Juchu, ein Frauenbrowser… mit extra viel Vorzensur

Ein interessanter Artikel im schweizerischen Tagesanzeiger passt gut zum Problem des „Sexismus“.

Vorgestellt wird ein Browser namens „Annabelle“, eigentlich ein umgebauter IE8, der angeblich extra für Frau gestaltet wurde.

Und die Gestalterinnen stellen sich den Browser so vor: redaktionell erstellte Favoritenlisten zu Themen wie Kochen, Bücher, Reiseziele, Lebensorganisation (Horoskope und sowas).

Grandios… angeblich, nach Ansicht der Redakteure, wären Männer reine Facebook-Nutzer und rapidshare-Piraten, Frauen Hausmütterchen.

Als ich den Artikel las, dachte ich nur: Sowas kommt von einer Frau? *lol*

Sorry, liebe Nutzer von annabelle… aber die Zeiten von redaktionell zusammengesammelten Artikeln sind seit dem Ende von Compuserve Geschichte. Das Internet ist frei, und zwar auch frei von Geschlechtermustern.

Mag sein, dass Frauen vermehrt diese Seiten anschauen. Aber erstens verbietet ihnen keiner zu googeln, nach allem was sie wollen, zweitens gibt es auch viele Frauen, die zu der Gruppe der Downloader und Facebookler zu zählen sind (ebenso wie Männer Horoskope und Kochrezepte lesen). Und drittens braucht man dafür keinen speziellen Browser, denn man kann sich auch in den ganz normalen Browsern seine Favoriten einbauen.

Meine Freundin ist keine Feministin. Deswegen würde sie nie auf so einen Blödsinn kommen. Sich z.b. von jemand anderem vorschreiben zu lassen, auf welchen Seiten man nach Büchern usw. zu suchen habe.

Ansonsten verlange ich den Männerbrowser! Mit den Extrabuttons „Rapidshare“ und „Pornoseite“! Wenn wir schon bei den Geschlechterbildern sind.

Und wie gesagt, es passt so wunderbar zu meinem Artikel, wieso ich kein Feminist oder Antisexist bin 😉

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Wieso ich nicht antirassistisch und antisexistisch genannt werden will – sondern gleichberechtigt

Viele kennen die Diskussion über Gender und ähnliches. Kennen die Argumente der Feministinnen, dass aufgrund der Benachteiligung von Frauen, vor allem auf sozialer Ebene, diese zu fördern und zu unterstützen seien. Ebenso die Forderung, dass MigrantInnen zu fördern seien, da ihre Stellung in der Gesellschaft derzeit leider sehr niedrig ist. Mit der Ansicht, dass Frauen nicht benachteiligt werden dürfen, und dass es nicht entscheidend sein darf, ob jemand MigrantIn ist.

Allerdings geht mir bei der Debatte einiges echt gegen den Strich:

1. Die Betonung des Geschlechts bzw. des Migranten-Status durch manche Gruppierungen. Quotierte RednerInnenlisten, bei denen dann die Frauen auch noch bevorzugt werden sollen zum Beispiel. Es ist gut, wenn Frauen dazu ermutigt werden, sich bei Diskussionen einzubringen, denn es ist oftmals nicht einfach für Frauen, sich in einer von Männern dominierten Runde zu artikulieren. Aber bei quotierten RednerInnenlisten gibt es viele Probleme.

Zum Beispiel empfinde ich als Mann es als Beleidigung, wenn Frauen übermäßig bevorzugt werden sollen. Zum Beispiel indem sie überdurchschnittlich oft hochgereiht werden. Und was, wenn sich keine Frau meldet? Bei einer strikt quotierten RednerInnenliste dürfte dann keiner reden, bis eine Frau sich meldet, und die Diskussion wäre tot. Gut, ich kann mir gut vorstellen, dass das einige freut, denn Diskussion bedeutet das man seine Ansichten darlegen muss und damit tun sich manche schwer. Aber es ist im Gesamtkontext nicht konstruktiv, man will ja nicht ewig auf der Stelle treten.

