Wieso ich nicht antirassistisch und antisexistisch genannt werden will – sondern gleichberechtigt

Viele kennen die Diskussion über Gender und ähnliches. Kennen die Argumente der Feministinnen, dass aufgrund der Benachteiligung von Frauen, vor allem auf sozialer Ebene, diese zu fördern und zu unterstützen seien. Ebenso die Forderung, dass MigrantInnen zu fördern seien, da ihre Stellung in der Gesellschaft derzeit leider sehr niedrig ist. Mit der Ansicht, dass Frauen nicht benachteiligt werden dürfen, und dass es nicht entscheidend sein darf, ob jemand MigrantIn ist.

Allerdings geht mir bei der Debatte einiges echt gegen den Strich:

1. Die Betonung des Geschlechts bzw. des Migranten-Status durch manche Gruppierungen. Quotierte RednerInnenlisten, bei denen dann die Frauen auch noch bevorzugt werden sollen zum Beispiel. Es ist gut, wenn Frauen dazu ermutigt werden, sich bei Diskussionen einzubringen, denn es ist oftmals nicht einfach für Frauen, sich in einer von Männern dominierten Runde zu artikulieren. Aber bei quotierten RednerInnenlisten gibt es viele Probleme.

Zum Beispiel empfinde ich als Mann es als Beleidigung, wenn Frauen übermäßig bevorzugt werden sollen. Zum Beispiel indem sie überdurchschnittlich oft hochgereiht werden. Und was, wenn sich keine Frau meldet? Bei einer strikt quotierten RednerInnenliste dürfte dann keiner reden, bis eine Frau sich meldet, und die Diskussion wäre tot. Gut, ich kann mir gut vorstellen, dass das einige freut, denn Diskussion bedeutet das man seine Ansichten darlegen muss und damit tun sich manche schwer. Aber es ist im Gesamtkontext nicht konstruktiv, man will ja nicht ewig auf der Stelle treten.

2. Sprüche von manchen, die sich als antisexuell bezeichnen, wie: „Ich bin eine Frau, ich darf jetzt reden“, „man unterbricht keine Migrantin“ (nebenbei habe ich in dem Moment nicht mal jemanden unterbrochen, wenn ich mich mit jemandem anderen unterhalte, während sich die Kollegin mit der Migrantin unterhält, ist meine Intention nicht ihr Gespräch zu stören. Als ob an einem Tisch nur eine Gesprächsrunde sein darf), „du sprichst wie ein Mann“. Das ist Sexismus und Rassismus pur.

Wieso? Weil es das Geschlecht zur ausschlaggebenden Argumentationsebene werden lässt. Manche Feministinnen wissen anscheinend gar nicht, wie dicht sie da dem Faschismus und vor allem dem Nationalsozialismus kamen. Im Nationalsozialismus wurden Menschen auch nicht mehr danach geurteilt, was sie zu leisten fähig und willig sind, sondern: „Bist du Arier? Bist du Jude? Bist du Homosexuell? Bist du Sinti?“. Das nennt man Rassismus. Und wenn jemand nicht sagt: „Tschuldige, aber man unterbricht nicht, wenn jemand spricht“, sondern „man unterbricht eine Migrantin nicht“ ist man ebenso rassistisch wie die Rechtsradikalen!

Wenn man jemanden dafür kritisiert, dass er „wie ein Mann“ diskutieren würde, und das beschreibt mit „laut, gestenreich, direkt“, dann zeugt das eher davon, dass man selbst sexistisch ist, da man nicht in der Lage ist, diese Eigenschaften zu sagen, sondern es wird reduziert auf das Geschlecht. Und das meiner Meinung nach auch, weil die jeweilige Person in dem Moment keine wirkliche Begründung hat, wieso man nicht auch Gesten benutzen darf oder wieso z.b. in einer Situation, in der es etwas hitziger oder lauter ist, nicht laut sein darf. Es zeugt davon, dass die Person sich nicht artikulativ durchsetzen kann, sondern nur durch Vorwürfe.

Ich spreche mit vielen Menschen, auch mit vielen Frauen. Und was ganz interessant ist: Die meisten Frauen sind OHNE die Hervorhebung, dass sie eine Frau sind, ohne die Forderung nach Vorteilnahme aufgrund diesem Umstands, der durch die Verschmelzung zweier X-Chromosomen entstand, sich ganz normal unterhalten können. Und mit ganz normal meine ich, dass man einen gemeinsamen Mittelweg findet: Unterbrechungen z.b. nur, wenn es eine direkte Entgegnung ist, ansonsten lässt man den Kollegen ausreden. Und die Entgegnung zeigt man vorher kurz an, meist durch durch eine kurze Geste.

