Internetsperren: Ausweitung auf Jugendpornographie?

Manchmal ist es erschreckend, wenn man sich Parlamentssitzungen aus dem BT anguckt.

Z.B. zum Thema Kinderpornographie-Sperren.

Youtube-Videos zur Bundestagsdebatte.

Besonders erschreckend: Die Aussage der SPD-Politikerin Renate Gnadistan.

Denn anders als die CDU geht sie bei ihrem Begriff „Kinderpornographie“ nicht etwa von von Kindern aus, sprich „Darstellern“ bis zum 14. Lebensjahr, sondern vom UNO- und EU-Begriff von „Kind“, dass bis 18 geht!

Was das bedeutet, ist sicher jedem klar: Youporn, xhamster, viele tausende Teenseiten sind bald gesperrt.

Warum?

Auf diesen Seiten gibt es Videos mit „wirklichkeitsnaher Jugendpornographie“. Sprich Videos, in denen DarstellerInnen sich extra jung kleiden, mit Schuluniform oder Zöpfen.

Für solche Videos gilt leider Artikel 184c des Strafgesetzbuches ebenso wie für echte Jugendpornographie, also Pornographie mit 14-17jährigen Darstellern.

Und im letzten Jahr, als das Gesetz zum Verbot der Jugendpornographie aufkam, wurde ja auch viel darüber geredet, dass man kaum erkennen kann, ob eine Darstellerin in einem Porno 17 oder 18 oder 20 ist, da die Übergänge hier fließend sind. Vor allem die Tatsache, dass in den Niederlanden und Dänemark bis in die 90er die Teilnahme an legalen kommerziellen pornographischen Aufnahmen ab 15 gestattet war, erschwert die Situation noch weiter.

Was bedeutet das?

Geht es nach der CDU, werden zufällige Nachfrager von Kinderpornographie-Seiten auf eine Stoppseite umgeleitet, dessen Daten dann vom BKA abgefragt werden. Das versucht sie mit den immer gleichen Schauermärchen zu verkaufen.

Geht es nach der SPD, so sollen auch Abfrager von Jugendpornographieseiten bald durch die Sperre betroffen sein.

Und schaut man sich mal um, sieht man z.B. an der Sperrung der Wayback Maschine archive.org durch großbritannische Internet Provider, dass oftmals nicht nur die jeweilige Unterseite, sondern SÄMTLICHE Seiten einer Domain gesperrt werden.

Folge: Am Ende können die Deutschen dann nicht nur mehr nicht mehr auf LEGALE Pornoseiten zugreifen, nein, sie werden dann auch gleich mal eine „Fallzahl“ fürs BKA. Und beweisen SIE mal, dass sie auf xhamster oder youporn einen normalen Porno anschauen wollten, und keinen Kinderporno. Selbst wenn sie es können: Glauben wird ihnen das in ihrem Umfeld keiner.

Und wieso das Ganze?

Da kann man nur spekulieren. Doch eines fällt auf: In 2 JAHREN soll eine Evaluierung des Gesetzes vorgenommen werden. Und da schon in der Gesetzesbegründung immer mit der hohen Anzahl der geblockten Internetseiten in Schweden und Finnland gearbeitet wird (auf dessen Listen sich bekannterweise größtenteils normale Teenpornseiten befinden), ist es natürlich praktisch, die Anzahl der gestoppten Zugriffe so GROSS WIE MÖGLICH zu machen. Liest sich einfach besser, wenn statt 100.000 Zugriffen auf solche Seiten 1-2 Mio. Zugriffe pro Tag geblockt werden.

Ob da nun 90% normale Pornoseiten sind… interessiert doch die Medien und die normale Bevölkerung keinen…

ODER?

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3 Antworten to “Internetsperren: Ausweitung auf Jugendpornographie?”

  1. VER Says:

    und es ist gut so, dass Kindern und Jugendlichen der Zugang zur Pornografie mit allen Mitteln und Möglichkeiten verwehrt oder erschwert werden muss.
    Wer danach sucht, wird wissen, was er/sie tut – wer einfach nur einen link geschickt bekommt (schau mal, was ich gefunden habe) kann darüber mit Inhalten konfrontiert werden, die nichts für ihn/sie sind. Bis hin zur Traumatisierung.

    Und zum Schutz von Kindern muss man dann halt leider auch über Zensur nachdenken – die Realtität zeigt mir zumindest keinen anderen Weg. An das Gute im Menschen wird hier ja wohl niemand glauben mögen. Freiwillig wird es keine Beschränkungen geben

    • saschap Says:

      Kennen Sie die Methoden, wie auf normalen Pornoseiten in den USA Kinder „geschützt“ werden? Durch eine Auswahl „ja, ich bin über 18″/“bin unter 18“. Denken Sie, dass ihre Kinder, sofern Sie welche haben, so dumm sind und auf „bin unter 18“ klicken?

