Acme.PI-Talk – das Magazin (8. November 2008)

Guten Abend und Herzlich Willkommen zu heutigen Sendung.

Zwei Schwarze/Dunkelhäutige beherrschen jetzt die Welt (Obama die politische, Hamilton die der Formel 1), in Deutschland ist der Besitz von Nacktfotos der eigenen Freundin verboten, wenn diese noch nicht Mature = erwachsen = faltig aussehend ist und in Hessen werden jetzt die Weichen für Rot-Rot-Grün unter der Führung der Linkspartei gestellt.

Doch erstmal zum ersten Thema. Die Vorzeichen für den Erfolg des demokratischen Kandidaten stellte bereits zwei Tage vorher die Formel 1: Wahrlich in letzter Sekunde gewann Lewis Hamilton als erster Schwarzer und derzeit Jüngster die Weltmeisterschaftstrophäe der FIA. Die in vieler Hinsicht dominierenden Ferraristi verloren so, obwohl sie in den letzten Rennen nichts falsch gemacht hatten, einen der anvisierten Titel.

Und ähnliches Bild auch in den USA: Die Republikaner hatten sich in den letzten Tagen zurückgehalten, die persönlichen Angriffe auf Obama blieben auf einem schmutzigen, sackten aber nicht auf ein völlig verdrecktes Niveau ab, und Obama ließ sich durch nichts beirren und fuhr seinen Weg. Nur dass er nicht mehr einen Österreicher überholen musste, um das wichtigste Präsidentschaftsamt der Welt zu erreichen. So gewann er souverän sowohl in allen vorher den Demokraten zugeschlagenen Staaten, in Virginia, Indiana, North Caroline und sogar, was vorher keiner genau wetten konnte, in Florida.

Doch bei seiner Wahlkampfrede überwogen dann bei vielen, auch US-Amerikanern, zwei Gefühle: Erstens die Frage, ob sie jetzt einem live-Hollywood-Happyend zuschauen, nachdem CNN nur noch Credits sendet und abschaltet, und zweitens die Angst, Obama könnte das Schicksal der beiden Kennedy-Brüder, Lincolns und Martin Luther Kings erleiden, sprich seinen Einsatz für die schwarze Bevölkerung der USA mit seinem Leben bezahlen.

Da fragt man sich schon: Wieso geht eine Wahl in Deutschland nicht auch so? Weil das Feuilleton jeglichen massentauglichen Politiker zerreißt? Weil Politiker hier Angst haben, mit offenen Karten zu spielen? Weil Politiker alle aus einer Schicht der Gesellschaft kommen? Weil ihre Spin-Doktoren sie zu sehr auf bestimmte Stereotypen fixieren?

Ich denke, das Problem ist nicht nur das obige, sondern vor allem das Problem, dass wir kaum Politiker-Ausnahmeerscheinungen, wie sie Obama darstellt, besitzen. Willy Brandt war so einer, Helmut Schmidt, wenn auch in den 80ern kritisiert, ist so einer, auf eine gewisse Art ist es auch Oskar Lafontaine und war es auch Edmund Stoiber (der übrigens humorvoller mit seiner öffentlichen Figur, vor allem was seine Faux-Pas angeht, umging wie manch anderer Politiker). Doch was haben wir jetzt? Generalsekrätere, die Angst haben, ihre oder andere Parteien offensiv zu bearbeiten. Wenn Profalla oder Heil ans Rednerpult kommen, weiss jeder: Jetzt kommt etwas Wind, ein wenig Polemik, etwas Inhaltslosigkeit und dann noch Lobgehudel für den jeweiligen Chef und die eigene Partei.

Unsere Politiker trauen sich nicht mehr, ihre Gegner richtig anzugehen, sie trauen sich aber genausowenig, sich konstruktiv mit ihnen auseinanderzusetzen und mal den jeweiligen Gegner zu unterstützen. Als auf einer McCain-Veranstaltung ein Zuhörer: „Kill the terrorist“ schrie, verteidigte der Republikaner seinen demokratischen Gegenkandidaten und stellte klar, dass er solche Dinge niemals geduldet hat und niemals dulden wird. Dass jemand den politischen Gegner unterstützt, habe ich in Deutschland in den letzten Jahren nie erlebt, der Gegner ist immer böse und schlecht und dumm und was sonst noch alles. Man muss als CDU nicht mehr draufhauen, wenn die SPD Hessen sich zerstreitet, die mediale Wirkung des Desasters reicht völlig.


