Acme.Anime: Klassische Intros international. Heute: Captain Future

Als Kind war ich absoluter Fan der Anime-Serie Captain Future. Das war eine der ersten Sci-Fi-Animeserien, damals in den späten 80ern, als ich es zum ersten Mal gesehen habe, natürlich noch nicht als Anime bezeichnet, sondern als „Trickfilm“ (Die Unterscheidung zwischen Anime und Zeichentrick wurde erst mit Sailor Moon gemacht, um es von den Zeichentrickfilmen aus Amerika abzugrenzen).

Vom ZDF leider total zerschnitten (aus 52 Folgen wurden 40 gemacht, eine solche Inhaltsschere hat selbst RTL 2 bei Naruto nicht gemacht), die Synchronisation wurde natürlich auf dem deutschen Schnitt vollzogen (der so stümperhaft war, dass bei manchen „Was bisher geschah“-Nachschauen Szenen gezeigt wurden, die in der deutschen Serie selbst nicht vorkamen) und das Intro sehr verkleinert.

Doch mit einem konnte die Serie aufwarten: Christian Bruhn, mittlerweile Vorsitzender der GEMA, komponierte einen sehr speziellen Soundtrack für diesen Animeklassiker. Damals musste noch für jedes Land ein eigener Soundtrack erstellt werden, da es nur eine Tonspur gab und somit die japanische Musik nicht benutzt werden konnte. Zum Glück für Deutschland, Frankreich, Italien und andere Länder…

Doch wie klingen eigentlich die Intros der anderen Länder? Sind sie besser oder schlechter als das deutsche Intro? Hier eine kleine Zusammenfassung von auf Youtube anzuschauenden Intros, jeweils mit einem Kommentar von mir:

Wir beginnen natürlich mit Japan. Japan ist das Land, aus dem dieser Anime 1978 nach Westeuropa gelangte, also hat dieses Land auch die Ehre, als erstes gespielt zu werden.

Ja, wie soll man diesen Musikstil nennen? Also auf alle Fälle ist es mal kein spaciger Sound. Das hat einen Grund, dem Komponisten wurde vom Produzenten gesagt: „Vergesse, dass es eine Space Opera ist!“ Eigentlich eine gute Idee, denn wer sagt denn, dass im 22. Jahrhundert alle noch auf Synthesizer-Musik oder Techno stehen. Heutzutage klingen zwar sogar in der jetzigen Zeit spielende Animeopenings im J-Pop-Sound sehr spacig, aber in 100 Jahren wandelt sich da sicher was, vor 100 Jahren hörten die Deutschen schließlich noch Wagner!

Interessant für einen deutschsprachigen Seher ist natürlich auch die Bildkomposition: Die Raumstation, um die die Komet fliegt, sieht sehr denen von Star Trek ähnlich, das Thema „Leben im Weltraum“ wurde bei den deutschen Folgen komplett ausgeblendet, und somit natürlich auch das Fliegen durch Raumstationen. Muss sicher eine interessante Erfahrung sein, so über einer Stadt im Erdorbit zu schweben.

Gut, kommen wir nun erstmal nach Amerika. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Und leider auch das Land, das mit jedem neuen Intro einer japanischen Animeserie beweisst, dass Niveau kein englisches Wort ist.

Also sorry: Captain Future ist recht actionhaltig, ja. Es wird geschossen, ja. Es gibt Raumkämpfe, böse Tiere und Aliens, ja.

Aber Captain Future ist kein Actionheld á la A-Team, er ist Wissenschaftler und nebenbei eine Art Privatdetektiv für die Erdregierung. Bei diesem Intro ist es echt kein Wunder, dass die Serie in Amerika total gefloppt ist.

Da hilft dann auch nicht, dass man nicht stupide das japanische Intro übertont hat, sondern eine eigene Fassung erzeugt hat, im Gegenteil, diese Bildzusammenstellung forciert ja nur noch das falsche Bild, das die Amerikaner anscheinend von der Animeserie hatten. Etwas was sie auch später nicht lassen konnten, die Intros von Pokemon, Yugioh, One Piece und auch Detective Conan sind in Amerika nur mit viel Bauchschmerzen anschaubar!

