Links = Frauenfeindlich

Provokativ, oder? Einfach so behaupten, Linke wären frauenfeindlicher als Rechte, sprich ÖVP- oder BZÖ-Mitglieder. Behaupten doch schließlich immer alle, die Rechten wollten die Frauen nur am Herd haben.

Doch schauen wir uns mal die Realität an. Fällt euch irgendeine bedeutende linke Frau ein, die viel geschafft hat?

Heide Simonis fallen sicher viele ein. War mal Ministerpräsidentin in Schleswig-Holstein. Und wurde von ihrer Männerriege gegen einen farblosen Nachfolger und einen farblosen bärtigen MP von der CDU geputscht. Und bekam dann auch noch verbale Nackenschläge, weil sie bei RTL ein „Dancing Star“ wurde.

Doris Bures gäbe es in Österreich. Was macht die nochmal? Ach ja, genau, die ist Infrastrukturministerin. Ein Amt, in dem man nicht wirklich glänzen kann. Vor allem nicht mit ÖBB-Krise und AUA-Katastrophe. Undankbares Amt, und soviel man ja mitbekam, bekam sie es nur, da sie ja irgendein Amt brauchte nach Ansicht ihrer Parteikollegen. Andere SPÖ-Minister steigen mal eben vom Infrastrukturminister zum Kanzler auf, kann sich das irgendwer bei der Bures vorstellen?

Wen gibts da noch? Claudia Schmidt. Die mal eben die Glanzleistung geschafft hat, sich mit ihren LehrerInnen zu verscherzen. Unterrichtsministerium, auch so ein typisches „Frauenministerium“. Die Elisabeth Gehrer musste dieses Amt, zusammen mit dem der Wissenschaftsministerin, davor ausfüllen.

Heinisch-Hosek ist auch noch eine SPÖ-Ministerin. Aber fragt mich jetzt nicht, welches Amt sie hat. Ich habe von dieser Frau noch nie was gehört.

Claudia Roth und Eva Glaschnigg gäbe es da noch. Wie sind die hochgekommen? Es gibt bei den Grünen eine FRAUENQUOTE. Sprich man musste, um es mal auf den Punkt zu bringen, die Männer bei den Grünen dazu ZWINGEN, Frauen in ihrer Führungsspitze aufzunehmen. Obwohl Frauen seit jeher bei allen linken Bewegungen vorne weg marschiert sind!

Gesine Schwan fiele ein, die war zweimal Kandidatin fürs Präsidentenamt in Deutschland. Kam sie ans Ruder? Nein, und in ihrer Partei wurde darüber gestritten, ob sie die Klasse für dieses Amt hat. Für ein REPRÄSENTATIONSAMT. Der Bundespräsident mag der höchste Mann im Staat sein, aber er ist kaum bedeutend.

Schauen wir doch jetzt mal zur rechten Seite der politischen Lager. Also nicht ganz nach rechts, da leben die ja noch im Denken des Nationalsozialismus, in dem Frauen Gebär- und Erziehungsmaschinen waren, sondern zur ÖVP und CDU.

Da hätten wir eine Justizministerin. Gut, ein so großes Amt, ist ihre Hauptaufgabe doch die Vertretung der Justiz, ohne dass sie sich da selbst groß einmischen darf. Bandion-Ortner heißt die Frau, die dieses Amt hat, in Österreich. Ist parteilos (kam also nicht wegen Kaderspielchen auf den Posten), hat sich nur durch den BAWAG-Prozess einen Namen gemacht. Ist wahrscheinlich auch bald nicht mehr da, eben weil sie ansonsten ein unrühmliches Blatt ist. Aber dass der Posten mit einer weiblichen Richterin besetzt wurde, und das auch noch von der ÖVP, ist schon interessant.

Dann wäre da Maria Fekter. Was ist die? Familienministerin wie die von der Leyen? NEIN. Die ist das, was Frau von der Leyen vielleicht gerne wäre: INNENMINISTERIN. Verschrieen als eine der härtesten InnenministerInnen die Österreicher überhaupt haben könnte. Fekter galt bei einigen als Zwischenlösung, alt Günther Platter Anfang 2008 nach Innsbruck abwanderte. Doch nach der Nationalratswahl 2008 war sie immer noch da. Und härter im Sattel als vorher.

Da wäre in Deutschland Annette Schawan. Was macht die eigentlich? Die ist Bildungsministerin. In einem Staat, in dem Bildung Ländersache ist. Außer um Bafög, die Koordination ihrer Länderkollegen und einige internationale Forschungsabkommen braucht sie sich nicht kümmern.

Österreich kriegt ja vielleicht bald auch eine Wissenschaftsministerin, da der Johannes Hahn ja als Unwichtig-Kommissar nach Brüssel geht. Wissenschaft, hartes Fach, und in Österreich hat die Karl dann sogar was zu sagen.

