Der Film am Mittwoch: „Sklaven und Herren“

Manchmal sind Trailer sehr schön und spannungsbereitend. Zum Film, dessen Name in der Überschrift steht und der eben auf der ARD lief, war das so. Da schaut man doch mal aus Neugierde rein.

Doch der Film selbst rief dann viele Fragen auf, die mit einem besseren Drehbuch wohl nicht aufgekommen wären:

  • Zu Beginn wird man in die Story reingeworfen, dass an einer Schule ein Junge die Mädchen und Jungs zu merkwürdigen Taten zwingt und dass der 13jährige Klaus sich mit leichten kriminellen Taten an seiner Schule herumschlägt und kurz vor dem Schulverweis steht. Seine Schwester Tina findet heraus, dass er das nicht aus eigenem Antrieb macht, sondern weil ihn der 19jährige Yogi „versklavt“ habe. Doch statt diese es ihrer Mama erzählt oder auch nur irgendeiner Freundin oder Vertrauensperson sagt, geht sie lieber zu diesem Yogi und lässt sich selbst „versklaven“. Da kommt dan Frage Nr. 1: Wieso lässt eine 18jährige sich lieber auf ein solches Spiel ein, statt den Kerl zu melden? Wenn der Vertrauenslehrer ausgerechnet der Lover der Mama ist, gäbe es doch immer noch den Schulleiter!
  • Dann sieht man, wie dieser Yogi seine Exsklavin an einen anderen Typen „verschenkt“, der diese dann wochenlang festhält und vergewaltigt. Schon krank, doch, und da greife ich mal vor: Als dieses Mädchen sich später ausgerechnet an Yogi wendet und von diesem Hilfe erwartet, macht der nichts intelligenteres als sie zurück bringen. Bei der nächsten Flucht fällt ihr nichts besseres mehr ein als sich von einem Hochhaus zu stürzen. Frage Nr. 2: Wieso ist das Mädchen nicht einmal auf die Idee gekommen, dass sie zur Polizei gehen könnte?
  • Yogi will den Vertrauenslehrer Schäfer loswerden und benutzt dafür Klaus, der dessen Kamera klaut, und Tina, die sich einmal von dieser Kamera nackt fotografieren lässt und dann auch noch eine Vergewaltigung vorspielt. Frage Nr. 3: Yogi hatte Tina versprochen, Klaus in Ruhe zu lassen, wenn sie sich dafür versklavt. Wieso spielt sie dann noch mit, nachdem sie erfahren hat, dass Yogi ihren Bruder weiter für seine Zwecke mißbraucht?
  • Am Ende sucht Tina Yogi in seinem Haus auf. Dort wird sie zwischendurch durch seine „Freunde“ (die, die das andere Mädchen vergewaltigt und in den Tod getrieben haben) eingesperrt, kann sich aber befreien. Schäfer wurde zwischenzeitlich in dem Haus festgehalten und die „Freunde“ versuchen ihn zu quälen, doch am Ende hauen sie ab, als sie merken, dass Tina abgehauen ist. Frage Nr. 4: Wie jämmerlich ist das eigentlich? Auf große Hose machen und dann abhauen? Gilt sowohl für Yogi als auch für diese komischen Typen. Und wieso kommt das Mädel nicht mal auf die Idee, ihrem Lehrer zu helfen, nachdem sie ihm vorher fast den Job mit den Fotos gekostet hat?
  • Und dann noch ein Endbild: Klaus, seine Mutter und die Mutter von Yogi kommen ins Spiel, Klaus will Yogi ein Messer in den Rücken hauen, trifft aber den Schäfer in der Schulter, Yogi geht aus dem Haus, Mutter folgt ihm… und dann sieht man im Abspann nur noch wie Yogi wieder mit seinem Auto durch die Nacht fährt, wie am Anfang des Films. Frage Nr. 5: Wieso werden am Ende weder alle Fragen beantwortet, noch ein wirkliches Ende gebracht? Da sind doch sogar die Kriminalserien a la K11 oder Lenßen und Partner besser, dort wird die Geschichte durch Nennung der Verurteilungen wenigstens beendet. Was bringt es dem Zuschauer, wenn am Ende der TÄTER wieder seelenruhig durch die Stadt fährt, und er weder erfährt, was aus Tina, Schäfer, Klaus und Co. geworden ist???
  • Alles in allem muss ich also sagen: Schlechter Film, ein Film, an dessen Ende nach über 1:30 Zeit noch zig Fragen offen sind, ist ein mißlungener Film!

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    2 Antworten to “Der Film am Mittwoch: „Sklaven und Herren“”

    1. Rattlesnail Says:

      Ich habe mich gestern ebenfalls über diesen Film und die teils recht irrational handelnden Protagonisten geärgert. Interessanterweise beschäftigt mich der Film weiterhin und so habe ich nach Kritiken gegoogelt, um andere Meinungen einzufangen. Dies ist die erste negative Kritik, auf die ich gestoßen bin, was mich zum einen freut, jedoch denke ich, dass der Kern der Sache nicht unbedingt getroffen wurde. Zunächst möchte ich jedoch noch erwähnen, dass Atmosphäre und schauspielerische Leistung stimmen, lediglich das Drehbuch weist, wie bereits erwähnt, einige Mängel auf.

      Punkt 2 und 3 der hier gestellten Fragen lassen sich recht einfach durch Hörigkeit dem Herren gegenüber erklären. Jedoch ist genau diese Hörigkeit Tinas anhand der dargestellten Handlung unerklärlich. Mir scheint, hier fehlen essentielle Schlüsselmomente, die nicht aus dem Buch übernommen werden konnten. Ohne die Entwicklung Tinas nachvollziehen zu können, kann man sich jedoch nur über ihre Handlungen wundern. Der Film wird unglaubwürdig.

      Zu den Kritikpunkten 4 und 5 muss ich wohl gar nichts sagen, diese aufzuzählen hätte man sich auch sparen können. -.-

    2. monalisa50ff Says:

      Die oben gestellten Fragen zum film sind interssant. Die Mütter hätten mehr Inhalt haben müssen. Immerhin waren sie da. Die scheinbare Interessenlosigkeit der Mutter Yogis an ihrem Sohn sollte sicher etwas ausdrücken. Es war vielleicht so gemeint, dass der Sohn bei so einer Mutter gar nicht anders handeln kann. Die Andeutung war aber zu flach, als dass man sie hätte deuten können. Die Mutter von Tina war mit ihrer Liebe beschäftigt. Als sie ihren Freund verließ und zurückkehrte, hatten die Kinder für sie kein Ohr und kaum Worte übrig. Sie hatten sich verselbständigt, weil die Mutter zu lange außer Haus war? Also , eine alleinerziehende Mutter, die sich vorübergehend in den Lehrer ihrer Tochter verliebt und Zeit für sich braucht, muss nicht der Grund für die Tendenz zu sklavischen Abhängigkeiten im Verhalten ihrer Kinder sein. Meist ist die Erziehung aber der Grund für Verhaltensauffäligkeiten, Gewalt, Missachtung anderer u.s.w.


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