2. Sprüche von manchen, die sich als antisexuell bezeichnen, wie: „Ich bin eine Frau, ich darf jetzt reden“, „man unterbricht keine Migrantin“ (nebenbei habe ich in dem Moment nicht mal jemanden unterbrochen, wenn ich mich mit jemandem anderen unterhalte, während sich die Kollegin mit der Migrantin unterhält, ist meine Intention nicht ihr Gespräch zu stören. Als ob an einem Tisch nur eine Gesprächsrunde sein darf), „du sprichst wie ein Mann“. Das ist Sexismus und Rassismus pur.

Wieso? Weil es das Geschlecht zur ausschlaggebenden Argumentationsebene werden lässt. Manche Feministinnen wissen anscheinend gar nicht, wie dicht sie da dem Faschismus und vor allem dem Nationalsozialismus kamen. Im Nationalsozialismus wurden Menschen auch nicht mehr danach geurteilt, was sie zu leisten fähig und willig sind, sondern: „Bist du Arier? Bist du Jude? Bist du Homosexuell? Bist du Sinti?“. Das nennt man Rassismus. Und wenn jemand nicht sagt: „Tschuldige, aber man unterbricht nicht, wenn jemand spricht“, sondern „man unterbricht eine Migrantin nicht“ ist man ebenso rassistisch wie die Rechtsradikalen!

Wenn man jemanden dafür kritisiert, dass er „wie ein Mann“ diskutieren würde, und das beschreibt mit „laut, gestenreich, direkt“, dann zeugt das eher davon, dass man selbst sexistisch ist, da man nicht in der Lage ist, diese Eigenschaften zu sagen, sondern es wird reduziert auf das Geschlecht. Und das meiner Meinung nach auch, weil die jeweilige Person in dem Moment keine wirkliche Begründung hat, wieso man nicht auch Gesten benutzen darf oder wieso z.b. in einer Situation, in der es etwas hitziger oder lauter ist, nicht laut sein darf. Es zeugt davon, dass die Person sich nicht artikulativ durchsetzen kann, sondern nur durch Vorwürfe.

Ich spreche mit vielen Menschen, auch mit vielen Frauen. Und was ganz interessant ist: Die meisten Frauen sind OHNE die Hervorhebung, dass sie eine Frau sind, ohne die Forderung nach Vorteilnahme aufgrund diesem Umstands, der durch die Verschmelzung zweier X-Chromosomen entstand, sich ganz normal unterhalten können. Und mit ganz normal meine ich, dass man einen gemeinsamen Mittelweg findet: Unterbrechungen z.b. nur, wenn es eine direkte Entgegnung ist, ansonsten lässt man den Kollegen ausreden. Und die Entgegnung zeigt man vorher kurz an, meist durch durch eine kurze Geste.

Ich denke das Problem besteht darin, dass Mann und Frau lernen muss, wirklich gleichberechtigt zu denken. Und das heißt in der Mitte sein. Dass heißt im Endeffekt ausblenden, ob der Gegenüber, mit dem man sich unterhält, ein XX oder XY ist. Auszublenden, ob er aus DE, AT, GH oder US kommt. Wer das hingegen betont, vor allem um seine eigene Meinung durchzusetzen, ist nicht antisexistisch, ist nicht antirassistisch, nicht antidiskriminierend. Sondern er/sie ist sexistisch, rassistisch und dadurch diskriminierend. Denn er ist nicht fähig, das Denken in diesen Kategorien abzuschalten und in konstruktiveren Kriterien zu denken.

Und um es mal auf die Erfahrungen die ich so mache, zurückzukommen: Für einen Großteil der Menschen, vor allem der Studierenden, ist dieser Unterschied der Geschlechter nur wichtig bei der Partnersuche. Für viele, leider nicht einen Großteil der Menschen, hier muss es sich noch durchsetzen, ist der Herkunftsort bei einer Diskussion nicht relevant.