Eigentlich erstaunlich, denn die Geschichten von Captain Future, die TOEI Animations da verfilmt hat, stammen vom Amerikaner Edmond Hamilton. Und der hatte in seinen Romanen echt versucht, einen seriösen Helden zu erzeugen, sein Redakteur wollte auch einen typischen Action-Superhelden, doch stattdessen bekam er einen klugen, vorbildlichen, mutigen Bürger der Erdföderation.

Wir kommen zur Disco… nach Spanien. Hier hieß Captain Future „Capitan Futuro“. Und hier versuchte man sehr poppig zu sein:

Also das Intro ist schonmal um Längen besser als das aus Amerika. Und von der Power her erinnert es an Filme von Bud Spencer und Terence Hill. Mag vielleicht nicht jeder, aber man schaltet nicht sofort ab, wenn man über 5 Jahre alt ist.

Auch hier wurde die japanische Bildkomposition leicht verändert. Jedoch: Der Held wurde nicht zum Actionhelden mit leichtsitzender Waffe umstilisiert, sondern es wurde der Weltraum herausgestellt: Szenen von Planeten, von der Komet, die schon aus Japan bekannte Raumstation, Captain Future im Raumanzug.

Wenn man das Intro dann sieht, denkt man sich: Hey, eine coole Space Opera. Also das, was die Japaner eben nicht sofort mit dem Intro in Verbindung sehen wollten, und das, woran die Amerikaner gescheitert sind.

Man kann also sagen: Thema passt, nicht jeder mag poppige Disco-Musik, aber beim Intro bleibt einem nicht das Essen im Hals stecken.

Auch in Saudi-Arabien gab es Captain Future. Eigentlich erstaunlich… aber „ein wenig“ haben die Araber schon von den Spaniern geklaut. 😉

Wenn man nicht genau hinhört, könnte man aber meinen, man würde einen dänischen Titel von Aqua hören. Was aber auch wiederum erstaunlich ist, die Serie stammt schließlich vom Anfang der 80er Jahre, klingt aber nach 90er Jahre Euro-Dance.

Anders als die Spanier hat man aber keine eigene Bildzusammenstellung gewählt, sondern quasi eine Mischung mit dem japanischen Original gemacht: Die Szenenfolge entspricht dem japanischen Intro, die Musik den Spaniern. Naja, besser geklaut als schlechtes Original, nicht liebe US-Amerikaner? 😉

Nun ab zu unseren Nachbarn mit dem besonderen Akzent: Frankreich.

Einen Bock geschossen haben sich die Franzosen mit dem Namen unseres ehrenwerten Captains: Was Flam heissen soll, weiss nicht einmal google. Zukunft heisst es auf alle Fälle nicht, aber gut, Franzosen sind halt anders, wenn es um die englische Sprache geht.

Waren wir bei den Spaniern und Arabern noch beim Euro-Dance bzw. in der Disco, landen wir in Frankreich irgendwie beim European Song Contest 😀 Dort hätte der Titel in den 80ern sicher Erfolge gefeiert.

Bemerkenswert ist: Als eines der wenigen Länder hat man nicht nur eine eigene, aber passende Bildkomposition gefunden, sondern auch wie beim japanischen Original die Credits gezeigt. Nur eines fehlt: Wie hieß euer Titel denn, normal wird das ja auch bei japanischen Animes gezeigt, damit die Single gut verkauft wird 😉

Also, wenn man davon absieht, dass die Franzosen Future nicht von „Flam“ unterscheiden können, ein passables Intro.

Und nun zum Abschluss das gewohnte deutsche Intro:

Das kennen wir ja alle (zumindest in Deutschland): Zuerst die schwarze Sonne, danach die Erde und die abfliegende Komet, dann die Komet, wie sie durch den Asteroidengürtel fliegt, und zum Schluß Captain Future auf dem Podest.