Ich denke das Problem besteht darin, dass Mann und Frau lernen muss, wirklich gleichberechtigt zu denken. Und das heißt in der Mitte sein. Dass heißt im Endeffekt ausblenden, ob der Gegenüber, mit dem man sich unterhält, ein XX oder XY ist. Auszublenden, ob er aus DE, AT, GH oder US kommt. Wer das hingegen betont, vor allem um seine eigene Meinung durchzusetzen, ist nicht antisexistisch, ist nicht antirassistisch, nicht antidiskriminierend. Sondern er/sie ist sexistisch, rassistisch und dadurch diskriminierend. Denn er ist nicht fähig, das Denken in diesen Kategorien abzuschalten und in konstruktiveren Kriterien zu denken.

Und um es mal auf die Erfahrungen die ich so mache, zurückzukommen: Für einen Großteil der Menschen, vor allem der Studierenden, ist dieser Unterschied der Geschlechter nur wichtig bei der Partnersuche. Für viele, leider nicht einen Großteil der Menschen, hier muss es sich noch durchsetzen, ist der Herkunftsort bei einer Diskussion nicht relevant.

Wir sollten endlich akzeptieren: Es gibt Frau und Mann. Aber das ist egal. Denn für uns sollte doch nicht entscheidend sein, was man ist, sondern was man tut und will.

Und wer ein Problem hat mit Witzen, die „Frauendiskriminierend“ sind, kennt nur nicht genug Witze, mit denen wir „Dreibeine“ fertiggemacht werden können. Denn Diskriminierung zeugt nur von fehlendem Selbstbewusstsein (schließlich würde keiner von uns die Nazis als besonders mutig bezeichnen, in der Gruppe sind sie aggressiv, als Einzelperson trauen sie sich meist nicht mal den Mund aufzumachen.)

Ich freue mich schon auf eure Kommentare. Und ehe jemand wieder mit „ZENSUR“ kommt: Ich zensiere nichts, was nicht strafbar (Aufforderung zu Straftaten und Beleidungen zum Beispiel). Ich brauch nur manchmal etwas zu freischalten der Kommentare.

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10 Antworten to “Wieso ich nicht antirassistisch und antisexistisch genannt werden will – sondern gleichberechtigt”

  1. stefon Says:

    aus neugierde: wie beurteilst du dann den zutand dass es in österreich nur rektoren gibt ( also keine rektorin)?

  2. saschap Says:

    Du versuchst es jetzt genauso wie es die radikalen FeministInnen immer versuchen: Sie machen etwas am Geschlecht fest. Bei der Frage, wer RektorIn werden soll, geht es nicht darum: „Ist es eine Frau oder ein Mann“!

    Es geht um die Frage: Wer ist für diesen Posten geschaffen. Heinrich Schmidinger ist seit 2001 Rektor dieser Universität. Damals gab es weniger Frauen im Rektorat als heute, mittlerweile sind dort Puntscher Riekmann und Paus-Hasebrink (die nebenbei Vize-Dekanin ist) vertreten. In den Geisteswissenschaften ist der Frauenanteil bei den Lehrenden schon sehr hoch. In anderen Fakultäten ist die Rate geringer, was aber auch damit zusammenhängt, dass in Fächern wie Biologie, Physik und Mathematik der Frauenanteil unter den Absolventinnen erst seit den 80ern ansteigt. Eine wissenschaftliche Karriere braucht ihre Zeit und somit auch das Hocharbeiten zu einem Rektorenposten.

    Ich will auf alle Fälle nicht, dass eine Frau zur Rektorin ernannt würde, wenn sie dazu nicht befähigt wäre und es bessere Kandidaten gäbe. Es gibt viele fähige Frauen, die in den nächsten Jahren in das Rektorat aufsteigen werden. Es ist also einfach eine Frage der Zeit.

    Aber wie gesagt: Ob jemand RektorIn wird, hat gefälligst nicht nur durch das Geschlecht entschieden zu werden. Das wäre genauso diskriminierend wie wenn eine Frau ausgeschlossen wird, nur weil sie eine Frau ist!

  3. saschap Says:

    Und nebenbei, wieso äußerst du dich nicht zu den von mir angesprochenen Punkten? Wie empfindest du es, wenn du dafür kritisierst wirst, dich „wie ein Mann“ zu verhalten? Ist das keine sexistische Beleidigung? Ist das nicht so, wie früher Leuten vorgeworfen wurde, sich wie ein Jude oder „Neger“ zu verhalten? Ist das keine Diskriminierung aufgrund einer Eigenschaft, für die du nichts kannst, denn man ist als Mann oder Frau geboren worden?

  4. Juchu, ein Frauenbrowser… mit extra viel Vorzensur « Acme.Blog – Das Sprachrohr von Acme im Netz Says:

    […] Wieso ich nicht antirassistisch und antisexistisch genannt werden will – sondern gleichbe… […]

  5. stefon Says:

    Ich finde es blöd als Mann in eine Kategorie geschoben zu werden. Da bin ich ganz bei dir.

    DAHER seh ich mich als Feministen. Um auch gegen solche Geschlechterklischees vorzugehen..

