Die Acme.Lange Nacht der Museen-Tour

Auch dieses Jahr fand ja am ersten Sonntag des Oktober, also am 3. Oktober, die Lange Nacht der Museen in Österreich statt. Und auch in Salzburg konnte man fast alle städtischen Museen für nur 13 Euro (11 Euro ermäßigt für Schüler, Studenten, Pensionisten, Behinderte usw.) besuchen.

Und da ich sowieso schon in der Stadt war, da am Vorabend um 18 Uhr die Oktoberausgabe von Acme.Tour 2009 war, habe ich einfach mal einen Museumscrashdurchgang gemacht.

Begonnen habe ich dabei in der Residenz. Zum einen weil es dort die Tickets gab, zum einen da es in der Innenstadt lag. Die Galerie selbst ist ja relativ uninteressant, ein paar Ausstellungsstücke, ein paar Skulpturen, nichts weltbewegendens. Also schnell hoch in den Prunksaal…

Und der ist nun echt Prunk: Ein riesengroßer Saal, ideal geeignet als Kleinfussballfeld oder großer Kinosaal. Die anderen Räume sind ebenfalls interessant gestaltet, jeweils in den Farbtönen ihres Namens. Auch wenn die Einrichtung sehr altbacken ist, in jedem Raum ein paar Tische, Sessel und das wars. Wenn die Erzbischöfe echt so langweilige Architekten waren, wundert einen die Modrigkeit der Altstadt nicht.

Von der Residenz kann man dann über einen Gang rüber zum Salzburger Dom und zum Dommuseum gehen. In dem dann die Insignien, Gewänder und Schätze der Salzburger Erzbischöfe ausgestellt wurden, bzw. die, die nicht während der Säkularisierung ihnen weggenommen wurden. Ein riesiges Holzkreuz mit Goldumrandung, viele kleinere Goldschmiedereien, Gewänder… aber ehrlich gesagt nichts, was erklärt, wieso ausgerechnet die Salzburger Erzbischöfe etwas besonderes sein sollten 😉

Im angrenzenden Dom-Wiedererrichtungsbereich kann man sich Bilder und Videos vom Neubau der Kuppel des Doms anschauen, die Kuppel des Salzburger Doms ist bekanntlicherweise im Zweiten Weltkrieg zerstört worden und in zehnjähriger Bauzeit wiedererrichtet worden.

Residenz und Dommuseum sind zwar schön anzuschauen, aber dafür dann an normalen Tagen 8,50 € (6,50 € ermäßigt) für die Residenz, 2,50 € für die Residenzgalerie und 5 Euro für das Dommuseum zahlen?

Pizzapreise und Natur

Danach war ich schnell eine Pizza in der Spaghetteria essen. Ich mag ja deren Pizza Diavolo, anders als alle anderen Pizzerien wird sie in der Spaghetteria ja mit einer Bolognese-Soße gemacht, aber mittlerweile sprengt der Preis echt alles: 8,40 kostet sie bereits, als ich vor 4 Jahren zum ersten mal diese Pizza aß, kostete sie 6,50 Euro. Früher galt Pizzamann als recht teuer, mit 7,49 für eine normale Pizza, aber mittlerweile sind sie im mittleren Segment in Salzburg (dank österreichweit gleicher Preise). Es mag zwar stimmen, dass Touristen auch in Wirtschaftskrisenzeiten immer noch zuviel Geld in der Tasche haben. Aber dass die heimische Bevölkerung immer mehr zu den Fastfood-Restaurants abwandert, liegt mit Garantie nicht nur an schlechten Essgewohnheiten. Sondern auch an überzogenen Preisvorstellungen der Salzburger Gastronomen.