Wir sollten endlich akzeptieren: Es gibt Frau und Mann. Aber das ist egal. Denn für uns sollte doch nicht entscheidend sein, was man ist, sondern was man tut und will.

Und wer ein Problem hat mit Witzen, die „Frauendiskriminierend“ sind, kennt nur nicht genug Witze, mit denen wir „Dreibeine“ fertiggemacht werden können. Denn Diskriminierung zeugt nur von fehlendem Selbstbewusstsein (schließlich würde keiner von uns die Nazis als besonders mutig bezeichnen, in der Gruppe sind sie aggressiv, als Einzelperson trauen sie sich meist nicht mal den Mund aufzumachen.)

Ich freue mich schon auf eure Kommentare. Und ehe jemand wieder mit „ZENSUR“ kommt: Ich zensiere nichts, was nicht strafbar (Aufforderung zu Straftaten und Beleidungen zum Beispiel). Ich brauch nur manchmal etwas zu freischalten der Kommentare.

Ein legales Banner an der Hohensalzburg

Eine der wichtigsten Aktionen, an der viele Studierende tagelang mitgearbeitet haben, ist anscheinend gut angekommen: Seit heute mittag hängt ein Plakat mit der Aufschrift „Free Uni“ von der Türkenwand der Hohensalzburg. (Bilder auf Salzburg.com, © unibrennt).

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Wider dem Universitätsgesetz: Anmeldung für Kurse nur nach Inskripierung!

Die Universität Salzburg hat es wohl wieder mal geschafft: Tausende Studierende sitzen verärgert vor dem Computer und lesen einen Newsletter der ÖH, in dem diese am heutigen Tag bekannt gibt, dass wenn man sich für Unikurse anmelden will bereits inskripiert sein muss = bereits seine 16,86 € ÖH-Beitrag gezahlt haben muss.

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Iran: Gedanken zum Abend

So wie es ja aussieht, schafft es die iranische Führung noch, ihre Machtposition zu halten. Teheran wird durch ein rigoroses Abriegeln aller öffentlichen Plätze „ruhig gehalten“ und in den umliegenden Städten gab es ja schon in den vergangenen Tagen Meldungen von großflächigen brutalen Polizeiaktionen.

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CDU will Ausbau von Internetsperren

Jetzt haben wir es auch schriftlich: Die CDU plant, die Zensurarchitektur gegen Kinderpornographie auf alle Rechtsbereiche auszuweiten und wie in Frankreich eine „3 strikes out“-Politik zu fahren.

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Kurznachrichten

Kaum ist das Internetsperrengesetz beschlossen, schon kommen die ersten und wollen es erweitern: Thomas Strobl, seines Zeichens Schwiegersohns von Schäuble, will das Gesetz auf „Killerspiele“ ausweiten…

Quelle

Meine Frage dazu an ihn bei abgeordnetenwatch: In welchem „Killerspiel“ muss man Kinder mißbrauchen? … Nebenbei, es gibt bisher offiziell keine Kinder in irgendeinem erhältlichen Spiel. Denn auch die Spielehersteller kennen sowas wie Moral, und dazu gehört das Fehlen von kindlichen Avataren.


Übrigens, ihr wollt wissen, wie welcher Politiker abgestimmt hat?

Das könnt ihr ganz einfach nachlesen, bei Abgeordnetenwatch findet ihr dank der namentlichen Abstimmung alle nötigen Infos.

Für mich dabei ein Skandal: Die gesammte Ministerriege und sämtliche Parteivorsitzenden, auch der Oppositionsparteien, waren bei der Abstimmung NICHT anwesend!

Da wird mal eben Paragraph 5 fürs Internet eingeschränkt und die Damen und Herren Spitzenpolitiker sind sich zu fein, Stellung zu beziehen, und lassen lieber die Hinterbänkler sich unbeliebt machen!

PFUI!


