sofern die Organisation funktioniert, wenn jemand, der zwischenzeitlich weg war oder neu dazukommt, nicht vor einer Mauer steht, die er nicht zu erklimmen weiß, sondern vor einer Treppe, um zu den anderen auf den Sims steigen zu können.

Wie kann man das jetzt auf die derzeitige Protestbewegung zuschreiben. Nun ja, ich beobachte ja vor allem die Salzburger Unibesetzung, von daher kann ich nur auf diese eingehen.

Zunächst einmal: Das Grundprinzip dieses „Chats“ existiert: Jeder kann ins Plenum gehen, wann er möchte, es gibt zwar nicht 24 Stunden Plenum, aber es gibt natürlich auch sehr wenige IRC-Chats (als Beispiel), die 24h aktiv sind. Also jeder kann ins Plenum, sich dort beteiligen, was sagen. Die Plenumstermine werden auf Facebook verbreitet und auch auf die Homepage gestellt. Soweit klappt es.

Was derzeit irgendwie weniger klappt ist der Treppenbau. Am Freitag habe ich es miterleben dürfen, dass zwei an der Mitarbeit interessierte Studierende nicht wussten, wo sich die Arbeitsgruppen treffen. Es gab keinen Aushang, keine Information im Internet, keine Ansprechpersonen. Es fehlte quasi ein „Bot“, den man fragen konnte (im IRC gibt es Bots, dass sind Programme, die auf bestimmte Befehle reagieren und Informationen geben, z.b. Hilfen.)

Wenn man will, dass die Bewegung nicht ausstirbt bzw. sich am Ende nur auf einen sehr kleinen Teil der Studierenden beschränkt, muss also unbedingt die Information wieder stärker im Vordergrund stehen. Information und Kommunikation sind die wichtigsten Bausteine einer Basisdemokratischen Organisation, denn nur wer die nötigen Informationen und Kommunikationsmöglichkeiten bekommt (sprich an den Arbeitsgruppen teilnehmen kann), kann mitentscheiden.

Was auch nicht so gut klappt, ist derzeit das Hereinholen von „Links“, sprich von auswärtigen Quellen. In Wien geht es, in Salzburg läuft die Debatte in Twitter, Facebook und Plenum eher parallel denn zusammenhängend statt. Als kritische Frage an die im Hörsaal anwesenden Besetzer formuliert: Wie oft lest ihr Twitter? Holt euch ein Meinungsbild über Twitter, Facebook, ähnliches ein? Wie oft gebt ihr Replik darauf?

Das Problem hierbei ist vielleicht: Die meisten im Hörsaal aktiv beteiligten sind eher „RL“-Typen. Das heißt, man weiss was Twitter, Facebook, Blogs sind, sieht aber vor allem die Arbeit im HS als wichtig an.

Das mag für normale politische Arbeit stimmen, diese wird in der „Parteizentrale“ bestimmt… aber diese Besetzungen wurden mit begonnen durch das Internet, durch Vernetzung. Und diese Vernetzungsarbeit fehlt zur Zeit. Man muss keine hochtrabenden Pressemitteilungen mit vielen Forderungen usw. formulieren. Denn die Zielgruppe Nr. 1 sind nicht die Medien, sind nicht die Politiker. Die Zielgruppe Nr. 1 sind die Studierenden.

Mir wurde gesagt: „Entwirf einen Flyer“ auf die Kritik, dass irgendwie bei den meisten Studierenden der Protest nicht ankommt. Einen Flyer… das ist ein Mittel, das höchstens noch die PR-Leute benutzen. Flyer werden angeschaut und weggeworfen. Banner werden angestaunt, gelesen und vergessen. Flyer und Banner sind keine Vernetzung, denn sie sind einseitig.

Vielleicht, Selbstkritik ist ja erlaubt, hätte ich einen „Flyer“ entwerfen sollen, der die Studierenden anspricht. Damit meine ich aber nicht irgendwas papierartiges. Sondern z.b. die Leute auffordern, mehr die Facebook-Seite zu füllen. Und auf der anderen Seite dafür einzutreten, dass auch die Fragen aus Facebook und Co. behandelt werden.

Denn diese Proteste und auch die nächsten, die sicher kommen werden, denn die Situation an den Unis wird sich derzeit ja kaum verbessern, sind anders als früher. Sie sind nicht mehr lokal beschränkt auf das „Reale Leben“ im Hörsaal oder Audimax. Sondern sie finden überall statt, in Wohnzimmern, Arbeitszimmern, Schlafzimmern. Nämlich im Virtuellen Raum… In Chats, im Twitter, auf Facebook. Und sie sind vielschichtiger, es gibt kein „Wir vs. Die“ mehr. Bei der Gruppe „Studieren statt Blockieren“ wird ebenso über die derzeitige Situation diskutiert wie auf „Audimax-Besetzung“. Und wer nicht total einseitig ist in seinem Denken, sieht das auch.