Egal, nach der Pizza gings weiter zum Haus der Natur, dem naturwissenschaftlichen Museum Salzburgs. Und natürlich auch an die Denkgeschwindigkeit der oberen 10.000 in Salzburg angepasst: Neueste Erkenntnisse der 70er und 80er Jahre werden präsentiert. Die haben sich zwar z.T. schon überholt, aber das ist in Salzburg ja oft ein Zeichen von Beständigkeit. Und in diesem Museum kann man echt das Problem eines durchschnittlichen „jungen Erwachsenen“ im Alter von 15-30 Jahren miterleben: Der „Science Lab“-Bereich ist größtenteils für Kinder gemacht, außer einigen Experimenten wie „Schrei so laut wie du kannst“ oder „Bewege mit einem Luftstrahl einen Ball durch einen Korb“ gibt es für bereits in der Physik etwas kundigere keine Experimente von Interesse.

Und auch der ältere Teil des Museums ist eher für die Generation U15 und die Generation Ü50 gemacht: „Boah, ein sich bewegender Allosaurus…“, „oh schau, ein Modell des Gehirns“, „Oh, so sah die Mercury-Kapsel aus“. Dass ein Museum nicht wirklich Up-to-Date sein kann, wenn Modelle nicht etwa von der ISS, sondern von der MIR rumhängen, kartographische Vermessungen der 60er Jahre als Moderne Wissenschaft präsentiert wird (sogar Google Earth kann den Meeresboden genauer abbilden), und dass ein sich bewegendes Dinosaurier-Modell nun echt nichts besonderes mehr ist, kommt sicher jedem, der nicht zur oben genannten Zielgruppe gehört, schnell in den Sinn. Und auch die naturwissenschaftlichen Abteilungen, in denen man sich ausgewählte Flora und Fauna der Welt anschauen kann, ist nichts besonderes. Andere Städte haben dafür eigene Museen. Oder Zoos.

Normaler Eintritt: 6 Euro für Erwachsene, und 4 für Kinder. 4 für Studenten. Gut, zumindest nicht so überteuert wir die Innenstadt-Museen. Und im Museumsshop bekommt man Nostalgie-Gefühle, wenn das Spielzeug der Kindheit (z.b. Dinosaurier-Skelette aus Holz) für 10 Euro angeboten werden 😀

Salzburg und Moderne Museen

Weiter zum Salzburg Museum. Ein wenig sich die Geschichte Salzburgs anschauen… Ein wenig stimmt dabei auch, denn in den Räumen der neuen Residenz wird relativ wenig über Salzburg ausgestellt. Aber zumindest etwas moderner gestaltet, so gibt es in einem Raum ein Video des Club 2 aus den 70ern zum Thema „Verschandelt Salzburg“, und in einem anderen stellen ein Schauspieler und eine ORF-Moderatorin auf Videobildschirmen die Salzburger Bischöfe vor, und das in sehr bissigem Ton. Doch größtenteils sind auch hier nur wieder die üblichen Museumsrequisiten vertreten, alte Münzen, alte Gewänder, alte Zeitungen. Hauptsache alt… und nichtssagend 😦

Den Bereich mit ausgewählten Salzburger Persönlichkeiten habe ich mir nicht angeschaut… Deren Biographie kann man eh auf jeder Salzburg-Seite nachlesen. Und angeblich soll das Panorama-Museum interessant sein. Nur dafür fehlte mir die Zeit. Ach so, der Preis: 7 Euro für Erwachsene, 5,50 Euro ermäßigt. Und das nur für den Teil in der neuen Residenz. Das Panorama-Museum kostet extra, 2 Euro. Und wer beides besucht, kriegt glatt eine Kombikarte… für 8 Euro (6 Euro ermäßigt)!

Nun aber zum Museum der Moderne. Dankenswerterweise ist der Fahrstuhl beim Lange Nacht der Museen-Ticket inbegriffen, normal kostet eine Fahrt ja 2 Euro. Und das Museum darüberhinaus noch 8 Euro, 6 Euro ermäßigt für Studierende und Pensionisten. Und für 8 Euro wird einem auch… viel unverständliches geboten. In einem Stockwerk eine Fotoausstellung… In einem weiteren Stockwerk Bilder… z.b. ein Bild, das aussieht, als habe der Künstler „Farbbeutelweitwurf“ gespielt. oder eines in Weiß… ja, in weiß, mit extra Farbklecks, damit man sieht, dass er die Leinwand bemalt hat und nicht etwa eine leere Leinwand verkauft hat. Andere Bilder erinnerten an Windows-Hintergründe oder Spielereien von kleinen Kindern. Kennt ihr das noch, Zeitungen in Streifen reißen, die Streifen zerknüllen, in Farbe tauchen und an die Wand werfen? Im Kindergarten wurdet ihr dafür getadelt, als Künstler hättet ihr es für einige tausend Euro als Kunstwerk verkaufen können.

Im Museum der Moderne gibts aber auch Kunst zum Anfassen. Wobei, nein, gibts nicht, denn das Berühren der Kunstwerke ist ausdrücklich untersagt. Auch der plastischen Kunstwerke. Im Museums-Angebot: Gesteinsformationen vom Sirius. Oder irgendeinem anderen Planeten… die Kunstwerke sehen ein wenig aus, als wenn man eine Bildstörung in 3D nachmoduliert hat, es ergibt sich keine erkennbare Gestalt. Ist ja sicher gewollt…

Aber schon erschreckend, das einzige Bild dessen Sinn ich in diesem Museum verstand, war eine mit Bleistift gezeichnete Abfolge von Würfeln, eine Art Animation in einem unbewegtem Bild, denn der Würfel drehte sich in 3D. Bzw. man sah die einzelnen Bewegungsabläufe… kannte ich noch ausm Geometrie-Unterricht 😀

Die Festung und das Stadtarchiv

Mittlerweile war es dunkel geworden, da lohnte sich doch mal ein Besuch der Festung. Festungsbahn und Museum waren ja auch frei, sonst kosten die ja 8,50 Euro, auch wenn es einen Einheimischen-Rabatt gibt. Von oben sieht Salzburg sehr interessant aus… nur was stört ist echt, dass man den Turm nur mit der Führung besuchen darf. Die salzburger wissen halt, wie sie aussichtsgeile Touris schröpfen können. Aber naja, dafür konnte man mal Salzburg bei Nacht betrachten. Und die Kinderversion des Audioguide is lollig. Während den Erwachsenen viel von Architektur vorgeschwafelt wird, kriegen diese irgendwelche Geschichten über an den Kopf geworfene Rüben und den Karl den Großen zu hören. Da hat wohl wieder mal jemand sich gedacht: „Kinder interessieren sich eh nicht für sowas, die werden von den Erwachsenen nur mitgeschleift“…

Danach noch schnell zum Stadtarchiv, sich die Ausstellung „100 Jahre Elektrischer Verkehr“ angeschaut. Die Gelbe Elektrische, sprich die alte Straßenbahn, die 1940 gegen den Obus ausgetauscht wurde, ist ja 100 Jahre alt geworden und wird befeiert. Und das mit Fotos aus den Jahren 1909 bis 1985 (von der Zeit danach gibts nur vier Fotos in der Ausstellung) und einem Video über die Obusse aus dem Jahr 1987 (dessen Sprecher anscheinend sich die Sprecher der 40er Jahre zum Vorbild genommen hat :D). Zum Glück ist der Eintritt frei 😀

Also gespart hat man sich einiges: Normal hätte der Trip einen Studierenden rund 42,50 Euro gekostet, in der Langen Nacht der Museen kam man für 11 Euro rein. Und einen weiteren Besuch kann man sich auch sparen. Denn viel mehr als in dieser Nacht wird man am Tag auch nicht entdecken. Salzburgs Museumslandschaft ist halt ausgerichtet auf die Einmalbesucher (Touristen) und die Generation U15 und Ü50, die sich noch von Wasserspielen, alten Sachen oder in Groß aufgebauten Schulexperimenten beeindrucken lassen. Dass der normale Salzburger deswegen fast nie ins Museum geht, liegt sicher nicht nur an einer Bildungsmüdigkeit.

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