Ach und da ist ja noch eine Wissenschaftlerin, Physikerin. Ich sprach davon, dass man Gesine Schwans Ambitionen auf den Präsidentenstuhl in Deutschland zerredet hat. Bei dieser Frau würde niemand es wagen, den Stuhl zu rütteln: Angela Merkel. Ostdeutsche, Frau, in der CDU. Eigentlich doch drei Makel, mit denen man (nach langläufiger Meinung) niemals etwas werden kann. Was wurde sie? Nur 15 Jahre nachdem sie überhaupt mal Bundesbürgerin wurde, wurde sie Kanzlerin.

Gefördert anfangs durch den Dicken (Helmut Kohl, für die Jüngeren hier), den sie dann (zusammen mit Ziehsöhnchen Schäuble) 2001 mal eben durch den Kakao zog, als er negativ auffiel wegen Spendenskandalen. Die mal eben Koch, Merz, Wulff und Rüttgers an die Wand gefahren hat.

Warum? Warum war die erste Kanzlerin einer Bundesrepublik Deutschland eine CDU-lerin? Warum gibts bis heute keine Präsidentin der SPD?

Weil die Lager unterschiedlich ticken: Die Linke gilt ja als progressiv, modern… Gilt sie, ist es aber nicht. In der Linken hängen nicht nur große Teile noch Ideen aus dem 19. Jahrhundert nach (schöne Grüße an die Marxisten und Anarchisten), nein, Frauen gelten in großen Teilen der Linken als „Anhängsel“ der Männer. „Kohl’s Mädchen“ ist ja auch ein typischer Ausdruck der Linken für Angela Merkel, nicht der CDU. Frauen dürfen in der Linken hübsch, gescheit, argumentativ usw. sein. Aber machthungrig? NEIN, das wäre ja unfraulich. Auch in linken Haushalten sind es meistens die Frauen, die putzen, kochen, waschen, Kinder großziehen. Die Männer sitzen am Stammtisch und reden über Politik.

Oh, das klingt nach den Rechten? *g* Nun ja, auch bei den Rechten denken viele so. Aber die Parteien der Rechten tun auch nicht so, als wenn sie progressiv oder egalitär veranlagt. Sie gelten als traditionell, konservativ. Aber das schöne am Konservativen: Er will immer das hier und jetzt vor neuen Einflüßen schützen. Hier und jetzt bedeutet oft das von vor 20 Jahren, das aber gerade „hier und jetzt“ bei den rechten Parteien angekommen ist.

Und dort ist die Frauenbewegung angekommen. Und sie wird viel konsequenter durchgezogen als die Linken, die nie konsequent waren, was die vielen auf halber Strecke abgebrochenen Revolutionen, die vielen gestürzten Minister und Kanzler, die fielen, weil sie zu progressiv waren, zeigen. Wenn es bei den Konservativen mal angekommen ist, dass auch Frauen gute Politiker sind (und wie man an Angela Merkel sehen kann, ist es das), wird das nicht mehr zerredet. Dann wird nicht gefragt: „Was denkt ihr Mann dazu“. Dann wird nicht gesagt: „Also das schickt sich nicht für eine Frau.“ Eine ÖVP-Frau darf Innenministerin sein! Hat es das mal bei der SPÖ gegeben?

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5 Antworten to “Links = Frauenfeindlich”

  1. Tom Schaffer Says:

    Claudia Schmied hat also die Lehrer verärgert und gilt deshalb nicht? Weil man im „Infrastrukturministerium nicht glänzen kann“, gilt Doris Bures halt nicht? Aber weil Fekter total super hart ist, gilt sie? Weil du Gabriele Heinisch-Hoschek (eh erst seit 10 Jahren im Nationalrat) nicht kennst, gilt sie nicht? Weil dir Gabi Burgstaller, Maria Berger und Barbara Prammer nicht einfallen, gelten sie nicht? Weil du die Quote bei den Grünen nicht kapierst gilt Eva Glawischnig halt weniger? Wie die Grünen ja überhaupt nicht von Beginn an Frauen an der Spitze hatten (Meißner-Blau, Petrovic sagen dir was? Vassilakou kennst du?)?

    Claudia Bandion-Ortner ist übrigens in der Justiz was geworden, nicht in der ÖVP. Deren Mitglied ist sie bis heute nicht. Aber das ist auch egal, weil die Feigenblätter nicht zählen. So blöd, heute offen als Männerbund anzutreten ist heute kaum noch eine Partei.

    Die konkreten Weltbilder, die breitere Basis und die politischen Programme sind entscheidend.

    Und da möchte ich Familiensplitting nicht gegen Individualbesteuerung tauschen.

    Da möchte ich die Anteile an Frauen als Nationalratsabgeordnete (Grüne 50%, SPÖ 33%, ÖVP 25%) nicht unerwähnt lassen.

    Und da will ich z.B. keine Partei die Schwangerschaftsabbrüche ablehnt, die Fristenlösung erschwert oder sich nicht für die Pille danach stark macht (ÖVP).