Denn, das ist halt das besondere an einer Basisdemokratie: Da hat nicht nur eine Clique aus Gleichgesinnten miteinander zu diskutieren. Sondern alle. Egal ob über Twitter, Facebook oder im Plenum. und alle sind gleichberechtigt, haben mitzuentscheiden. Nicht „wenn du nicht im Plenum bist, kannst du nicht mitentscheiden“. Nein, das ist keine Basisdemokratie! Das ist Repräsentantendemokratie par exelance!

Juchu, ein Frauenbrowser… mit extra viel Vorzensur

Ein interessanter Artikel im schweizerischen Tagesanzeiger passt gut zum Problem des „Sexismus“.

Vorgestellt wird ein Browser namens „Annabelle“, eigentlich ein umgebauter IE8, der angeblich extra für Frau gestaltet wurde.

Und die Gestalterinnen stellen sich den Browser so vor: redaktionell erstellte Favoritenlisten zu Themen wie Kochen, Bücher, Reiseziele, Lebensorganisation (Horoskope und sowas).

Grandios… angeblich, nach Ansicht der Redakteure, wären Männer reine Facebook-Nutzer und rapidshare-Piraten, Frauen Hausmütterchen.

Als ich den Artikel las, dachte ich nur: Sowas kommt von einer Frau? *lol*

Sorry, liebe Nutzer von annabelle… aber die Zeiten von redaktionell zusammengesammelten Artikeln sind seit dem Ende von Compuserve Geschichte. Das Internet ist frei, und zwar auch frei von Geschlechtermustern.

Mag sein, dass Frauen vermehrt diese Seiten anschauen. Aber erstens verbietet ihnen keiner zu googeln, nach allem was sie wollen, zweitens gibt es auch viele Frauen, die zu der Gruppe der Downloader und Facebookler zu zählen sind (ebenso wie Männer Horoskope und Kochrezepte lesen). Und drittens braucht man dafür keinen speziellen Browser, denn man kann sich auch in den ganz normalen Browsern seine Favoriten einbauen.

Meine Freundin ist keine Feministin. Deswegen würde sie nie auf so einen Blödsinn kommen. Sich z.b. von jemand anderem vorschreiben zu lassen, auf welchen Seiten man nach Büchern usw. zu suchen habe.

Ansonsten verlange ich den Männerbrowser! Mit den Extrabuttons „Rapidshare“ und „Pornoseite“! Wenn wir schon bei den Geschlechterbildern sind.

Und wie gesagt, es passt so wunderbar zu meinem Artikel, wieso ich kein Feminist oder Antisexist bin 😉

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Wieso ich nicht antirassistisch und antisexistisch genannt werden will – sondern gleichberechtigt

Viele kennen die Diskussion über Gender und ähnliches. Kennen die Argumente der Feministinnen, dass aufgrund der Benachteiligung von Frauen, vor allem auf sozialer Ebene, diese zu fördern und zu unterstützen seien. Ebenso die Forderung, dass MigrantInnen zu fördern seien, da ihre Stellung in der Gesellschaft derzeit leider sehr niedrig ist. Mit der Ansicht, dass Frauen nicht benachteiligt werden dürfen, und dass es nicht entscheidend sein darf, ob jemand MigrantIn ist.

Allerdings geht mir bei der Debatte einiges echt gegen den Strich:

1. Die Betonung des Geschlechts bzw. des Migranten-Status durch manche Gruppierungen. Quotierte RednerInnenlisten, bei denen dann die Frauen auch noch bevorzugt werden sollen zum Beispiel. Es ist gut, wenn Frauen dazu ermutigt werden, sich bei Diskussionen einzubringen, denn es ist oftmals nicht einfach für Frauen, sich in einer von Männern dominierten Runde zu artikulieren. Aber bei quotierten RednerInnenlisten gibt es viele Probleme.

Zum Beispiel empfinde ich als Mann es als Beleidigung, wenn Frauen übermäßig bevorzugt werden sollen. Zum Beispiel indem sie überdurchschnittlich oft hochgereiht werden. Und was, wenn sich keine Frau meldet? Bei einer strikt quotierten RednerInnenliste dürfte dann keiner reden, bis eine Frau sich meldet, und die Diskussion wäre tot. Gut, ich kann mir gut vorstellen, dass das einige freut, denn Diskussion bedeutet das man seine Ansichten darlegen muss und damit tun sich manche schwer. Aber es ist im Gesamtkontext nicht konstruktiv, man will ja nicht ewig auf der Stelle treten.

2. Sprüche von manchen, die sich als antisexuell bezeichnen, wie: „Ich bin eine Frau, ich darf jetzt reden“, „man unterbricht keine Migrantin“ (nebenbei habe ich in dem Moment nicht mal jemanden unterbrochen, wenn ich mich mit jemandem anderen unterhalte, während sich die Kollegin mit der Migrantin unterhält, ist meine Intention nicht ihr Gespräch zu stören. Als ob an einem Tisch nur eine Gesprächsrunde sein darf), „du sprichst wie ein Mann“. Das ist Sexismus und Rassismus pur.