Die mediale Wirkung der Nominierung des neuen SPD-Hessen-Kandidaten zum Ministerpräsidenten hat die Partei anscheinend auch falsch eingeschätzt. Anders lässt es sich nicht erklären, dass ein sogar den Medien völlig unbekannter Mensch namens Thorsten Schäfer-Gümbel nominiert wurde. Dieser ist nicht etwa die oft gescholtene „zweite Garde“, sondern eher doch „dritte Garde“: Stellv. Chef der SPD-Hessen Süd und eigentlich außerhalb von Gießen nur in einigen Ausschüssen und einmal in Abu Dhabi gewesen.

Und der tritt nun gehen Roland Koch an. Roland Koch, der trotz grenzdebiler Äußerungen zu Ausländer- und Jugendkriminalität von ein paar Hessen mehr wie Andrea Ypsilanti gewählt wurde. Der 9 Monate Minderheitsregierung überlebt und daraus auch noch gestärkt hervorgegangen ist. Der derzeit keine Angst haben muss, dass die Neuwahl ihn gefährden wird.

Zumindest nicht, solange er nicht große Fehler macht. Ein Wahlkampf wie Anfang diesen Jahres wäre beispielsweise keine gute Parteiwerbung, die CDU Hessen in einen rechtslastigen Bereich bringen wird ihr keine neuen Stimmen bringen. Und vor allem viele Wähler zur Linkspartei überlaufen lassen.

Die könnte aus den derzeitigen Kapriolen auch die größte Gewinnerin werden: Die SPD hat sich mit ihrer Umfallerpolitik (zuerst die Metzger, jetzt drei weitere Abgeordnete) für viele Wähler selbst disqualifiziert, ihr Kandidat, beschrieben als „hochintelligent, arbeits- und strebsam“, ist in Wirklichkeit vor allem unscheinbar und wenig charismatisch, die Grünen stagnieren und die F.D.P. ist in Hessen kaum hervorgetreten. Und so wird wohl der, der dem Roland nicht seine Stimme geben will, vor allem der Linkspartei zugeneigt sein. Und so am Ende nicht nur eine Tolerierung, sondern eine richtige Koalition der beiden linksgerichteten Parteien notwendig machen. Ob diese dann lange bestehen würde, steht aber derzeit in den Sternen.


Kommen wir nun zu einem anderen Thema: Haben Sie eine Freundin, die noch Teenie oder in den Zwanzigern ist? Und freuen Sie sich darüber, dass sie noch jung aussieht? Sind Sie vielleicht sogar stolz drauf, dass sie manchmal noch gefragt wird, ob sie denn schon 18 ist? Und hat dieses Mädchen vielleicht mal Bilder für sie gemacht, wo sie sich lasziv auf dem Bett gewälzt hat, ohne dass ihr schöner Körper durch viel Kleidung verhüllt wurde? Dann passen Sie bloß auf, wem Sie diese Bilder zeigen.

Denn seit dem 5. November gilt in Deutschland ein Gesetz (der Paragraph 184c), wonach sogenannte „Jugendpornographie“ verboten ist. Jugendpornographie ist zunächst einmal nur eine Ausweitung des bereits seit 1993 geltenden Begriffs der Kinderpornographie auf die Altersgruppe der 14-17jährigen, und die somit diese Pornographie, sei es wenn zwei 17jährige Schüler sich beim Sex filmen oder auch wenn heimlich solche Filme oder Bilder angefertigt werden, nun auch verbietet.

Nun kann man sich natürlich fragen, ob man denn private Filme von Paaren, die offiziell und legal Sex miteinander haben dürfen, verbieten muss (dass 14jährige davor geschützt werden sollen, nicht gegen Geld oder Zwang oder ähnlichem zu solchen Filmen gezwungen werden zu können, finde ich schon richtig), doch noch mehr Fragen wirft das Gesetz dahingehend auf, was denn alles als „Jugendpornographie“ gelten solle.

