Gedanken aus Tornesch

Ein Blog ist nach seiner Definition ein öffentlich gestelltes Nachrichtenboard einzelner Personen, in dem sie über Dinge berichten, die sie persönlich bewegen, seien es aktuelle Nachrichten, eigene Erlebnisse oder ähnliches. Manche Blogs haben dabei abgegrenzte Themenbereiche, meines nicht.

Deswegen hoffe ich, stört es euch nicht, wenn ich in diesem Beitrag ein wenig meine Gedanken schweifen lasse bezüglich meiner selbst.

Und zwar ist es so: Fast jedes Mal, wenn ich in Tornesch bin, schlägt es mir irgendwie aufs Gemüt. Nicht wegen Tornesch, das Kaff die Stadt kann nichts dafür, dass sie abseits liegt (dafür kann nur die Politik etwas, die bis heute nicht in der Lage war, die Anbindung an Hamburg zu verbessern), und in früheren Jahren hat mir das ja auch nichts ausgemacht.

Doch heutzutage lebe ich irgendwie in einem Zwiespalt, und der ist folgender:

  • In Tornesch, wo ich ja herkomme, hatte ich relativ viele (also dafür, dass ich mich oft wie ein Idiot verhalte und dadurch oft anecke) Kontakte, vor allem natürlich zu Jahrgangskollegen und Verwandten. Und irgendwie sehne ich mich manchmal innerlich in diese Zeit zurück. Nur leider gibts die größtenteils nimmer: Meine Jahrgangskollegen sind größtenteils „ausgeflogen“, meine Geschwister auch und sowieso, dadurch dass ich ja in Salzburg wohne, bin ich quasi nur noch ein „Ehemaliger“, sprich nur deshalb interessant, da ich nicht mehr in Tornesch wohne. Außerdem: Hier wohnen möchte ich nicht in Zukunft, ich habe ja bereits in einem früheren Artikel auf myblog mal geschrieben, dass ich lieber in der City wohne, wo ich viel bessere ÖPNV-Verbindungen habe und somit das Gefühl, jederzeit schnell überall schnell hinkommen zu können (ein Grundbedürfnis von mir irgendwie.)
  • Heute war ich in Hamburg, und da ich ja irgendwie das Stadtleben mag, gefällt mir Hamburg. Nur das nützt mir ja gar nichts: In Hamburg studieren ist relativ unmöglich (assiger NC, wie konnte die Sozialdemokratie den nur erfinden (die meisten CDU/CSU-Länder kennen den so gut wie gar nicht), vor allem da man mit SH-Abi in Hamburg eh meist gearscht ist, da Hamburg aufgrund des Föderalismus sein Abitur anders bewerten darf und so die Hamburger Schüler auf dem Papier ein besseres Abi haben denn die SH- oder NDS-ler), als Tornescher fehlen einem 99% der Beziehungen, um in Hamburg beruflich groß rauszukommen. Außerdem
  • lebt in Salzburg ja Melanie, also meine Freundin, die ich auch nicht missen möchte. Nur: Dort habe ich das Gefühl werde ich auch in Zukunft nicht wirklich viele Leute finden, denen ich etwas Vertrauen entgegenbringen könnte, da man als Deutscher von vielen schon nicht als annehmbar akzeptiert wird. Dort Beziehungen knüpfen fällt mir obendrein doppelt schwer, weil ich keiner bin, der so einfach mit jemandem enger befreundet ist, dazu wurde ich viel zu oft in meiner Schulzeit verarscht. Nur gerade während des Studiums wechseln die Leute, die man kennt, sehr oft, Wohnortwechsel, Studentenheimwechsel, Fachwechsel, es gibt kaum Kontinuität, die ich eigentlich auch benötige, um glücklich werden zu können. Und bei einigen von denen, die ich etwas länger kenne, weiss ich bis heute nicht, ob die mich (wie viele Tornescher) nur als verfreakten Idioten sehen oder ob sie doch eine positive Meinung zu mir haben.
  • Irgendwie fühle ich mich dadurch nirgends so richtig wohl: In Tornesch sind zwar viele Wurzeln, doch manche davon sind von Äxten zerschlagen. Hamburg ist zwar die Stadt mit Herz, doch das Mädchen, dass derzeit im Besitz meines Herzens ist, wohnt in Salzburg. Und in Salzburg wiederum überwiegt bei mir das Gefühl, ebenso nicht dazu zu gehören, nicht einmal im Studentenheim, wo andere Deutsche schon dazu gehören.