    @Rektoren: Dann erzähl mir auch warum es so wenige Frauen in Toppositionen in Unternehmen und Politik gibt… Zufall?
    Frauen haben es in solchen Positionen viel viel schwieriger… eben aus Sozialisationsgründen… daher finde ich auch positive Diskriminierung gut. Weil wie kann sonst irgendwann der Nachteil den Frauen haben aufgehoben werden,
    Aber wenn das gelungen ist, weg mit der positiven Diskriminierung, eh klar.

    • saschap Says:

      Einer unser Grundsätze ist keine Diskriminierung 😉 Also auch keine positive Diskriminierung.

      Und wie gesagt, Unterstützung von Frauen muss nicht Bevorteilung bedeuten. Frauen sind nicht dümmer (immerhin sind 60% der Studiosis Frauen) oder schwächer als Männer, da sind wir uns doch einig, dass heißt wenn Frau unterstützt wird, kriegt sie es hin, die Männer auszustechen. Mit Qualität überzeugen, nicht mit Quote.

      • stefon Says:

        du sagst es: ein grundsatz ist keine diskriminierung. POSITIVE diskriminierung ist aber notwendig. wie soll sich sonst je ein herrschaftsverhältnis ändern? frauen sind faktisch benachteiligt.
        (siehe unis, unternehmen, politik, gewalttaten, …). da einfach warten und sagen das wird sich schon lösen find ich einfach nicht akzeptabel.

        da reicht es nicht zu sagen:
        ich bin eh für gleichberechtigung. da muss frauen für eine gewisse zeit vorrang gegeben werden, bis sie ebenso stark vertreten sind… danach können diese WERKZEUGE (unangenehm wie sie sind) wieder abgeschafft werden

  6. miracle Says:

    fazit: total krank benachteiligte gruppen oder personen zu fördern…
    echt total lächerlich!
    ich kann mich nur stefan anschließen. wenn du in einem ungleichverhältnis sagst „ab jetzt werden alle gleich behandelt“, kann von den benachteiligten kein anschluss mehr geschafft werden.

    ich finds echt total übel, dass du dich hier hinstellst und rumheulst, dass du dich beleidigt fühlst, wenn frauen bevorzugt werden. hallo? nach 3000 jahren, bekommen sie mal ne chance und du fühlst dich persönlich angepisst? ist das nicht etwas egozentrisch?
    es ist nicht die schuld der frauen, dass sie fast in jeder beziehung den kürzeren ziehen. da ist es verdammt nochmal die pflicht der gesellschaft, ihnen zu helfen, aufs gleiche level zu kommen und ab da ist dann die basis geschaffen, wo es allen möglich ist, sich frei und gleich zu bewegen. aber der zustand ist noch lange nicht erreicht.

    • saschap Says:

      Les doch am besten mal Artikel richtig, ehe du Kommentare schreibst 😀

      Wieso? Nun ja, was habe ich geschrieben? Ich habe geschrieben, dass Frauen gefördert gehören, damit sie ihre Potentiale ausschöpfen können. Wogegen ich mich ausspreche, ist angeblich anti-diskriminierend zu sein und dann von „positiver Diskriminierung“ zu sprechen. Diskriminierung ist nie positiv, entweder werden die Frauen oder die Männer benachteiligt.
      Ebensowenig habe ich kein Problem damit, dass Frauen auch eine Chance bekommen, [b]gleichberechtigt[/b] mit den Männern zu sein. Aber Gleichberechtigung heißt nicht „Frauen zuerst“, sondern „Beide gleichzeitig“. Ansonsten ist es wieder keine Gleichberechtigung, sondern die Unterdrückung der Minderheit (es gibt ja 1% mehr Frauen :D)
      Wie gesagt, ich habe nichts gegen die Förderung von Frauen. Aber ich empfinde es als eine Verhöhnung der Begriffe Anti-Sexistisch und Anti-Rassistisch, wenn die, die diese Eigenschaften sich auf ihre Fahnen geschrieben haben, sexistisch und rassistisch handeln, nämlich z.b. Migranten aus Rumänien Migranten aus Deutschland oder auch Österreichern vorziehen oder Männer dafür kritisieren, dass sie Männer sind. Das ist auch Sexismus und wenn ausgerechnet die, die sich antisexistisch nennen, in Wirklichkeit auch sexistisch sind (nur halt in die andere Richtung), dann habe ich nicht das Bedürfnis, meine Einstellung genauso zu bezeichnen. Sondern dann bezeichne ich mich lieber so wie ich es für richtig empfinde, nämlich [b]gleichberechtigt[/b] (und dazu gehört ja nicht nur dass man die Möglichkeit hat etwas zu tun, sondern auch dass man darin unterstützt wird, aber dann egal ob Mann oder Frau, sondern die gehören unterstützt, die alleine es nicht packen.)

  7. Nadine Says:

    So eine online diskussion macht spaß…

    Gut möglich, du gestattest aber doch, dass ich deinen Werbelink entfernt habe, oder?


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