Lange nix geschrieben

Joa, fast einen Monat ist es nun her und ich habe euch noch nicht einmal die Ergebnisse der Umfrage präsentiert? Also nicht komplett, bei Acme.Tour gabs ja nur die Top 10 (plus die Top 5 aus Dland, Amerika und Österreich). Das hol ich im nächsten Post nach, erstmal muss ich ja erklären, wieso ich lange nicht da war:

Ich habe derzeit viel zu tun, Praktikum ist das Stichwort.

Vor allem nicht ein Praktikum bei irgendwem, irgendeiner kleinen PR-Agentur oder einer Minizeitung oder Partei, sondern beim größten österreichischen Sender: dem ORF. Gut, ok, beim ORF Salzburg im Aktuellen Dienst.

Den ersten Monat hab ich ja jetzt bald hinter mir, und mittlerweile habe ich auch schon einiges gelernt, z.B. dass bei Sendern, wo die Hörer nicht zuhören, weil sie soooo gerne Acme.Rad1o hören (gibt es solche Hörer überhaupt? :D), sondern weil sie informiert und unterhalten werden wollen, man die interessantesten Infos für den Hörer an den Anfang der Message bringen sollte, damit er aufhorcht und genau hinhört. Egal ob Moderation oder Nachrichten.

Neben Meldungen schreiben gehörte auch Recherchieren schon zu meinen Aufgaben (das Gerücht mit dem Kaffee kochen ist echt nur ein Gerücht (der ORF hat Kaffeeautomaten und eine Kantine 😉 )). Und es ist echt interessant: Wenn ich mich früher mit „ich recherchiere für meine Sendung auf der Radiofabrik“ vorstellte, bekam ich meist wenig zu hören. Beim ORF ist das anders. Wieso eigentlich? Die Radiofabrik ist genauso eine seriöse Sendeanstalt und wir müssen auch Sendebestimmungen unterschreiben und Medienrechtseminare besuchen, damit wir unsere Sendung fahren dürfen.

Das der ORF selbst die Radiofabrik nicht leiden kann, habe ich bisher auch noch nicht festgestellt. Bei den meisten Mitarbeitern zumindest nicht, aber ausgerechnet ein anderer Praktikant betonte sehr oft die um Längen höhere Professionalität, mit der der ORF arbeitet. Interessanterweise ist er glaub‘ ich einer der wenigen aus der jüngeren Generation, der nie bei CampusRadio mitgewirkt hat oder eine eigene Sendung hatte (zumindest hat er mir nicht gesagt, dass er mal bei der Radiofabrik gesendet hat). Die Redakteure, die die Radiofabrik kennen, reden nämlich nicht so. (Und wenn man z.b. daran denkt, dass Georg Wimmer, Redaktionsleiter der Radiofabrik (derzeit in Vaterschaftsurlaub), im letzten Jahr gleich 4 Preise für eine Radiodokumentation über Kinderarbeit gewonnen hat, als erster Österreicher sogar den Preis der Kinderhilfe, fragt man sich schon, wie stark der Unterschied denn wohl wäre, wäre die Radiofabrik so gut finanziert wie der ORF und hätte sie dadurch auch eine vielköpfige Redaktion.)

Was natürlich nicht so schön ist: Aufgrund meines doch recht norddeutschen Stimmklanges habe ich keine Sprecherlaubnis beim ORF. Nein, keine Sorge, in der Redaktion darf ich schon sprechen und ich darf natürlich auch sprechen üben. Nur wenn ich einen Beitrag schreibe, wird er von jemand anderem vertont. Natürlich ärgerlich, wobei mich eher etwas sorgt, wo ich denn dann in Zukunft sprechen darf.

Denn, um es mal so zu sagen: Mein Ziel ist nicht der Chefredakteur-Sessel, sondern der Sessel von Jauch. Gut, ok, das ist übertrieben, aber ich möchte schon später lieber vorm Mikro stehen, und nicht nur hinter die Tastatur verbannt sein. In der Redaktion fühlte ich mich am Anfang noch ein wenig beobachtet, und hatte Angst, was falsch zu machen… als ich bei Salzburg Heute im Studioraum war und dort (bevor der Moderator ins Studio kam) mich auf den Moderatorensessel setzte, hatte ich dagegen NULL Angst, irgendwie komisch anzukommen. Obwohl mich DREI Kameras beobachteten (gut, sie nahmen nix auf, aber trotzdem, die Redaktion konnte ja zuschauen :D). (das nächste mal versteckt ein Mikrofon, dann hört ihr was ich so rede :D)

Von dem Ziel, irgendwann Moderator zu werden, hat mich das Praktikum also noch nicht abgebracht. Höchstens mir aufgezeigt, dass der Weg weiter ist, als es die Medien manchmal vormachen.

Doch, und da will ich mal was mutiges behaupten: Wer es schafft, als Hamburger mit österreichischem Schmäh, Föhn und Dialekt zurechtzukommen, schafft alles 😉

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Veröffentlicht in Acme.Info, Acme.Mix. Schlagwörter: , , . 1 Comment »

Eine Antwort to “Lange nix geschrieben”

  1. SaschaP Says:

    Nur als kleiner Nachtrag:

    Nur einen Tag nach diesem Beitrag (eigentlich sogar am selben, sprich am 3. Februar), bestellt mich der Chefredakteur Dr. Gerhard Rettenegger ins Büro.

    Und verkündet, dass er mein Praktikum vorzeitig abbrechen würde.

    Begründung: „Ich hätte die Rolle des Praktikanten nicht verstanden“ (aha, beim nächsten Mal sollte der ORF dann am besten eine Anleitung geben, wie diese Rolle aussieht, und nicht nur ein: „Halten Sie sich an den/die CvD, die/der ist für sie zuständig“), „meine Beiträge wären eh nicht so erfolgreich gewesen“ (mir wurde aber immer gesagt, dass das nicht so schlimm sei, ich würde doch noch üben, immerhin hatte ich mir oft selbst am Anfang innerlich Vorwürfe gemacht, wenn ich etwas nicht so richtig gemacht hatte), „ich würde dem ORF schaden“ (nur merkwürdigerweise nannte man mir da als Beispiel nur die Telefonrecherche vom zweiten Arbeitstag, und nebenbei: Wenn ich mit meinen Recherchen dem ORF geschadet hätte, hätte man mir das ja wohl direkt gesagt/sagen müssen, und es nicht nach einem Monat Praktikum einfach so sagen), „und meine Art wäre zu distanzlos, ich würde das Arbeitsklima stören“. Sorry, aber wenn man sich an jemandem stört, dann spricht man ihn drauf an und sagt: „Entschuldigen Sie, das stört mich jetzt aber, könnten Sie das bitte ändern“.

    Genaues wollte mir Dr. Rettenegger auch gar nicht sagen, Begründung: „Sie kennen den Unterschied zwischen Selbst- und Fremdbild nicht.“ Doch, ich kenne den Unterschied. Und ich weiss, dass mein Fremdbild nicht immer so gut ankommt. Gerade deswegen frage ich ja, was genau gestört hat, da ich da öfters Probleme beim sofortigen Erkennen habe. Leichte Wahrnehmungsstörung nennt man sowas.

    Ganz ehrlich, ich habe mich damit abgefunden, dass der ORF anscheinend lieber „einfache, österreichische“ Praktikanten zu haben scheint. Auch wenn ich mich frage, wieso ich dann beim Assessment-Center recht gut durchgekommen bin? Denn da habe ich mich nicht wirklich anders gegeben, dass ich recht kommunikativ bin, hatte man glaub ich schon da erkennen können.

    Und nebenbei: Ich hätte 8 Wochen für mein Pflichtpraktikum gebraucht und habe jetzt nur 4 bisher 😦 Ich frag mich echt, wieso man mich, wenn ich ja anscheinend in der Redaktion störe, mich dann nicht in einen Bereich setzt, wo ich nicht stören kann? für die 4 Wochen zumindest. Denn super, finde mal ein Praktikum für 4 Wochen (wer einen Praktikumsplatz in einem Kommunikationsbetrieb für anscheinend zu kommunikativen Menschen hat, kann sich gerne melden).


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