Heiligabend im „Bowy“

„Willst du die Jugend von Tornesch und Uetersen“ (und den H-Dörfern natürlich) „sehn, musst du ins Bowy gehen“. So oder so ähnlich hätte man bis 2005 jedem Auswärtigen erklären können, wo die 16-36jährigen der Stadt und Randgemeinden zu finden sind. Zumindest an Donnerstagen.

Seit 2005 ist es anders: Jo Müller, der die Szene-Kneipe betrieb, musste nach jahrelangen Querelen mit Stadt und einzelnen Anwohnern die Türen seines Lokals schließen. Der Jugend, vor allem der von Realschule und Gymnasium Uetersen, war so der letzte verbliebene Treff für lauschige Abende genommen. Doch das Bowy war und ist nicht tot.

Das kann man jedes Jahr zu Weihnachten am Heiligen Abend sehen, wenn Jo im Hotel Gasthof Kröger in Ahrenlohe die „Bowy-Weihnachtsfeier“ veranstaltet. Da treffen sich dann alljährlich die ehemaligen Bowygänger der Generation 20+, und feiern zur typischen Bowy-Musik und im bekannten Ambiente mit Bowy-Schild am DJ-Pult und der originalen Discokugel aus dem Lokal in den ersten Weihnachtstag hinein.

Und auch dieses Jahr war dieses Fest wieder ein großer Erfolg: Schätzungsweise 500 junge und auch ältere mittlerweile erwachsen gewordene Bowy-Gänger kamen zum „Exil“ des Bowys nach Ahrenlohe, unterhielten sich, betranken sich, tanzten zur Musik der 60er bis 90er (und einiger 2000er) und benahmen sich, als wenn das Bowy nie zugemacht hätte.

Und das zeigt doch vor allem eines: Argumente, die Jugend würde nicht in ein Uetersener oder Tornescher „Jugendlokal“ gehen, da sie ja jederzeit mit dem Auto nach Pinneberg, Wedel oder Elmshorn in die Diskotheken fahren kann, sind am Beispiel dieses Festes gut widerlegbar: Es ist einfach was anderes, wenn man zwischen bekannten Gesichtern feiert, anders als wenn man in den anonymen Großraumdiskotheken feiert.

Vielleicht sollte Tornesch langsam die Gelegenheit beim Schopf packen und Uetersen ein Schnippchen schlagen: Wenn die Rosenstadt ewig braucht mit der Genehmigung der Mehrzweckhalle, wieso kein „Bowy 2.0“ in Tornesch machen? Damit auch die kommenden Generationen von Jugendlichen dieses besondere Flair erleben können.


Es folgt der persönliche Kommentar des Autors:

Ein schöner Abend am Heiligen Abend. So kann man die Bowy-Feier 2008 bezeichnen. Und schön war er sicher nicht nur für mich. Denn da ich nicht annehme, dass meine Erfahrungen einzigartig sind, denke ich, geht es vielen: So eine Feier unter alten Bekannten aus der Schul- (und z.T. Studienzeit) ist etwas anderes als eine Studentenfeier in Salzburg, München, Aachen oder Berlin.

Und das nicht, weil diese großen Feiern schlechter oder besser wären, es liegt glaub ich vor allem an einem: Bei einer Bowy-Feier kenn ich einen Großteil der Leute mit Gesicht und Name. Bei einer Feier in der GesWi Salzburg kenn ich nur wenige. Und: Man hat meist viel weniger mit den anderen Studenten zusammen erlebt, im Studium ist man meist in kleinere Grüppchen aufgeteilt, man hat meist nur wenige Kurse mit denselben Leuten zusammen, viele fahren übers Wochenende nach Hause zu den „alten Freunden“ (was ich auch gerne öfters mal würde, also wer spendet für einen Transrapid Wien-Salzburg-München-Nürnberg-Berlin-Hamburg?) und gerade in den Massenstudienfächern kannst du nicht alle kennen. Und bist auch nicht dazu gezwungen, anders als bei den alten Schulkameraden, mit denen du zwischen 9 und 13 Jahren mind. zu tun hattest.

Klar, viele (auch ich) sind froh, nicht mehr auf die Enge von Tornesch und Uetersen beschränkt zu sein, sondern überall in Deutschland sein zu können (oder zu müssen, je nachdem ob einen die ZVS wo hingeschickt hat oder man sich selbst beworben hat), in großen Städten mit viel Kultur und Vergnügungseinrichtungen zu wohnen, andere Leute zu kennen, aber man merkt es doch: Auf der anderen Seite mag man auch die „Geborgenheit“ der aus Kindertagen bekannten Umgebung.

Und klar ist auch: Durch diese Verstreutheit der Uetersener in der Welt wird sowas wie die Bowy-Weihnachtsfeier wahrscheinlich der einzige „Schulklassenübergreifende“ Treffpunkt ein, da von einer so verstreuten Kundschaft kein regelmäßiges Bowy leben könnte (was nicht heisst, dass es kein Bowy für die jüngere Generation und die in Uetersen verbliebenen jungen Erwachsenen geben sollte). Deshalb bleibt nur zu hoffen, dass Jo diese Tradition jetzt lange aufrechterhalten kann, ihm ist dafür echt Dank zu sagen, denn andere große Treffmöglichkeiten für unsere Generation (also die 20-40jährigen (und einige junggebliebene) Uetersener, Tornescher, Moorreger H-Dörfler, …) im Jahresrhythmus, zu denen die meisten kommen können, gibt es nicht (die Abifeier fällt z.b. für so manchen Studenten, der zu dem Zeitpunkt Vorlesungen an einer weit von Hamburg entfernten Uni hat, flach).

Und ganz persönlich kann ich nur sagen: Schön, so viele bekannte Gesichter mal wiedergesehen zu haben, und gleich die Warnung: Nächstes Jahr bin ich wieder da.

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Eine Antwort to “Heiligabend im „Bowy“”

  1. Acme.Music 2009 - Das Bowy auf 1026 « Sinnvolles und -loses für die Welt Says:

    […] 2009: Mehr Bowy. Mehr Musik. Mehr Rock. Der gestrige Abend im “Bowy” war nicht nur ein nettes Treffen mit alten Bekannten, sondern auch “lernen”, was die […]


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