Eine US-Amerikanerin wurde jetzt zu 1,7 MILLIONEN Dollar Strafe wegen des Anbietens von 24, in Zahlen Vierundzwanzig, Titeln über Kazaa verurteilt. Das sind 80.000 Euro pro Titel. Oder umgerechnet 80.000 Downloads bzw. 8.000 Singles.

Liebe Musikindustrie, nichts gegen Copyrights: Aber das geht zu weit. Mancher dieser Titel haben sicher in einem Jahr nicht 80.000 legale Downloads erreicht, von daher ist einfach asozial, solche fiktiven Werte anzusetzen. Nur weil ihr nicht mehr in der Lage seid, gute Hits zu produzieren, heisst das nicht, dass ihr jetzt die Raubkopierer schröpfen könnt.

Nebenbei: Die Frau ist in Berufung gegangen. Richtig so, denn der Richter scheint wohl einer der Generation Internetausdrucker gewesen zu sein, wenn er von 80.000 Downloads, die sie alleine pro Titel verhindert hat, ausgeht (wenn man denn annimmt, dass seine Strafe irgendeine reale Basis hatte und nicht einfach nur aus der Luft gegriffen war.)

Quelle

Ein offener (Protest-)Brief

Na liebe Bundesregierung,

ärgert ihr euch schon?

Darüber, was ihr in den letzten 20 Jahren im Bildungssystem falsch gemacht habt?

Nein, ich rede nicht von Bildungsmisere und so. Ich rede davon, dass unsere Generation als erste nicht nur eine Seite der Medaille im Wipo-Unterricht lernte. Nicht nur die Seite der Regierung. Da habt ihr wohl was falsch gemacht, oder?

Kein Staatsbürgerkundeunterricht, sondern politische Bildung, das bekamen wir seit den 80ern aufgetischt. Und wir lernten, dass die Grundpfeiler dieses Systems auf Solidarität, Demokratie, Rechtstaatlichkeit, Toleranz gegenüber anderen und Freiheit basieren. Wir begannen das Grundgesetz zu verstehen.

Wir sind die erste Nachkriegsgeneration, die diese Solidarität (in Form von vielerlei Netzwerken im Internet), Demokratie (in Form von Basisdemokratie, siehe ePetition), Rechtstaatlichkeit (das Internet ist kein rechtsfreier Raum), Toleranz (im Internet wird nicht abgeschoben oder wegen Rasse oder Geschlecht diskriminiert) und Freiheit (man darf ansonsten machen was man will) wirklich ausleben.

Nicht auf der Straße, denn da regiert die Bild-Zeitung, das Fernsehen und dahinter ihr. Bestimmt, worüber die Menschen denken sollen und woran sie nicht denken sollen. Wie sie zu handeln haben, wie sie zu leben haben, wie sie zu funktionieren haben. Wir leben es im Internet aus!

Wir sind nicht aufgewachsen mit den Erinnerungen an 1945 und davor, auch die 68er sind für uns schon Geschichte und für viele ist sogar die DDR nur ein Kapitel in der deutschen Geschichte. Doch merkwürdigerweise ist gerade unsere Generation es, die jetzt aufsteht gegen die immer erdrückender werdende Einschränkung der Bürgerrechte.

Ihr seit die Generation Nachkriegsdeutschland, die Generation 68. Als ihr jung wart, habt ihr protestiert gegen eure Eltern, die den Holocaust, die Zerhöhlung und Zerstörung der Weimarer Republik und den Zweiten Weltkrieg verursacht haben. Müssen wir bald demonstrieren, weil ihr dasselbe mit der Berliner Republik macht?

In den 90ern hatte es geheißen, der Generationenkonflikt sei passé. Eine Hoffnung von euch, dass endlich alle Generationen durch die Medien kontrollierbar seien. Bis das Internet kam und ihr den Draht zur Generation<35 verloren habt.