Man hätte nun ein völlig neues Gesetz entwickeln können, in dem im Unterparagraph 1 dann genau definiert wird, was man nicht darf, in 2, was genau ein Jugendlicher ist, und so weiter. Doch unsere Beamten und Politiker machten es einfacher: Sie kopierten einfach Paragraph 184b (der Paragraph, der das Verbot der Kinderpornographie regelt) in den neuen Paragraphen 184d.

Damit wurden dann nicht nur die Herstellung und der Vertrieb (also die kommerzielle Verwertung), sondern auch gleich noch der Besitz verboten. Und da neuerdings zur Pornographie auch Posen gehören, die den Betrachter womöglich erregen können, fällt somit auch eine sich auf dem Bett rekelnde 17jährige unter die Jugendpornographie. In Zeiten, in denen sich viele Mädchen für ihren Freund mit Handy- oder Webcam fotographieren, natürlich ein sehr problematischer Service für den Bürger seitens der Politik.

Das alles geht ja noch um Jugendliche, sprich Teenies zwischen 14 und 17, und man könnte es im Sinne des Schutzes der Jugend auch tolerieren (wenn man denn einen Unterschied zwischen privat und Kommerz machen würde), doch da der gesammte Paragraph 184b übernommen wurde, wurde auch gleich noch die sogenannte „Scheinminderjährigkeit“ eingeführt. Damit sich nicht irgendein Hersteller einfallen lassen konnte: „Wir lassen einfach mal 18jährige sich als Kinder verkleiden, dann ist das ja kein sexueller Mißbrauch von Kindern, die Person ist ja schon volljährig“, wurde 1993 auch die „Darstellung wirklichkeitsnahen Geschehens“ verboten, sprich auch das Vorspielen, Zeichnen und ähnliche Darstellmethoden von sexuellen Handlungen mit Kindern sind verboten.

Dieser Passus ist schon bei der Kinderpornographie umstritten, und auch kaum anwendbar, da in den meisten Fällen auf Berufung, dass doch jeder sofort erkennen könne, dass die Person kein Kind mehr ist und es nur spielt (sei es, weil sie es sagt, weil ein Ausweis in die Kamera gehalten wurde und ähnliches, oft durch Berufung auf U.S. Code 18/2257, der natürlich selbst nicht in Deutschland gilt, aber einen Anhaltspunkt bietet (sofern die Internetseiten-Betreiber in Amerika angemeldet sind)), durch die Jugendpornographie bekommt er aber eine viel größere Schlagkraft, die auch leicht über das Ziel hinausschießen könnte:

Denn anders als bei der Unterscheidung zwischen Kindern und Jugendlichen (Größe, Entwicklung der sekundären Geschlechtsorgane und vieles mehr (eine 20jährige mit Zöpfen sieht auch mit kleinen Brüsten durch ihre größtenteils abgeschlossene Körperentwicklung nicht wie eine 13jährige aus, allein das Becken verrät sie normal)) ist die Entwicklung vom Jugendlichen zum Erwachsenen fließend. Das liegt an der Natur des Menschen: Die körperliche Jugend endet nicht mit 18, sondern durchschnittlich mit 25, mit großen Ausschlagsmöglichkeiten nach oben und unten. So kann ein Mädchen mit 18 schon aussehen wie eine 30jährige, oder aber auch eine 30jährige wie eine 18jährige. Das kann jeder leicht testen, zeigt einfach euren Kumpels mal ein Pic von euch oder eurer Freundin, und ihr werdet euch wundern, wie weit die Altersangaben schwanken können (meine eigene Freundin würde ich auch für gerade einmal 18 schätzen, würde ich sie auf der Straße sehen, obwohl sie bereits 25 ist).

