Der Stadtbus 2009 – eine Kritik

Der Stadtbus Salzburg führt auch in diesem Jahr wieder eine Umfrage bezüglich seines Angebots durch und da es dort ja auch ein Feld: „Was sie uns sonst noch sagen wollen“ gibt, habe ich mir mal die Freiheit erlaubt und meine Kritikpunkte zusammengefasst:

1. Statt ewig die Tarife zu erhöhen, sollten sie sich ein FÜR DIE KUNDEN besseres Tarifsystem erdenken.

Wieso bekommen Studenten nur die Möglichkeit zwischen einer 5-Monatskarte oder gar nix? In München z.B. gibt es die Möglichkeit, die Studententickets als Monats- und sogar Wochentickets zu kaufen. Und in vielen Städten wird das Semesterticket gleich mit den Studiengebühren/Verwaltungsgebühren bezahlt. Wieso geht das in Salzburg nicht, obwohl wir Studenten alle Studentenausweise besitzen, mit denen wir den rechtmäßigen Besitz der ermäßigten Studententickets beweisen könnten?

Wieso z.b. werden Touristen von Ihnen bestraft, wenn sie den Öffentlichen Nahverkehr benutzen? Ja, bestraft, denn wer nicht aus der Umgebung oder aus Salzburg stammt, für den lohnt sich ja ein 5er-Packen Tagestickets nicht (zumindest nicht, wenn es z.b. ein älteres Ehepaar bestehend aus 2 Personen ist), da er ja gar nicht 2-5 Tage durch die Stadt fährt. Wollen Sie die Touristen extra bestrafen, wenn sie statt mit dem Auto mit dem Obus reinfahren wollen, indem sie für das Ziehen beim Automaten 1 und beim Schaffner 1,80 Euro extra kassieren? Dass ist immerhin ein Einzelfahrschein extra, den diese möglichen Kunden draufzahlen. Und das Argument „Die wissen ja nix vom Vorverkauf“ zählt in meinen Augen nicht, ein öffentliches Unternehmen wie der Stadtbus als Teil der Salzburg AG, an dem Land und Stadt Salzburg 100% tragen, sollte auch von sich aus auf die Kunden zugehen.

Wieso versuchen Sie mit immer neuen Ausreden die Ticketpreise zu erhöhen, senken Sie aber (außer bisher einmal in 5 Jahren bei einzelnen Tickets im Vorverkauf (verbunden mit der Gemeinheit, dass die 24h-Tickets nur mehr im 5er-Pack verkauft werden)) nie? Die Inflation von 2008! als Begründung für eine Preiserhöhung 2009… super Ausrede, demnächst erhöhen Sie dann die Preise sicher auch mit der Inflation der 70er Jahre (die war ja damals noch viel höher) oder mit den CO2-Abgaben für die Dieselbusse (in einer Stadt, in der die Hauptlast des öffentlichen Verkehrs von Obussen getragen wird). Geben Sie’s doch einfach zu: Der SVV hat durch die Tarifhoheit eine Monopolstellung und nutzt diese rigoros aus. Tun Sie nicht so scheinheilig, das glaubt eh keiner mehr.

2. Wieso hat das Netz noch so einige Lücken?

Wieso z.b. lassen Sie jetzt im Rahmen des Umbaus der Kieselpassage keinen neuen Obus von Gnigl/Schallmoss über die Gaisbergstraße zum Hauptbahnhof fahren? Wieso endet die Linie 22 im Norden im Nirgendwo an der Lastenstraße, statt daß sie eine Station weiter zur Breitenfelderstraße fährt, so dass die Kunden dort Anschluss an die Linie 21 bekommen könnten? Wieso wird die Linie 20 geteilt, statt dass Sie gleich bei der Stadt die Elektrifizierung der Siezenheimer Straße erbeten? Die Taxhamer würde eine Obuslinie 10 bzw. 11 (je nachdem ob sie mit der Ostachse weiter verbunden bliebe oder nicht) sicher freuen. Und außer der Siezenheimer Straße und der Durchgangsstraße in Taxham sind alle Abschnitte bereits elektrifiziert.

Wieso erweitern Sie die Obuslinie 3 im Norden in Richtung SÜDEN? Die 3 müsste normal logischerweise in Richtung OSTEN zur Landstraße führen, um dort den Anschluss an die Linie 21 zu ermöglichen. Die 23 kann man in dem Fall schließlich vergessen, nicht nur dass sie taktmäßig so schlecht an die 21 angepasst ist, dass man IMMER den Bus nach Bergheim verpasst, nein, sie hält ja auch noch an einer ganz anderen Stelle. Die 3 könnte dagegen ja ihre Endstation an der 21-Haltestelle Landstraße nach Bergheim haben.