Wir lesen nicht mehr die Bild, nur noch das BildBlog. Wir schauen nicht mehr stumm "Hart aber Fair" und schlucken die Fehlinformationen, wir klären auf. Wir lassen uns nicht mehr von den Nachrichten einreden, was gut und was schlecht ist, wir bloggen uns unsere eigene Meinung.

Leid tut es mir nur um eure junge Generation. Die, die ihr nicht ranlasst, weil sie zu progressiv denkt. Weil sie nicht der Parteilinie folgt, wonach Killerspiele, Paintball oder Raubkopien ein Werk des Teufels sind. Denn dank eurer Politik hat diese Jugend in euren Parteien keine Zukunft mehr. Und ohne Jugend haben eure Parteien keine Zukunft mehr.

Versucht nur ruhig eure Blockaden gegen euch mißliebige Seiten einzurichten. Wir wissen, ihr plant mehr zu blocken als nur ein paar Drecksseiten aus Russland oder Thailand. Aber wir werden auch blocken. Nämlich cdu.de und spd.de . Und csu.de natürlich auch. Und wir können das. Denn wir wissen, was ein Browser ist.

Auf der Straße könntet ihr uns noch kontrollieren. Mit Kameras, mit der BILD-Zeitung und RTL oder durch Wahlkampfstände. Im Internet könnt ihr es nicht mehr. Denn hier regieren wir. Obama, Schweden und der Iran sind nur die Vorboten!

Ein Blogger

CDU/CSU und SPD haben das Internetsperrengesetz beschlossen

Zwei Tage nach dem Ende der bislang erfolgreichsten ePetition an den deutschen Bundestag, einen Tag nach dem Gedenken an die Opfer des 17. Juni 1953, ein Datum, an dem damals Arbeiter gegen die Unterdrückung in der DDR auf die Straße gingen und von den Sowjettruppen niedergeknüppelt wurden, hat der Deutsche Bundestag nun mit den Stimmen von CDU, CSU und SPD ein Gesetz beschlossen, mit dem das BKA das Recht bekommt, mißliebige Internetseiten zu sperren.

Die Generation „offline“ lässt sich nicht beirren. Egal, das sich 130.000 User allgemein gegen die Sperrung von Internetseiten aussprechen. Egal, das Experten, Datenschützer und Polizeichefs anderer Länder solche Internetsperren als nutzlos bezeichnen. Das „Gesetz zur Sperrung kinderpornographischer Seiten in Kommunikationsnetzen“ ist beschlossen worden.

Mit 389 zu 128 Stimmen, mit 18 Enthaltungen, entschieden sich CDU, CSU und SPD, lieber einen Law-and-Order-Wahlkampf der Familienministerin Ursula von der Leyen, die doch viel lieber Gesundheitsministerin geworden wäre, zu unterstützen, als aus Vernunftsgründen sich zu überlegen, wie man Kinder WIRKLICH besser schützen kann.

Dass kein Kind durch solche Sperren vorm sexuellen Mißbrauch bewahrt wird, dass diese Sperren in ca. 20 Sekunden umgangen werden können, dass diese Sperren jederzeit ausbaubar sind, sofern es die Politiker wollen, und ein freiheitlich denkender Mensch deswegen solchen Mechanismen eine Absage erteilen sollte, ist für die Sozialdemokraten und die Union kein Grund gewesen, abzulehnen.

Bei der CDU ist es klar: Law-and-Order macht sich immer gut im Wahlkampf bei den über 50-Jährigen, der Gruppe Wähler, die mehrheitlich die CDU wählen. Vom Internet haben die größtenteils nur aus dem Fernsehen gehört, und davon, dass man nicht wie beim Telefon einfach die Leitung kappen kann, um jemandem vom Netz zu kriegen, wissen diese natürlich nichts.

Hindergründe zum Kindesmißbrauch? Bei vielen CDU-Wählern sicher ein ungern gehörtes Thema, denn da die CDU stark von Familienmenschen gewählt wird, klingt es sicher grauenhaft für diese, erfahren zu müssen, dass die Mehrheit der sexuellen Mißbrauchsfälle IN DER FAMILIE geschehen und nie aufgedeckt werden.