Doch durch die juristische Festsetzung, dass man ab 18 erwachsen ist (seit 1977), und der Übernahme des „wirklichkeitsnahen“ Geschehens in den Paragraphen 184c wird es nun ein absolutes Glücksspiel, ob man, wenn man z.B. auf einer Teenseite surft, nun „jugendpornographische“ Schriften anschaut oder nicht: Denn wenn eine 18 oder 19jährige Asiatin in Schuluniform Sex mit einem Mann hat, gilt das ab jetzt als Jugendpornographie. Egal, ob nun U.S. Code 18/2257 eingehalten, der Name des Models, das Produktionsdatum, der Ausweis oder Führerschein oder sonst was in die Kamera gehalten wurden. Allein die Vermutung des Staatsanwaltes, dass eine 18jährige in Schuluniform quasi eine 17jährige spielen würde, könnte bei manchen Richtern zur Verurteilung reichen.

Doch was könnte das für Folgen haben? Viele werden jetzt sagen: Das betrifft doch nur die, die auf Videos von jungen Mädchen beim Sex stehen. Und die sind doch eh alle krank.

Mal davon abgesehen, dass weder der männliche Instinkt, auf Mädchen jungen Alters (keine Kinder, die Unterscheidung ist wichtig) zu stehen, da Jugend die Chance auf gesunde Kinder erhöht, noch das Stehen von 18-30jährigen Männern auf gleichaltrige Mädchen annormal sind, so könnte es im Extremfall auch eine drastische Zensur vieler bekannter Filme bedeuten.

Es reichte 2004, dass zwei 12jährige Mädchen in Posen und gespielten Sexszenen gezeigt werden, dass der 1977 gedrehte Film „Spielen wir Liebe“ als Kinderpornographie verboten wurde, trotz mehrerer Gutachten, die der DVD-Vertreiber vor der Veröffentlichung anfertigte, die die Handlungen als eindeutig als Schauspielerei erkennbar klarstellten (in Österreich ist der Film bis heute ab 18 freigegeben, da hier die Gerichte diese Gutachten akzeptiert haben.)

Was wird also 2009 alles verboten werden? Filme wie Kids oder eine Pornoversion von Eiskalte Engel (mit anderen Schauspielern natürlich) konnten sich bisher damit von jeglichem Verbot schützen, dass die Darsteller alle über 18 waren und dieses auch belegt werden konnte. Doch was nun? Werden Filme wie „Crazy“, „Kids“, „Zum ersten Mal Sex“, „Lolita“ (Dominique Swain Version) und ähnlichem jetzt deswegen verboten, weil dort Jugendliche oder sich als jugendlich ausgebende junge Erwachsene nachgestellte Sexszenen gespielt haben?

Liest man den Heise-Kommentar-Bereich zum Artikel über den neuen Paragraphen, würde die Liste der Kinofilme, die unter den Begriff Jugendpornographie fallen, in die hunderte gehen! Darunter bei extremer Auslegung auch Oscar-Gewinner wie „Titanic“, „Dirty Dancing“ oder Klassiker wie Schulmädchenreport.

Diese extreme Auslegung, die in manchen Foren rumgeistert, wurde vielleicht gar nicht bedacht. Wahrscheinlich wollte die Politik nur eine weitere Fassung des Schutzes der Jugendlichen erreichen. Doch ist sie dabei in der Formulierung weit übers Ziel hinausgeschossen.

Da bleibt am Ende nur die Frage: Wozu führt die Bundespolitik einen Gummi-Paragraphen, mit dem sie die illegale Pornographie kaum besser, dafür die legale Pornographie und sogar bisher nicht mal in den Hauch von Pornographie kommende Filme viel einfacher verbieten kann?


Und zum Abschluss unserer Sendung noch die üblichen bösen Worte unseres Chefredakteurs. Natürlich nur satirisch gemeint:

Viele Amerikaner waren ja der Ansicht, dass Barack Hussein Obama ein muslimischer Terrorist sei. Doch wieso so weit greifen, nur um Panik zu machen? Auch Christen können bomben, in Afrika führt ein Schwarzer ein despotisches Regime in Zimbabwe und obendrein ist Obama Anwalt. Und die sind noch gefährlicher als Terroristen, denn sie lernen in ihrer Ausbildung, den Rechtstaat zu unterwandern und auszuhöhlen, ohne jemals eine Bombe zu zünden.

Da bleibt mir nur noch zu sagen: Auch Schäuble ist Jurist 😉

Einen schönen Abend noch, ihr Sascha Sierk

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: