Was tun gegen Tristesse an Autobahn und Schiene?

Jeder, zumindest die meisten Bahn- und Autobahnfahrer kennen es: Kaum kommt man in die Nähe einer Stadt, wird es grau. Aber nicht, weil die Städte so grau wären, sondern weil man nichts mehr sieht außer Lärmschutzwand. Mal aus Holz, mal aus Beton, mal aus Plastik oder Eisen, immer die Sicht versperrend.

Gegen diese Tristesse könnte man sicher vieles machen. Man könnte die Lärmschutzwände abreißen. Nur das wäre sicher die Anwohner stören. Man könnte die Wände durchsichtig machen. Nur das wäre sicher zu teuer. Man könnte die Städte abreißen, dann bräuchte man keine Wände. Nur wo sollte man hin mit den ganzen Obdachlosen 😀

Nein, all das ist sicher keine gute Idee. Da gäbe es eine viel bessere, viel günstigere und obendrein kultur- und jugendpolitisch sicher bahnbrechende Idee:

Wir machen aus den Lärmschutzwänden riesige Leinwände für Sprayer, Pop-Art-Künstler und alle anderen, die sich bildnerisch betätigen möchten (solange sie nicht nur Hakenkreuze auf Wände schmieren.)

Klingt bizarr? Ist es aber eigentlich gar nicht: Jedesmal wenn ich von Taxham nach Hauptbahnhof fahre, denke ich mir: Gott, überall nur diese Lärmschutzmauer, wie ein Tunnel, aber wenigstens ist am Bahnhof Taxham noch etwas Kunst verewigt.

Zugegeben, im Herbst frohe Ostern an alle Writer wünschen, ist etwas merkwürdig. Aber es gibt ja auch zeitlose Kunst, die dort am Gleis 4 dargeboten wird, Tags mit soviel Farbenfreude und Spiel von Form und Figur, dass man an einen Picasso oder Dali erinnert wird.

Wieso schlägt die ÖBB also nicht einfach drei Fliegen mit einer Klappe? Sie macht Eventtage oder auch mal -nächte, an denen eines der Gleise gesperrt wird (derzeit ist dort eh noch alles im Bau, sprich das lässt sich in den normalen Bauplan einfügen) und an dem dann die Sprayer ihre Tags platzieren können. Und für die Zeiten, wo man das nicht im Bahngleis machen will, werden diese Aktionen für die andere, zur Stadt gerichtete Seite gemacht.

So könnte man erstens die mutwillige Zerstörung des schönen Graus dadurch verhindern, dass es gar kein Grau mehr gäbe an der Bahn. Ich will ja keine bösen Vergleiche anstellen, aber die Berliner Mauer war auch deshalb ein Kulturobjekt, weil sich dort Generationen von Künstlern verewigt haben, was leider größtenteils vernichtet wurde.

Zweitens könnte man so den Jugendlichen gute Freizeitmöglichkeiten geben. Wir müssen endlich akzeptieren, dass Sprayen für viele Jugendliche Ausdruck ihres Lebensgefühls ist (also ein künstlerisch schaffendes Tun) und nicht nur das Beschmieren von Wänden (gerade die größeren farbenfroheren Tags kann man nicht als Schmiererei bezeichnen, dessen Erstellung kostet an Farbe zwischen 50 bis 100 Euro (weiss ich aus guter Quelle)).

Und drittens gäbe es endlich nicht mehr diese kilometerlangen farblosen Lärmschutzverhaue, durch die der Autofahrer einschläft und der Bahnfahrer die frühere Romantik einer Bahnfahrt verliert.

Sicher, es sollten nicht sämtliche Wände zur Sprayerfläche werden, gerade wenn die ursprüngliche Farbkomposition mit zum Gesamtkonzept des Architekten gehört. Aber ich denke nicht, dass überhaupt mal ein Architekt zum Design von Lärmschutzwänden eingestellt wurde, von daher fallen diese da wohl heraus 😉

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