Aber die SPD? Was reitet die? Koalitionstreue bis zum letzten Regierungs-Atemzug? Hoffen, dass die jugendlicheren Internetnutzer ihnen verzeichen?

In der SPD haben sich nicht nur mehrere hohe Politiker gegen die Sperren zu Wort gemeldet (darunter der gescheiterte Landeschefkandidat Torsten Schäfer-Gümbel), sondern auch das Onlinegremium, ein SPD-Ausschuss, der sich um das Online-Wahlmarketing kümmert, äußerte harsche Kritik an der Führung. Wahrscheinlich denken sich in diesem Gremium schon viele: „Wieso überhaupt noch arbeiten? Mit dieser Entscheidung unserer Bundestags-Abgeordneten hat sich die SPD doch sowieso schon zur Verliererpartei erklärt.“

Auch die SPD-Bundestagskandidaten, die gehofft hatten, bei der Wahl am 28. September ins Parlament einziehen zu dürfen, sind geschockt: In einem offenen Brief gehen Sie davon aus, dass die SPD in vielen Wahlkreisen so sehr an Zustimmung verlieren wird, dass sie nicht über Direktmandat oder Landesliste einziehen werden.

Angeschaut habe ich mir natürlich die Bundestagssitzung am heutigen über den Phoenix-Livestream, der dankenswerterweise nicht auf die ARD umgeschaltet hat um 20:00. Und es war erschreckend, was sich dort an politischer Unkultur zeigen durfte:

Die SPD schob einen jung wirkenden Politiker vor, der versuchte, zu begründen, wieso die SPD dem Antrag zustimmt, und antwortete auf den Wunsch einer Zwischenfrage von Jörg Tauss (SPD): „Von jedem würde ich eine Frage annehmen, aber nicht von Ihnen.“ Soviel zur Einteilung Feind, Todfeind, Parteifreund.

Die CDU kam mit ihrer bereits aus der ersten Sitzung bekannten und wie damals nicht gerade kompetent erscheinenden jungen Familienpolitikerin, die Franziska Heine nur noch als „die junge Dame“ bezeichnete und die sich darüber aufregte, dass es in Deutschland Menschen gibt, die sich auch dann Gedanken um den Datenschutz und die Meinungsfreiheit machen, wenn es doch vorgeblich nur um Kinderpornographie ginge. Man hatte das Gefühl, sie wäre die kleine Schwester von Frau von der Leyen: Keine Ahnung, aber zuviel zu sagen.

Ich frage mich, wieso die SPD nicht GEGEN das Gesetz gestimmt hat. Wir sind am Ende der Wahlperiode, jeder weiss, es ist bereits Wahlkampf, wieso traut sich diese Partei nicht zu sagen: „Wir wollen was gegen Kinderpornographie tun. Aber nicht mit ihrem unausgegorenen Gesetz, Frau von der Leyen.“ Wieso geht sie auf diesen Wahlkampfschmu der Bundesfamilienministerin ein?

In Österreich war der letzte Sitzungstag 5 Tage vor der Wahl ein regelrechter wilder Westen: Da wurden sämtliche über 1 1/2 Jahre vergessenen Anträge abgearbeitet und die Parteien waren sich nicht zu schade, spontane Abstimmungsbündnisse zu treffen, z.b. SPÖ, Grüne und FPÖ, um die jeweils bisher vernachlässigten Forderungen durchzusetzen. Gut, schlechter Stil, sich in Koalitionsverhandlungen übern Tisch ziehen zu lassen und dann am Ende noch schnell Fakten schaffen für die Nachfolge-Politiker-Generation.

Aber SPD und CDU machen es ja nicht anders. Eine SPD-Politikerin: „Was aus dem Gesetz noch so gemacht wird, ist eine Sache der nächsten Legislaturperiode.“ Also auf gut Deutsch: Wir schaffen erstmal schwer widerrufbare Fakten, die Ausbesserungen dürfen die Trottel machen, die sich wiederwählen lassen.

