Unipress – Warum ich kein Chefredakteur dort sein würde

Salzburg hat eine eigene Zeitung für die Studierenden, die sogenannte Unipress. Das ist eine von der ÖH herausgegebene, sich an alle Studierenden wendende Zeitung.

Derzeit sucht die ÖH anscheinend immer noch fieberhaft nach einem neuen Pressereferenten, der sich dann auch um die Belange dieser Zeitung kümmern müsste. Eigentlich ein interessanter Job. Wenn da nur nicht die ÖH wäre. Denn seitdem es die rot-grüne ÖH-Führung gibt, gilt „nichtpolitisch“ sein wieder als unfein. Der Pressereferent soll deshalb den Wünschen der ÖH nach auch „politisch sensibel“ sein, was soviel heißt wie der ÖH-Politik treu ergeben.

Nun kann man sich denken: Bei so einen „Propagandamagazin“ wie der Unipress normal. Nur ist die Unipress eigentlich nicht das Propaganda-Magazin. Dafür hat die ÖH ihr eigenes „ÖH-Magazin“, in dem sie eigentlich lang und breit ihre politischen Ideen kundtun kann. Die Unipress sollte (und das war sie unter der alten schwarz-roten Führung auch) eine Zeitung sein, die sich unabhängig von der Parteifärbung für die Belange der Studierenden einsetzt und dabei journalistisch hochwertige Artikel produziert.

Journalistisch hochwertig. Das heißt, dass im Idealfall pluralistisch verschiedene politische Meinungen angesprochen werden und diese dann kritisch beleuchtet werden. Geschieht natürlich im Normalfall nur eingeschränkt, gerade in Österreich, wo der Staat sehr viel Einflussmöglichkeiten auf den ORF hat. Doch es stellt ein Ideal dar, dem sich Journalisten verpflichtet fühlen sollten, zumindest wenn sie nicht nur durch Parteibuchwirtschaft auf ihren Posten gekommen sind.

Die letzte Unipress hat dann auch bewiesen, wie so eine Zeitung aussieht, wenn eben nicht pluralistische Meinungsbildung, sondern nur einseitige Meinungsmache gestattet wird: Das eigentlich sehr vielschichtige Thema Feminismus und Emanzipation wurde nur einseitig aus dem Sicht der autonomen Frauenbewegung betrachtet, die Emanzipation der Männer, die auch führende Feministinnen wie Alice Schwarzer immer wieder fordern, wurde ebenso außen vor gelassen wie gemäßigtere Strömungen in der Frauenbewegung. Die Frage „wie emanzipiert ist die Durchschnittsfrau“ wurde ebensowenig gestellt. Dafür wurde wiederholt angeprangert, dass es noch keine Rektorin an einer Universität gibt (was sich aber aufgrund des Frauenüberschusses an den Universitäten, auch im Lehrkörper und im Rektorat, bald ändern dürfte), es wurde im Rahmen des internationalen Frauentages (nicht Frauenkampftag! Nur weil man selbst gerne gegen alles ist, kann man nicht einfach internationale Bezeichnungen umändern) nicht erwähnt, dass Frauen nicht etwa durch Tarifverträge oder Gesetze schlechter bezahlt werden (anders als es z.b. den Ostdeutschen im Vergleich zu den Westdeutschen ergeht), sondern dass es vor allem an der Arbeitssituation (Teilzeit, schlechter bezahlte Jobs) liegt, dass Frauen im Durchschnitt ein Viertel weniger Geld verdienen als Männer. Und sowieso wäre eh an allem der Kapitalismus schuld, dass auch in der DDR Frauen im Durchschnitt weniger verdienten als Männer, wenn auch mehr Frauen in Lohn und Brot standen, wird gerne mal vergessen. Aber ok, wenn eine Ausgabe schon statt eines Vorwortes einen Artikel des sich nervend in den Vordergrund drängenden Frauenbüros hat, kann der Inhalt ja kaum objektiv sein.

„Ja, gibts denn keine gegenteiligen Artikel?“, wird sich jetzt der geneigte Leser fragen. NEIN, gab es in der Ausgabe im Politikteil nicht, eine marxistische Kapitalismuskritik, die die üblichen Klischees aufarbeitet, die Marxisten vom Kapitalismus haben, ohne zu unterscheiden zwischen kapitalistischen Wirtschaftsformen in Südamerika, Japan, Europa oder Nordamerika, als ob alle Systeme gleich wären. Und das war auch gar nicht gewollt, wie mir Kay-Michael Dankl, Bildungssprecher der ÖH, persönlich erklärte, man würde zwar in unterschiedlichen Ausgaben unterschiedliche Meinungen zulassen wollen, aber diese Einseitigkeit sei gewollt gewesen.

Super, bei kritischen Themen wie dem Feminismus oder Kapitalismuskritik werden unterschiedliche Meinungen nicht zugelassen, aber bei Wischi-Waschi-Themen wie „Welches ist die beste Kneipe für Studierende“ schon. Wer bei solchen Voraussetzungen objektiv Journalismus betreiben will, müsste schon ein absoluter Vollprofi sein, um trotzdem noch objektive Berichte schreiben zu können. Wenn einem schon vorgegeben wird, in welche Richtung man schreiben sollte, damit der Artikel genommen wird, entzieht das jegliche Presse- und Meinungsfreiheit des Journalisten.

Die Unipress ist in meinen Augen für ALLE Studierende da. Und allein die Wahlergebnisse zeigen, dass von den 22% der Studierende, die gewählt haben, rund 30% eher konservativ denken. Dann haben wir noch die schweigende Mehrheit von 75%, die sich bei der letzten Wahl nicht festlegen wollte oder konnte. Gerade diese Mehrheit erreicht man eher mit einer pluralistisch aufgemachten Zeitung, in der sich sowohl linke als auch rechte Autoren äußern und es dem Leser überlassen, sich eine eigene Meinung zu bilden. Propagandistische Zeitungen schrecken diese Mehrheit eher ab und rein zur Meinungsmachtausübung verfasste Artikel lassen diese Mehrheit die Zeitung zur Seite legen. Und das sollte einer Zeitung mit einer Auflage von 20.000, damit alle Studierende ein Exemplar bekommen können, unwürdig erscheinen, wenn die Leser vom politischen Teil so sehr abgeschreckt werden (nicht aufgrund der linken Artikel selbst, sondern aufgrund der Einseitigkeit der Berichterstattung), dass sie sich z.b. für den Service-Teil nicht interessieren.

Liebe ÖH, macht eure Propaganda in eurem ÖH-Magazin, da is es mir relativ egal, wenn ihr im radikal-feministischen Wahn Frauen nicht nur als gleichberechtigt, sondern als „besser“, weil „einfühlungsfähiger“ und „konfliktlösungsbereiter“ als die Männer bezeichnet. Aber hört auf, aus der Unipress ein dreckiges Propagandablatt zu fabrizieren, dass dann keiner außer eurer kleinen Politikclique mehr lesen will!

Sascha Sierk
Student der Politik- und Kommunikationswissenschaft

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