    Und auch wenn die Rechte in den vergangenen Jahrzehnten natürlich auch was dazugelernt hat (man will die Hälfte der Wählerschaft ja nicht ganz verschrecken), wurde der Fortschritt der Frauengleichstellung historisch meiner Ansicht nach so gut wie immer aus dem links-progressiven Lager angetrieben.

    • saschap Says:

      Hey Tom,

      Also, um mal die Begründung zu nehmen: Es geht nicht um „gelten“ oder „nicht gelten“. Ich habe Schmied, Bures, Bandion-Ortner nicht als „gelten nicht“ gewertet, sondern mich gefragt, inwieweit diese Ämter typischen Klischees entsprechen (also z.b. dass Frauen nur für die eher „weichen Themen“ geeignet sind und ähnliches). Familien- oder Bildungsministerin (von wegen Frauen = die die sich um die Erziehung kümmern sollen, typisches Klischee, wie du weißt), vielleicht noch was Soziales. In der Justiz vielleicht noch, Frauen gelten ja auch als „gerechter“. Dass die ÖVP dafür keine eigene Kraft hat, sondern eine freie Richterin in dieses Ministerium gebracht habe, habe ich ja erwähnt.

      Eine Frau als Ministerin in ein nach dem Klischee typisches Männerbereich (also z.b. Innenministerium, Finanzministerium, Kanzleramt, Präsidentenamt), gabs da schon mal Kandidaten von der SPÖ? Ich persönlich kann mich daran nicht erinnern. Burgstaller und Prammer sind auf Landesebene aktiv, so wie die erwähnte Heide Simonis, und was wäre auf Bundesebene? Ich denke nicht, dass die SPÖ-Bundesspitze diese Frauen in die „härteren“ Fächer lassen würde, obwohl sie es können.

      Ansonsten ist vielleicht die CDU was ihre politische Einstellung und so angeht schon ein wenig weiter als die ÖVP, weswegen ich mir (leider) derzeit nicht vorstellen kann, dass die ÖVP eine Frau als Pröll-Nachfolgerin (sollte er doch irgendwann Kanzler werden, man weiss ja nie was noch passieren kann) im Finanzministerium (zumindest nicht wenn es ÖVP-geführt ist) schicken wird.

      Zu den Grünen: Die Grünen sind ja gerade das progressive Bürgertum, im Gegensatz zu den SPÖlern. Und klar, diese Entwicklung kommt natürlich aus dem progressiven Politik-Bereich. Nur auch bei den Grünen musste man bei manchen erst die Gleichberechtigung von Mann und Frau durch Quoten durchsetzen, obwohl (das habe ich geschrieben!) Frauen immer mit an der Front der Bewegung waren. Wenn damals alle bei den Grünen die Gleichberechtigung als grundlegend gesehen hätten, hätte die Frauenquote doch nur einen Symbolcharakter gehabt und wäre somit mittlerweile nach 20 Jahren bei den Grünen nicht mehr notwendig.

      Also wie gesagt, Ich hab versucht anhand der Funktionen (und da beispielhaft) zu sehen, in welche Bereiche die SPÖ und ÖVP ihre Minister steckt. Und da fiel mir auf, dass ausgerechnet die SPÖ halt viel mehr die „Klischee-Posten“ an Frauen vergeben hat als die ÖVP.

  2. a Says:

    Ich glaube, der Post zeigt eigentlich eher, dass Ausschlüsse von Frauen nicht parteispezifisch sind, sondern parteiübergreifend.

  3. weltbeobachterin Says:

    ergänzen möcht ich noch, dass die ÖVP das Innenministerium zum zweiten Mal mit einer Frau besetzen.
    Prammer ist NR-Präsidentin, obwohl sie vorher Landesrätin war – und ein Zwischenspiel als Frauenministerin.

  4. stefon Says:

    „Frauen dürfen in der Linken hübsch, gescheit, argumentativ usw. sein. Aber machthungrig? NEIN, das wäre ja unfraulich. “

    Ganz ehrlich. Von was für einer Linken redest du?! Ich persönlich würde ja die SPÖ als sozialdemokratisch, aber nicht gerade als Links bezeichnen. Aber gut…

    Gerade die Kategorisierungen von Eigenschaften in weiblich-männlich passieren ja eher im konservativen, rechten Eck. Ja natürlich, links zu sein bedeutet nicht automatisch nicht-sexistisch zu sein. Aber den Anspruch besitzen linke Gruppen und keine würde behaupten dass Frauen gewissen Eigenschaften zu besitzen haben.

    Aber: Machthungrigkeit per se find ich ein Problem. Und viele Menschen in der Linken wohl auch. Daher würde ich machthungrige Frauen UND Männer kritisieren.

    @Quote: NATÜRLICH tun sich auf Frauen bei denen Grünen schwer. Ist ja nit so als würden die Grünen ausserhalb der Gesellschaft stehen. Aber sie wissen zumindest (so halbwegs) dass einiges schief läuft und geben sich Instrumente um dagegen anzukämpfen. Daher bedeutet Quote bei den Grünen ja nit automatisch als was schlechtes


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