Fraglich ist sowieso die Entstehung dieses Gesetzes: Zunächst waren ja weitreichende Gesetzesänderungen des Telemediengesetzes geplant, jetzt wird dort Artikel 2 verändert und ein neues Spezialgesetz eingeführt. Also eigentlich ein neuer Gesetzesentwurf, sprich eigentlich müsste es die 1. Sitzung gewesen sein.

Doch: Man machte mal eben die 2. und 3. Sitzung gleich zusammen, damit auch ja nix schiefgeht. Sehr oft gibt es das nicht, dass ein Gesetz an einem Tag gleich zwei Lesungen durchläuft, und in meiner Nase riecht es sehr stark nach diktatorischer Methode. Immerhin reden wir hier nicht über einen Eilantrag oder eine Lappalie, sondern über die Legitimierung des BKA, polizeiliche Maßnahmen im Internet durchführen zu dürfen.

Betont wurde von den meisten Politikern, das Gesetz sei doch nur für die Bekämpfung von Kinderpornographie da und werde deswegen nicht ausgeweitet. Muss es auch nicht. Denn schon mit dem jetzigen Gesetz lassen sich mit guter Begründung Filesharing-Seiten sperren.

Mögliche Begründung: Wie viele der Experten herausgefunden haben, verbreiten viele der Pädophilen ihre Kinderpornographie über Filesharing-Programme und -seiten. Also gehören auch Seiten, auf denen man sich emule- oder torrent-Programme runterladen kann, sowie Filesharer wie Rapidshare, gesperrt.

klingt das zu unmöglich? In Schweden wurde versucht, mit dieser Begründung ThePirateBay zu sperren! Wogegen sich diese nur wehren konnten, indem sie klarstellten, dass ThePirateBay keine Kinderpornotorrents verlinkt.

Und wer sagt eigentlich, dass die Erwähnung von Seiten wie wikileaks, bekannt für die Veröffentlichung von ausländischen Sperrlisten, um aufzuzeigen, dass dort zumeist regierungskritische Seiten oder normale Pornoseiten aufscheinen, sogar ohne TLD (die .xxx Endung) oder Link, nicht schon Grund genug sein könnte für eine Sperrung? Der BpJM liegt ein Antrag vor, wonach die Seite Gameware aus Österreich indiziert werden soll. Begründung: Die Spielberichte würden die Jugend negativ beeinflussen. Eine indizierte Seite darf man in Dland nicht mehr namentlich nennen. Und wikileaks wird sicher als eine der ersten Seiten gesperrt werden.

Was gegen sowas hilft? Eigentlich nur noch Methoden wie im Iran: DNS-Server benutzen, die nicht kontrolliert werden. Proxies benutzen. IPs verschleiern. Es klingt asozial, weil man sich damit auf dieselbe Stufe stellen muss wie die Täter, die solche Seiten anschauen. Aber woher wollen wir wissen, ob die Bundesregierung nicht in der nächsten Legislaturperiode die Sperrmaßnahmen erhöht, um aus einem erfolglosen Projekt noch etwas mehr herauszuholen.

Und um auf unsere Internetausdrucker in SPD und CDU/CSU zurückzukommen: Wahltag ist ZAHLTAG! Und euer Zahltag ist der 28. 9. 2009!

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Ein völlig sinnloser Fakt nun aber zum Schluss: ich bin jetzt auch im Twitter:

Unter AcmeHeadlines könnt ihr jetzt aktuelle Kurzpostings von mir zu aktuellen Themen lesen.

Der Stadtbus 2009 – eine Kritik

Der Stadtbus Salzburg führt auch in diesem Jahr wieder eine Umfrage bezüglich seines Angebots durch und da es dort ja auch ein Feld: „Was sie uns sonst noch sagen wollen“ gibt, habe ich mir mal die Freiheit erlaubt und meine Kritikpunkte zusammengefasst:

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