Wieso? Weil es das Geschlecht zur ausschlaggebenden Argumentationsebene werden lässt. Manche Feministinnen wissen anscheinend gar nicht, wie dicht sie da dem Faschismus und vor allem dem Nationalsozialismus kamen. Im Nationalsozialismus wurden Menschen auch nicht mehr danach geurteilt, was sie zu leisten fähig und willig sind, sondern: „Bist du Arier? Bist du Jude? Bist du Homosexuell? Bist du Sinti?“. Das nennt man Rassismus. Und wenn jemand nicht sagt: „Tschuldige, aber man unterbricht nicht, wenn jemand spricht“, sondern „man unterbricht eine Migrantin nicht“ ist man ebenso rassistisch wie die Rechtsradikalen!

Wenn man jemanden dafür kritisiert, dass er „wie ein Mann“ diskutieren würde, und das beschreibt mit „laut, gestenreich, direkt“, dann zeugt das eher davon, dass man selbst sexistisch ist, da man nicht in der Lage ist, diese Eigenschaften zu sagen, sondern es wird reduziert auf das Geschlecht. Und das meiner Meinung nach auch, weil die jeweilige Person in dem Moment keine wirkliche Begründung hat, wieso man nicht auch Gesten benutzen darf oder wieso z.b. in einer Situation, in der es etwas hitziger oder lauter ist, nicht laut sein darf. Es zeugt davon, dass die Person sich nicht artikulativ durchsetzen kann, sondern nur durch Vorwürfe.

Ich spreche mit vielen Menschen, auch mit vielen Frauen. Und was ganz interessant ist: Die meisten Frauen sind OHNE die Hervorhebung, dass sie eine Frau sind, ohne die Forderung nach Vorteilnahme aufgrund diesem Umstands, der durch die Verschmelzung zweier X-Chromosomen entstand, sich ganz normal unterhalten können. Und mit ganz normal meine ich, dass man einen gemeinsamen Mittelweg findet: Unterbrechungen z.b. nur, wenn es eine direkte Entgegnung ist, ansonsten lässt man den Kollegen ausreden. Und die Entgegnung zeigt man vorher kurz an, meist durch durch eine kurze Geste.

Ich denke das Problem besteht darin, dass Mann und Frau lernen muss, wirklich gleichberechtigt zu denken. Und das heißt in der Mitte sein. Dass heißt im Endeffekt ausblenden, ob der Gegenüber, mit dem man sich unterhält, ein XX oder XY ist. Auszublenden, ob er aus DE, AT, GH oder US kommt. Wer das hingegen betont, vor allem um seine eigene Meinung durchzusetzen, ist nicht antisexistisch, ist nicht antirassistisch, nicht antidiskriminierend. Sondern er/sie ist sexistisch, rassistisch und dadurch diskriminierend. Denn er ist nicht fähig, das Denken in diesen Kategorien abzuschalten und in konstruktiveren Kriterien zu denken.

Und um es mal auf die Erfahrungen die ich so mache, zurückzukommen: Für einen Großteil der Menschen, vor allem der Studierenden, ist dieser Unterschied der Geschlechter nur wichtig bei der Partnersuche. Für viele, leider nicht einen Großteil der Menschen, hier muss es sich noch durchsetzen, ist der Herkunftsort bei einer Diskussion nicht relevant.

Wir sollten endlich akzeptieren: Es gibt Frau und Mann. Aber das ist egal. Denn für uns sollte doch nicht entscheidend sein, was man ist, sondern was man tut und will.

Und wer ein Problem hat mit Witzen, die „Frauendiskriminierend“ sind, kennt nur nicht genug Witze, mit denen wir „Dreibeine“ fertiggemacht werden können. Denn Diskriminierung zeugt nur von fehlendem Selbstbewusstsein (schließlich würde keiner von uns die Nazis als besonders mutig bezeichnen, in der Gruppe sind sie aggressiv, als Einzelperson trauen sie sich meist nicht mal den Mund aufzumachen.)

Ich freue mich schon auf eure Kommentare. Und ehe jemand wieder mit „ZENSUR“ kommt: Ich zensiere nichts, was nicht strafbar (Aufforderung zu Straftaten und Beleidungen zum Beispiel). Ich brauch nur manchmal etwas zu freischalten der Kommentare.

Ein legales Banner an der Hohensalzburg

Eine der wichtigsten Aktionen, an der viele Studierende tagelang mitgearbeitet haben, ist anscheinend gut angekommen: Seit heute mittag hängt ein Plakat mit der Aufschrift „Free Uni“ von der Türkenwand der Hohensalzburg. (Bilder auf Salzburg.com, © unibrennt).

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Wider dem Universitätsgesetz: Anmeldung für Kurse nur nach Inskripierung!

Die Universität Salzburg hat es wohl wieder mal geschafft: Tausende Studierende sitzen verärgert vor dem Computer und lesen einen Newsletter der ÖH, in dem diese am heutigen Tag bekannt gibt, dass wenn man sich für Unikurse anmelden will bereits inskripiert sein muss = bereits seine 16,86 € ÖH-Beitrag gezahlt haben muss.

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