Von der Bildkomposition her sehr spartanisch, man merkt halt, dass das ZDF keinen Respekt für Serien hatte und alles rauskürzte, was ihnen zu zeitraubend erschien… Raumstation? Irgendwelche Szenen aus der Serie? Vielleicht, was heutzutage ja bei Openings gemacht wird, eine kurze Übersicht über die Charaktere? Negativ, nix da, kostet nur unnötig Zeit, wir haben nur 20 Minuten Sendezeit!

Und sogar bei den wenigen Bildern war man dann auch noch geizig, die Sonnenszene ist beschleunigt, der Abflug der Komet gekürzt und für den Titel der jeweiligen Folge hat man einfach ein Standbild aus der Episode „Die Zeitmaschine Teil 2“ abgefilmt!

Grafisch also traurig, musikalisch passt es sehr gut zur Serie: Viele sagen ja, dass der deutsche Soundtrack einer der besten gewesen ist (z.t. natürlich durch Prägung in der Kindheit), aber Christian Bruhn hat mit seinem Titel etwas geschafft, woran das ZDF und auch später RTL 2 so oft scheitern: Einen Titel produzieren, der nicht extrem kindisch ist (schöne Grüße an RTL 2) oder der nur damit aufwarten kann, dass irgendein Schlagersänger ihn gesungen hat (schöne Grüße ans ZDF).

Musikalisch also wirklich unter den Top 4 (neben Spanien, Frankreich und Japan), bildtechnisch schlechter wie die Amerikaner. Das muss man erstmal schaffen!

Nun noch einige „Specials“: Denn es gibt natürlich auch besondere Versionen des Intros im Netz bzw. auf Youtube, z.B. diese hier:

Ein Remix aus verschiedenen Intros, unter anderem vom deutschen, japanischen und spanischen Intro. Klingt sehr funkig, nur das harte Klavier stört etwas.

Dass man Captain Future besser nicht mit den Methoden von Raumschiff Enterprise in Real nachfilmt, beweisst dieser Film:

Also ich habe mal die Komet aus Lego nachgebaut, als ich 10 war. Und auch wenn ich nicht weiss, ob das Modell noch existiert, könnte ich es zumindest beim Lego Digital Designer jederzeit nachbauen.

Einen Fehler habe ich dabei aber nicht gemacht: Das Raumschiff nach den Größen des Animes nachzubauen: Denn beim Anime mag es imposant ausschauen, aber in Real stimmen die Proportionen einfach nicht: Die Photonenblaster sind zu klobig, die Kommandokugel ist zu groß (das ist das schnellste Schiff des Sonnensystems, das sollte schon auch so aussehen!), dafür ist die Mittelsektion nun mal zu klein, man fragt sich, wieso das Schiff beim Beschleunigen nicht hinter dem X-Wing abbricht!

Sprich: Wenn jemand eine Realverfilmung von Captain Future machen möchte: Bitte denkt euch ein Design für die Komet aus, bei der man nicht das Gefühl hat, als wäre sie ein klobiger, zerbrechlicher Klotz.

Hier dagegen ein schönes Video: Das deutsche Intro in 3D. Und der Ersteller hat nicht den Fehler gemacht, das Schiff wider jeglichem physikalischen Prinzip zu designen. (Gut zu sehen an den kleineren Photonenblastern und dem kräftigeren „Schwanz“ des Schiffes.)

Ich denke, ein solches Intro würde auch den Kiddies des 21. Jahrhunderts im Kino gut gefallen 😀

Und zum Abschluss, wie bei jedem japanischen Anime: Das Ending. Leider ist da die Verlinkung abgeschaltet worden, deswegen müsst ihr es auf Youtube selbst anschauen. Und da ich nur eine Version mit Opening UND Ending gefunden habe. müsst ihr zu 1:42 vorspulen, da beginnt das (zugegeben wirklich unpassende) Ending.

Hier zum Video klicken

Das wars auch schon wieder mit Acme.Anime: Opening-Check. Ich wünsch‘ euch ein fröhliches Hare Hare Yukai, bis zum nächsten Mal.

Und schön Lucky*Star, Die Melancholie der Haruhi Suzumiya und Karin – Cheeky Vampire schauen, die Serien sollte jeder mal gesehen haben!

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