      Ansonsten haben Sie anscheinend den Artikel NICHT verstanden. Es geht nicht darum, Kindern den Zugang zu Pornographie zu verwehren. Dafür haben wir seit den 70er Jahren Gesetze, die Pornographie nur für Erwachsene erlaubt und den Videotheken, Zeitschriftenverkäufern und auch Internetseiten deswegen Kontrollmechanismen vorschreiben, mit denen das Alter geprüft werden soll. Die Gesetze sind alle im Jugendschutz nachzulesen und im Vergleich zu anderen Staaten ist der Jugendschutz in Deutschland sogar noch rigoroser, eine einfache Abfrage: „Ja, ich bin über 18“ reicht hier nicht, man muss sich schon durch Personalausweis-Nr. oder Kreditkarte als erwachsen kennzeichnen.

      In diesem Artikel geht es um Jugendpornographie. Vielleicht sagt ihnen der Begriff nichts. Jugendpornographie ist nicht Pornographie für Jugendliche, sondern nach Definition mit Jugendlichen, also mit 14-17jährigen. Im kommerziellen Bereich war diese schon immer verboten, jetzt hat der Gesetzgeber aber auch private Pornographie der Teenies verboten. Und versteht darunter alles, von einem Handybild eines Busens, dass ein Mädchen per SMS ihrem Freund geschickt hat, bis hin zu selbstgedrehten Filmen. Und das nicht nur von echten Jugendlichen, sondern auch von „Scheinjugendlichen“, also von Erwachsenen, die jünger als 18 Jahre aussehen. Haben Sie Kinder im Teenageralter? Können Sie das Alter der Freunde ihrer Kinder schätzen? Die Schwester meiner Freundin sieht mit jetzt 20 Jahren kaum älter aus als mit 14. Mit diesem Gesetz werden theoretisch sogar Bilder von fast 30jährigen verboten, hauptsache sie sehen für den Richter aus wie unter 18.

      Und zur Zensur: Zensur ist aus gutem Grund in der Verfassung (dem Grundgesetz) als abgeschafft bezeichnet: Denn wenn man erstmal beginnt, schön zu zensieren, kann man es immer weiter ausdehnen. In den 50ern galten schon laszive Bikini-Fotos als ein Tabu, die Dietrich wurde für eine Nacktszene verteufelt usw. Wollen Sie, dass wir wieder in diese Zeit zurückkommen, in der Sexualität als etwas zu bekämpfendes angesehen wird? Man fängt mit kinderpornographischen Bildern und laschen Sperren, die jeder den ich kenne umgehen kann, an (anstatt diese Bilder aus dem Internet zu entfernen, denn die sind normal auf europäischen oder amerikanischen Servern gespeichert), und weitet es dann immer weiter aus, als nächstes verbietet man dann die Berichterstattung über sowas, dann die Berichterstattung über die Berichterstattung usw… wollen Sie das? Das ist nämlich der Weg, den z.b. der Iran und China gegangen sind!

      Und zum Abschluss: An das Gute im Menschen muss man nicht glauben. Denn es gibt schon seit jahrzehnten immer weiter verfeinerte Gesetze im Jugendschutz, mit denen die, die meinen, Kindern Pornographie anbieten zu müssen, bestraft werden können. Außer es sind die Eltern, denn denen ist merkwürdigerweise das Zeigen von Pornographie an ihre Kinder erlaubt…

  2. Caroline Kaiser Says:

    Aber die Idee der EU ist doch schlichtweg genial,
    so haben sie jetzt endlich große Fahndungserfolge gegen „Kinderpornographie“, die sie gegen die echte Kindersexmafia in Weißrussland, Myanmar oder Moldawien nie hatten.

    Kommt man im Ausland nicht weiter, ändert man einfach im Inland ( Kerneuropa ) die Definition.

    So werden aus Teenpornos mit erwachsenen Niederländerinnen ( bis Herbst 02 war man hier nämlich bereits ab 16 volljährig ), dann über Nacht auf einmal Kinder- und Jugendpornos.

    Anstelle einer komplizierten Fahndung reicht es, wenn man einfach die Kundendaten von Videotheken und Sexshops beschlagnahmt. Dann schaut man sich vor Ort mal an, was die Besitzstraftäter dort so alles haben. Sollten sie keine echten Jugendpornos haben, dann kann man immer noch von „Scheinminderjährigkeit“ ausgehen.
    Wer kann schon beweisen, daß die 18jährige Finnin auch tatsächlich zum Zeitpunkt des Drehs 18 war, wenn die Produktionsfirma seit Jahren nicht mehr existiert ?


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