Zur Sbahn: Wieso wollen Sie 350 Mio. Euro dafür ausgeben, eine einzelne Trasse in den Süden der Stadt zu bauen, statt gleich eine Westspange zum Flughafen mitzuplanen? Franz Kok hat ja bereits eine Ostspange nach Parsch ins Gespräch gebracht, genauso könnte in Nonntal auch eine Westspange zum Flughafen gebaut werden, dank der dann der Flughafen mit der Innenstadt durch ein sauberes und schnelles Verkehrsmittel verbunden wäre. Salzburg ist immerhin eine der wenigen Städte, die einen Flughafen mit internationalen Verbindungen besitzt, der nur durch einen Bus an die Stadt angebunden ist. Sogar vergleichbare Städte im Ausland mit Flughafen haben diesen an ihr Sbahnanschluss angeknüpft.

Ebenso finde ich es lächerlich, dass nun dank ihres Gewinns der Ausschreibung für die Strecke Berchtesgaden-Freilassing die Kunden der ÖBB-SBahn in Freilassing umsteigen dürfen. Die S3 ist unter anderem dadurch so attraktiv, dass die Kunden von Zell am See, Bischofshofen oder St. Veit bis ins Berchtesgadener Land ohne Umsteigen fahren können. Ich verstehe ja, dass sie ihre gewonnene Ausschreibung auch nutzen müssen und wollen, doch eine S4? Die S4 wäre viel nötiger auf einer Tangente zum Flughafen (siehe oben). Beim Obus 4 haben Sie selbst miterlebt, dass die Fahrgastzahlen nach der Erweiterung der Linie nach Mayrwies und dem Wegfall des Umstiegs von der 4a auf die 4 stark angestiegen sind. Und diesen Effekt, den eine Streckenführung ohne Umstieg möglich macht, wollen Sie in Freilassing zu Ungunsten ihres SVV-Partners ÖBB kaputtmachen? Vor allem den Umstieg an einem Bahnhof, der weder behindertengerecht noch für ältere Fahrgäste geeignet renoviert ist (der Freilassinger Bahnhof hat nicht einmal Fahrstühle, hab es schon selbst erlebt, wie schwer es da ist, mit einem Fahrrad die Gleise zu wechseln).

3. Kundenfreundlichkeit

Nichts gegen ihr Bestreben, dass jeder ein gültiges Ticket vorweisen soll, wenn er gefragt wird. Aber dass Sie es ihren Fahrscheinkontrolleuren erlauben, zahlungswillige Fahrgäste von der Zahlung abzuhalten, ist ein Unding. Sie beleidigen damit KUNDEN, wenn Sie ihre Fahrscheinkontrolleure diese einfach als Schwarzfahrer denunzieren lassen, ohne dass diese Schwarzfahrer sind (denn ich habe mir ihre Tarifbestimmungen angeschaut, wonach entgegen ihren Angaben das Entwerten bzw. Kaufen des Fahrscheins vor Erreichen der nächsten Haltestelle erlaubt ist und somit jemand, der hinten einsteigt, weil er z.b. ein Kind, einen Rollstuhlfahrer oder eine ältere Person, die die hohen Stufen der älteren Obusse nicht mehr gescheit steigen kann und deswegen lieber hinten bei der Plattform einsteigt, und der dann schnurstracks zum Fahrer zum Bezahlen geht, kein Schwarzfahrer ist!). Bilden Sie darin mal ihre Fahrscheinkontrolleure aus bzw. sagen sie dem ÖWD dieses für seine Schulungen, denn es macht sich nicht gut, wenn ein Unternehmen Kontrolleure beschäftigt, die aus Willkür gegen die Tarifbestimmungen verstoßen. Denn jeder Kunde, der wegen ihnen unrechtfertigterweise 75 Euro zahlen muss, ist wahrscheinlich ein verlorener Kunde.

Mal schauen, ob der Stadtbus darauf antwortet.

Nebenbei: Nach fast einem Jahr verlängerter Öffnungszeiten von IKEA (Mo-FR) und Europark (FR) ist diese Tatsache endlich bei den Stadtbussen angekommen. Der 20er wird, so ein Zettel im Bus, auf die „geänderten Öffnungszeiten der Einkaufszentren“ angepasst. Na hoffentlich, war ja auch schon lächerlich, dass der Europark freitags bis 21 Uhr offen hat, aber der letzte 20er nach Taxham um 20:03 wegfuhr. Aber: Braucht es wirklich fast ein Jahr, bis der Fahrplan so umgeplant, dass dieser Kundenservice machbar ist? Wenn ja ein Armutszeugnis für ein Dienstleistungsunternehmen!

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