Captain Future – Oder: Wie kopiere ich am lustigsten Sci-Fi-Klassiker

Viele von euch kennen ja Captain Future. Eine in den 70ern gemachte Animeserie nach den Romanen von Edmond Hamilton. Doch die Japaner haben nicht nur von ihm viel übernommen, sondern auch aus vielen damals bekannten Sci-Fi-Serien.

Beginnen wir mit Planet der Affen. Diese Filmreihe wird durch die Bewohner der Planeten Keyron und von Styx charakterisiert, affenähnliche telepathiebegabte Menschen, die in einer Folge, fehlgeleitet durch einen Kriminellen, versuchen, die Erde durch einen mit ihrer Gedankenkraft erzeugten Schwarzen Planeten zu täuschen und in einer zweiten Folge die Menschen, die auf ihrem Planeten versuchen, ein Diamantenvorkommen abzubauen, versuchen, mit für Metalle giftigem Staub zu vertreiben.

Und weiter gehts zu Star Wars. Von dieser Serie wurde z.b. der Todesstern gecovert, und das in Form der „Quelle der Materie“. Diese ist in einem riesigen Raumschiff, dass nicht nur so riesig und rund wie der Todesstern ist, sondern auch noch über genau denselben Zugang ins Zentrum verfügt, wie der Todesstern, und in dessen Inneren sich die dem Kraftwerk des Todessterns ähnelnde Plattform befindet.

Grag, der große Roboter, und Professor Simon, das lebende Gehirn, erinnern doch recht stark an C3P0 und R2D2, oder? Nur dass R2D2 nicht reden kann und C3P0 eher ein pessimistisches Weichei ist und nicht ein muskelstarrende Kampfmaschine.

Die Photonenkanone der Komet ist auch ein typisches Star Wars Ding: Aus vier Strahlen wird ein starker Laser gebündelt. Wen außer mich erinnert das an den Todesstern?

Und die Kampfraumschiffe vom Mars von vor 100 Mio. Jahren sehen aus wie Sternenzerstörer.

Und auch Star Trek hat hier Anleihen gefunden. So gibt es in einer Folge, „Ein gefährliches Geheimnis“ einen Alien, der vom Aussehen echt wie ein Vulkanier aussieht. Allerdings verhält sich dieser sehr stille Nebencharakter eher unvulkanisch bösartig.

Megara, einen der Hauptplaneten von Captain Future, auf dem mehrere Geschichten passieren, ähnelt sehr stark Vulkan, wobei die Orte eher an den Wilden Westen erinnern.

Der „Zyklonmotor“ der starken Raumschiffe ähnelt sehr stark einem Warpreaktor und auch der Lichtgeschwindigkeitsflug ähnelt sehr stark dem Warpflug der Enterprise.

Vom Technogebrabbel ähnelt es auch oft Star Trek. Mit dem Unterschied, dass es noch realwissenschaftlicher ist, dafür aber im Zweifelsfall gleich mal horrende Fehler macht, während Star Trek sehr futuristische Forschung erzählt, die dann aber logisch verarbeitet.

Sogar Raumschiff ORION, wahrscheinlich in Japan total unbekannt, ist zumindest organisatorisch dabei: Die Erde als Hauptstadt der Milchstraße (manchmal ist damit diese Galaxie, manchmal nur die benachbarten Sternsysteme und das Sonnensystem gemeint), die Weltraumpolizei von Garny und Landor ähnelt stark dem GSD von Oberst Villa und Tamara Jagellowsk.

Und insgesamt ist es natürlich typisch Sci-Fi: Feuer im Weltraum, Geräusche, danebenschießende Laser, Aliens in allen Formen und Gestalten, aber alle zwei-beinig und menschenähnlich, uralte Zivilisationen (die ältesten 100 Mio. Jahre), Zeitreisen, Dimensionssprünge usw.

Und dass tw. es unlogisch ist, wenn in Folge 1 die Komet 1500 Lichtjahre in einigen Stunden zurücklegt, und für den Flug zu einem Stern, der sich in der Nähe der Magellanschen Wolke befindet, einen speziellen Antrieb benötigt (weiter kann der Planet nicht entfernt sein, da Bewohner von Antares und Fomalhaut in einer Folge beim Zeigen auf ihren Planeten auf eine andere Stelle des Weltalls zeigen wie Future. Wäre die Erde weiter weg, wären Antares und Fomalhaut (weil auch Sterne der Milchstraße) in derselben Richtung), lass ich mal außen vor. Logik ist ja nicht unbedingt ein typisches Sci-Fi-Element 😀

Übrigens, die Idee mit dem Raumschiff in einem Asteroiden, dass in der Folge „Die Zeitmaschine“ das Volk vom Katain zum Deneb führt, ist ähnlich wie der Asteroid, der in Folge eins meiner eigenen ausgedachten ORION-XII-Folgen die Menschen von 1998 in das Jahr 3018 bringt, ist natürlich von dieser Idee beeinflusst gewesen. Immerhin bin ich ein Fan dieser Serie, die die erste SF-Serie war, die ich sehen durfte (noch vor Star Trek).

Wer noch mehr Gemeinsamkeiten gefunden hat (einzige Voraussetzung: Die Serie muss von vor 1978 sein, denn ansonsten könnte es auch eine Retrospektive auf Captain Future sein), kann diese gerne als Kommentar erwähnen 🙂 Dass Odo möglicherweise eine Nachbildung des Androiden Otto darstellt, wird ja oft genug in Captain Future Foren diskutiert 😉

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3 Antworten to “Captain Future – Oder: Wie kopiere ich am lustigsten Sci-Fi-Klassiker”

  1. Daniel Says:

    Nichts gegen das Thema an sich, aber ein paar Fehler haben sich dann doch eingeschlichen:
    Da die Romanvorlage zu der Serie ein wenig älter als Orion (1966), Star Trek (1961), Planet der Affen (1963, Film 1968) oder gar Star Wars (1976) ist, da sie bereits 1940 – 44 geschrieben wurde, sind einige „Kopien“ eher anderesherum zu sehen: Planet der Affen kopierte die Affenmenschen-Idee, Grag ist höchstens das Vorbild für andere Roboter gewesen, nicht umgekehrt. Megara wurde schon als Wüstenwelt beschrieben, als Gene Roddenberry als Soldat im 2. Weltkrieg gedient hat und an Star Trek noch nicht zu denken war. Ebenso halte ich den Todesstern eher für eine Kopie und zwar eine Kopie der Sporenschiffe bei Perry Rhodan, die mit 1126 km Größe in Kugelform bereits früher „erfunden“ wurden.
    Dass sich die Serie insgesamt bei der Visualisierung an „gewohnte“ menschliche Denk- und Sehgewohnheiten orientiert ist wohl dem kommerziellen Charakter der Serie geschuldet. Menschen sehen nur das gerne, was irgendwie in ihre Vorstellung von Zukunft passt, „ungewöhnliche“ SF hat auf dem Markt nur wenig Chancen, leider. Somit ist es klar, das Kampfschiffe im Weltraum oft in „schnittiger“ Keilform dargestellt werden. Wer da also von wem „geklaut“ hat….

    • saschap Says:

      Hallo Daniel.

      Zum einen: Du hast wahrscheinlich nicht Unrecht damit, dass die Frage, wer von wem kopiert hat, auch andersrum gesehen kann, denn wie du richtig sagst, hat Edmong Hamilton die Geschichten bereits in den 40ern geschrieben und sie waren wahrscheinlich zumindest den amerikanischen Drehbuchautoren der genannten Filme bekannt (bei Raumschiff Orion bin ich mir nicht so sicher, ob z.b. der GSD nicht auch vom BKA abgekupfert wurde (Rolf Honold hat sonst zumeist Krimies geschrieben). Somit ist auch gut möglich, dass die Inspiration zuerst bei CF war und sich von dort weiterverbreitet hat.

      Allerdings bin ich bei meiner Analyse vor allem vom visuellen Aspekt ausgegangen und ich gehe davon aus, dass, genauso wie die anderen Autoren sicher Anleihen bei Hamilton genommen haben, die Zeichner von Captain Future sich an damals bekannten Filmen und Serien orientiert haben, um Dinge zu visualisieren, die natürlich in einem Roman nicht so ausskizziert wurden. Ich kann mich zumindest nicht daran erinnern, dass in den Romanen Dinge wie die Nebendarster-Aliens, Raumschiffdesigns und Technologien so haarklein in ihrem Aussehen beschrieben wurden.

      Und mit der schnittigen Keilform in CF und Star Wars: Die war schon damals relativ neu, da davor die meisten Raumschiffe wie Raketen oder UFOs aussahen (ein wenig sogar die Komet, hier ja vor allem die Vorder- und Hinterteil-Kugel. Und die Sporenschiffe…. naja, ob in Amerika so viele Perry Rhodan kennen? 😉 Und wieso die „Quelle der Materie“ genauso aussieht wie dieser Todesstern (eine Quelle der Materie kann doch vieles sein), mmmmh… Star Wars und der Todesstern waren ein Jahr vorher bekannt geworden.

  2. Daniel Says:

    Hallo Sascha,
    du hast Recht, wenn Du sagst, das bei weitem nicht alles in den Romanen ausskizziert wurde, aber wer die sogenannten „Groschenheftchen“ der 50er, 60er und 70er ansieht wird regelmäßig keilförmige Raumschiffe finden, ich kann mich noch gut an einige Terra und Terra Astra Hefte erinnern mit entsprechenden Motiven. Und diese Heftchen waren ja nichts anderes als Kopien amerikanischer Hefte.
    Die Kugelform des Todessterns kann auch einfach aus der simplen Überlegung entstanden sein, dass sich die Kugelform für so ein Objekt schon wegen des besten Volumen/Oberfläche-Verhältnisses die bevorzugte Form darstellt.
    Allerdings darf man trotzdem nicht übersehen, dass sich die Designer und Drehbuchautoren von CF sich nicht allzu buchstabengetreu an die Vorlagen gehalten haben.
    Inwiefern Perry Rhodan bei einem der genannten Filme oder Serien als Vorlage diente…. Das ist schwer zu sagen. Tatsache ist, dass sowohl in den USA als auch in Japan zeitweise PR als Heftserie in der Landessprache erhältlich war.
    Alles in allem wird sich duch die unterschiedlichen Einflüsse am Ende nie ganz klären lassen, wer wo abgeschaut hat oder sich hat inspirieren lassen.


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