Drei Jahre Diskussion

Als ich den Beitrag zu talk2move schrieb, hatte ich noch nicht damit gerechnet, dass dieser einmal der Topartikel meines Blogs sein würde. Er war gedacht gewesen als Gedächtnisprotokoll einer Schulung in Salzburg am 30. Juni 2008 und schilderte neben dem dort Geschehenen natürlich auch eigene Einschätzungen, z.b. die damalige Bezahlsituation der MitarbeiterInnen.

Einiges hat sich mittlerweile geändert, talk2move gibt es in Österreich nicht mehr, das Fundraising haben hier die Hilfsorganisationen übernommen, in Deutschland gibt es die Firma unter denselben Akteuren weiterhin. Die Bezahlmodelle wurden verändert, mittlerweile gibt es laut Angaben von talk2move ein Stundenfixum von 8 Euro + Provisionen (was einer normalen Promotion-Bezahlung entspricht, zumindest hier in Österreich), das Punktesystem wurde anscheinend verändert (in welcher Form, bin ich noch am Recherchieren) und: Der Ursprungsbeitrag wurde zu einer Art Diskussionsplattform im Blog, in der KritikerInnen wie BefürworterInnen sich äußern.

Auch der Geschäftsführer von talk2move, Robert Hatwagner, hat sich mittlerweile geäußert und eine offizielle Stellungnahme seitens talk2move gegenüber meinem Blog abgegeben. Damit diese nicht total im Kommentarbereich des Originalbeitrags verschwindet, poste ich diese hier noch einmal (Formatierungen sind von mir, da die Kommentarfunktion die nicht in der Form zulässt (nur ich darf HTML verwenden, aus Sicherheitsgründen)).

ÖFFENTLICHE MITTEILUNG DER TALK2MOVE FUNDRAISING GmbH & Co.KG – Geschäftsführung

Man gewinnt immer, wenn man erfährt, was andere von uns denken. (Johann Wolfgang Goethe)

In diesem Sinne bedanken wir uns für die Anmerkungen, offenen Kritiken und Vorschlägen talk2move und seine Arbeit besser zu gestalten.

Unsere Partner, die SOS-Kinderdörfer, der Malteser Hilfsdienst, Malteser Hilfsdienst international, die Aktion Weltkinderhilfe und der WWF schätzen unsere Zusammenarbeit seit Jahren. Die Gewinnung von Förderern, das face-to-face Fundraising, ermöglicht es, sich für wichtige Projekte einzusetzen.

Nach den bewegten Anfangs,- und Wachstumsjahren ist unser Mitarbeiterpool auf inzwischen ca. 1.000 Fundraiser pro Jahr angestiegen. Das ist eine Entwicklung, die wir grundsätzlich mit Freude betrachten. Dennoch machte auch talk2move bei dieser rasanten Entwicklung gute und schlechte Erfahrung.

Neben den vielen gelungenen Aspekten, sind auch Fehler passiert, auf die wir reagiert haben und reagieren mussten. Wir möchten uns und unsere face-to-face Kampagnen verbessern!
Wir möchten anmerken, dass ein Großteil der Kritikpunkte aus den Jahren 2006 bis 2009 aus Österreich stammen.

Kommunikations-und Qualitätsmanagement:

Im Februar diesen Jahres (2011) haben wir die Position einer Qualitäts,- und Kommunikationsmanagerin geschaffen und Nadine Sachse engagiert. Nadine ist eine langjährige Teamleiterin (5 Jahre) in der Wochenkampagne (bundesweite Tour) und ausgebildete Diplom Kommunikationswirtin und Fachwirtin für Event,- und Messemanagement.

Künftig wird sie bei Problemen als Ansprechpartnerin für unsere Fundraiser fungieren und das Beschwerdemanagement leiten. Dabei können Anmerkungen kommuniziert und in Folge Probleme gelöst werden. Nadine reist auch direkt zu den Teams vor Ort und führt Mitarbeitergespräche, unabhängig vom Erfolg der Fundraiser.

Zusätzlich wurde eine Helpline ins Leben gerufen. Die Helpline ist eine Rufnummer sowie ein Mailkontakt, unter denen -ggf. auch anonym- Anregung und Beschwerden abgegeben werden können. So können wir von Unstimmigkeiten erfahren, rascher reagieren und Mängel beheben.
Nadine sagt selber über Ihren neuen Job (Zitat) “Obwohl ich eine Führungsposition in einer Marketingagentur inne hatte, bin ich meinem Herzen gefolgt. Ich möchte mit talk2move Non-Profit-Organisationen unterstützen und mit meiner Arbeit etwas Gutes bewirken“.

Quartiere & Teamleben

Jedes Team wir mindestens einmal wöchentlich durch unsere Kommunikationsmanagerin oder durch einen Coach besucht. Dabei überprüfen wir die Qualität der einzelnen Ferienwohnungen und das Wohlbefinden der Fundraiser. Zusätzlich checken wir die Rahmenbedingungen und den Umgangston innerhalb der Teams. Wir möchten uns vor Ort ein Bild machen um Verbesserungen direkt umzusetzen.

Arbeitsmethoden & Führungsstil

Der kooperative und motivierende Führungsstil ist wesentlicher Bestandteil in der eigens festgelegten Firmenphilosophie von talk2move. Der in der Vergangenheit durch einzelne Mitarbeiter teilweise praktizierte, streng autoritäre Führungsstil wurde durch motivierende Zielvereinbarungen, Coaching und Spaß am Job ersetzt. Wir haben uns von denen getrennt, die diesen neuen Führungsstil nicht mitgetragen haben.

Unsere Führungskräfte & Coaches haben im letzten Jahr erfolgreich ihr Weiterbildungsprogramm absolviert, um die Führungsaufgaben kompetenter zu erfüllen und sich als Vorbilder der Kampagne weiterzuentwickeln. Unterstützt wurden wir dabei von externen Beratern und Trainern.

Weiterbildung & Schulung

Weiterbildung und Schulung sind uns ein zentrales Anliegen. In regelmäßig stattfindenden Seminaren und Workshops werden unsere Mitarbeiter geschult. Wir möchten vor allem durch starkes Teamplay und Fachkompetenz überzeugen. Aus diesem Grund wird jeder Mitarbeiter vor seinem Einsatz über den von ihm zu vertretenden Verein informiert und im Gespräch geschult. Hierbei werden kommunikative Grundlagen vermittelt und Argumentationshilfen gegeben, um unsere Partner imagefördernd in der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Wir handeln nach den Grundregeln für Fundraiser (-innen) des Deutschen Fundraising Verbandes e.V. und richten uns nach den Kriterien des Deutschen Zentralinstitutes für soziale Fragen (DZI).

In der Wochenkampagne (bundesweite Tour) erfolgt die Schulung am Anreisetag. Die Neuanreisen kommen in der Regel zwischen 15 und 16 Uhr am Zielbahnhof an. Die Dauer der Schulung hängt von der Teamgröße und dem vorhandenen Vorwissen der künftigen Mitarbeiter ab. Wir rechnen mit bis zu fünf Stunden.

Um die Schulungsdauer in Zukunft zu verkürzen, bieten wir die Möglichkeit den Gesprächsleitfaden vorab zu erhalten, so dass die künftigen Mitarbeiter diesen vor der Anreise schon verinnerlichen können. Wir sehen es als unsere Verantwortung gegenüber unseren Partnern, unsere Fundraiser bestmöglich vorzubereiten.
„ Je besser die Vorbereitung, desto kürzer wird die Schulung sein.“

Qualitätskontrolle

Fundraising oder Werben ist eine gute Möglichkeit Geld zu verdienen. Dazu stehen wir auch in der Öffentlichkeit ein. Deshalb trägt jeder Fundraiser einen Arbeitsausweis, auf dem vermerkt ist, dass er für seine Arbeit am Infostand vergütet wird.

Wir bauen auf die Grundsäulen der Ehrlichkeit. Aus diesem Grund ist Fundraisern und Teamleitern die Behauptet untersagt, dass er für seine Tätigkeit nicht entlohnt wird. Jeder Fundraiser wird für seine Tätigkeit bezahlt. Erhalten wir Kenntnis, dass Mitarbeiter diese Behauptung aufstellen, ist das ein Kündigungsgrund.

Im Rahmen der Qualitätskontrolle werden Gesprächsinhalte durch eine von uns engagiert Mysteryshopperagentur und durch unser hauseigens Callcenter durchgeführt. Das Callcenter tätigt den Begrüßungsanruf bei den neu gewonnene Fördermitgliedern und bewertet die Qualität der einzelnen Gespräche.

Selber spenden

Viele unserer Mitarbeiter werden aufgrund ihrer persönlichen Überzeugung selbst förderndes Mitglied bei unseren Partnern. Das ist aber keine Bedingung für den Job und wird auf keinen Fall als Verpflichtung angesehen. Im letzten Jahr haben wir daraufhin unsere Qualitätsrichtlinien stark erweitert. Diese werden von jedem Teamleiter, im Beisein des Coaches unterschrieben. Darin ist festgelegt, dass eine Mitgliedschaft der Teammitglieder weder vergütet noch gezählt wird.

Mitarbeiter

Jeder Mitarbeiter bei uns sollte seinen Job aus Überzeugung vertreten. „Es freut mich zu sehen, dass aufgrund der Optimierung viele ehemalige „talk2moveler“ wieder zurück zu uns gefunden haben. Und dies, obwohl sie in konkurrierenden Agenturen bereits Führungspositionen innehatten“, sagt Robert Hatwagner, Geschäftsführer der talk2move fundraising GmbH & Co. KG.
Das zeigt, dass wir uns vor allem in puncto Professionalität zu anderen Agenturen unterscheiden. Nicht ohne Grund sind wir Marktführer in der Durchführung von Infostandkampagnen in Deutschland.

Wer bei uns arbeitet, soll mit Herz dabei sein. Aus diesem Grund wurde die Passage der Konventionalstrafe aus den aktuellen Arbeitsverträgen gestrichen. Auch weil in der Vergangenheit zu keinem Zeitpunkt Gebrauch davon gemacht wurde.

Die meisten unserer Mitarbeiter sehen den Job mittlerweile nicht mehr nur als lukrativen Nebenjob an, sondern verstehen zunehmend auch den gelebten Idealismus. Ehemalige Mitarbeiter bestätigen uns immer wieder, dass sie durch den Job vor allem ihre persönlichen Fähigkeiten (Soft-Skills) erweitert haben und diese in ihren heutigen Berufen gut anwenden können. Ehemalige Kollegen und Mitarbeiter sind heute Ärzte, Juristen oder Lehrer.

Robert Hatwagner
Geschäftsführer
&
das talk2move-Team
Rosenthaler Straße 13
10119 Berlin
Kontakt: info@talk2move.de

Die Pressemitteilung ist als PR-Mitteilung natürlich zu kommentieren. Zum einen ist natürlich die Frage, was nicht genau aus dem Statement herausgeht, inwiefern die Telefonhotline unabhängig von talk2move ist. Gerade um eine anonyme Beschwerdestelle für MitarbeiterInnen zu ermöglichen ist diese Unabhängigkeit vom Unternehmen wichtig.

Positiv kann man das nach der Pressemitteilung stärkere Verantwortungsbewusstsein gegenüber Mitarbeitern und auch den Spendern. Ehrlichkeit ist eine wichtige Grundlage im Geschäftsleben, denn nur so entsteht Vertrauen gegenüber dem Produkt, egal um was es sich handelt.

talk2move kann man also auf alle Fälle zugute halten, dass sie meinem Empfinden nach gesprächsbereit sind (und, nach den Angaben der Pressemitteilung, Kritik auch aufnehmen und handeln), auch Tobias (ein Mitarbeiter von talk2move) äußert sich häufig zu Kommentaren meiner UserInnen.

Dass die Pressemitteilung die Meinung von talk2move darstellt und ich (auch aufgrund der mittlerweile etwas größeren Entfernung zur Geschäftszentrale (Berlin ist weiter weg als Wien, zumindest von Salzburg aus) kaum in der Lage bin, alles nachzurecherchieren, was in der Mitteilung gesagt wird, möchte ich hier nochmals hervorheben, weswegen ich mich natürlich darüber freue, wenn KommentatorInnen sich zu den Aussagen äußern 🙂

Ich frage mich, ob man am Ende dieses Beitrags sich „auf weitere 3 Jahre“ oder es doch eher angebracht ist, ein „mal schauen, wie sich diese Geschichte weiter entwickeln wird“, eignet. Auf alle Fälle danke ich ALLEN KommentatorInnen und LeserInnen für ihre Treue und hoffe, dass ihr auch weiterhin hier gerne schreiben werdet.

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4 Antworten to “Drei Jahre Diskussion”

  1. Ph. K. Says:

    Ich wurde vor gerademal zwei Tagen von zwei Studentinnen von T2M auf der Straße angesprochen, die mich für einen Ferienjob gewinnen wollten. Sie erklärten mir in aller Kürze, worum es ging und luden mich zur obligatorischen Info-Veranstaltung ein. Dort war ich dann heute mit einem Freund und nur einem einzigen anderen, einem Studenten. Die Leute von T2M, zwei an der Zahl, waren durchaus cool und gesprächig und nach alldem hatte und habe ich ziemlich Lust, diesen Job in zwei, drei Wochen in den Sommerferien anzutreten.

    Dann habe ich vor einer Stunde beschlossen, mich vorsichtshalber nochmal über die Agentur zu informieren. Dabei habe ich eben ziemlich viele Erfahrungsberichte gelesen, die die Arbeit in himmlische Sphären lobten, andere (und die waren mindestens genauso oft, wenn nicht sogar öfter vertreten) machten aufmerksam auf die unmenschlichen Arbeitsbedingungen und die vergleichsweise geringe Belohnung. Zum Schluss habe ich ernsthaft dran gezweifelt, ob ich diesen Job überhaupt annehmen soll…

    Nun habe ich nach weiterem Googeln diesen Eintrag gefunden und habe mich schon ein wenig gefreut, dass T2M da Änderungen vorgenommen hat und Besserung verspricht. Allerdings habe ich in dem Schrieb des Geschäftsführers Hatwagner zwar gelesen, dass z.B. die faschistischen Coachs und Teamleiter ersetzt wurden (wovon ich mich noch persönlich überzeugen muss), aber dort steht beispielsweise nichts geschrieben von geregelten Arbeitszeiten, was meiner Meinung nach das Hauptproblem der Agentur war/ist.

    Bei der Veranstaltung heute hat man mir versichert, die Arbeitszeiten würden sich an den Geschäftszeiten des jeweiligen Standpunktes orientieren, also bei uns in Karlsruhe so etwa von 10:00 Uhr bis 8:00 Uhr. Mit ein bis anderthalb Stunden Pause dazwischen wäre das ein erträglicher Job, aber offenbar scheint es niemanden zu geben, der mir garantieren kann, dass daraus nicht 12 oder 13 Stunden werden (und das ist bei Licht besehen schon sehr, sehr viel. Nichtmal meine Eltern arbeiten so lange.).

    Das ist der Punkt, bei dem ich noch sehr skeptisch bin… Gibt es da nicht Arbeitnehmerregelungen, die festsetzen, dass ich ein bestimmtes, festgelegtes Stundenpensum arbeite, dazwischen eine festgelegte Pause habe und niemand ein Recht hat, mich länger dort herum zu schicken? Solche Juristenfragen sind leider nicht mein Ding…

    Ich finde es klasse, dass dieser Blog-Eintrag so jung ist und hoffe, dass in der kurzen Zeit, die mir noch bleibt, auch andere ihre Erfahrungen oder Ratschläge einbringen.

  2. saschap Says:

    Hey. Ich empfehle dir auch, den Ursprungsartikel zu lesen, der sich hier befindet. Dort gibts mittlerweile über 70 Kommentare, von t2m-Mitarbeitern, Kritikern, Kunden, usw. Der Artikel ist 3 Jahre alt und schildert die Situation von 2008 in Österreich, die Kommentare beziehen sich jedoch größtenteils auf Deutschland.
    mfg Sascha


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