    Insgeheim phantasier ich mir dann zusammen, dass die Situation am besten wäre, wäre der Raum zwischen Salzburg und Hamburg nicht existent. Also nicht dass ich was gegen die Bayern, die Hessen oder die Niedersachsen hätte, aber es ist doch etwas sehr schweres, wenn die drei Orte, die irgendwie zu einem gehören, aufgrund der Entfernung kaum unter einen Hut zu bringen sind.

    Ich lästere ja manchmal über die oberösterreichischen Studenten, dass die am Wochenende immer zu Mami und Papi und alten Freunden nach Vöcklabruck, Wels oder Bad Goisern fahren, doch ein wenig beneide ich sie auch: Sie haben die Möglichkeit, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Quelle und derzeitigem Flusslauf zu pendeln, wenn ihnen danach ist. Und wenn man es beobachtet, stellt man fest: die Abstände werden automatisch länger, bei den Erstsemestrigen sind es meist nur Wochenabstände, später meist nur noch monatlich. Und sie können durch die geringe Entfernung auch zeitlich viel mehr gestalten: von mehreren Wochen bis einem einzelnen Wochenende geht alles.

    Ich dagegen habe mind. 8 Stunden Zugfahrt vor mir, die viel kosten, wenn ich meine Familie und so besuchen möchte, so dass ich nicht nur mich schon lange vor Antritt der Reise festlegen muss (ein Deutschland- oder Einfach-Raus-Ticket für den ICE gibts leider nicht), nein, ich kann auch nicht flexibel die Anzahl der Tage einstellen, die ich in Hamburg bin, ich bin zwar schon mal für ein Wochenende nach HH geflogen, doch das war eine Ausnahme zum 18. Gebtag meiner Schwester dank eines relativ billigen Flugtickets, wobei mir Fliegen sowieso nicht so behakt, aus ideologischen (ich versuche zumindest etwas grün zu sein) und körperlichen (empfindlicher Gleichgewichtssinn dank einer „leichten“ motorischen Störung 😦 ) Gründen. Aber einfach so entscheiden: So, morgen fahr ich mal für ein paar Stunden nach Hamburg und fahr am Abend wieder zurück, geht leider nicht.

    Um wieder auf den Punkt mit dem Verschwinden von NDS, HESS und BAY zurückzukommen: Wäre Hamburg an der Stelle von München (von Salzburg aus gesehen), wäre dieses kein Problem. Das nur als Erklärung für die oben genannte Phantasie.

    Und die Probleme dieser Situation sind irgendwie folgende:

    a. Ich tu mich nicht nur schwer mit dem Finden von Freunden in Salzburg, nein, irgendwie steh ich mir da auch selbst im Weg. Ich bin einfach kein Typ, der auf irgendwelche anonymen Parties geht, der Alkohol trinkt, weil er „Bock darauf“ hat (ich brauche für mich einen Sinn bei einer Sache, Antworten a la „ich lass mich nur so volllaufen“ sind für mich nicht akzeptabel (ein Grund dafür, dass ich an Dingen wie Zigaretten, Alkohol, World of Warcraft nie Interesse und schon gar nicht eine Sucht drauf hatte, da sie mir nichts brachten, was für mich ein Mehrwert sein könnte (dafür sind z.B. Tage ausgefallenen Internets = fehlender Möglichkeit, mit Bekannten über MSN und ICQ zu chatten schlimm für mich)), ich bin eher mißtrauisch und dadurch zurückhaltend (während ich unter Leuten, die ich kenne, schon manchmal stark überdrehen kann) und ich gehöre zu der Sorte Menschen, die zwar Kompromisse eingehen, aber bestimmte selbstgesetzte „Ideale“ nicht ankratzen möchte (z.B. mich für irgendwas verkaufen (siehe Talk2Move-Beitrag), was mir „falsch“ vorkommt). Auch kann ich es nicht leiden, wenn andere immer versuchen, einen zu verändern, sei es durch Zureden („du, wenn du das machen würdest, dann…“), durch Kleinmachen („du bist ein Idiot, dass du das und das (nicht) machst“) oder durch Manipulieren.

    b. Ich hab irgendwie das Gefühl, als würde, egal was ich mach, mir eh nicht gelingen, später das machen zu können, was ich möchte. Die Chancen, als Deutscher z.B. im journalistischen Bereich tätig zu sein, sind sehr gering, anders als die Deutschen, die gerne das österreichische Know-How annehmen, sind leider nicht wenige Österreicher sehr auf sich bezogen und wollen nur ihresgleichen um sich haben. Und diese innere Angst, dass ich wenn ich mein Studium fertig habe nur die Wahl habe zwischen „keine Chance in Salzburg“ oder „keine Freundin mehr irgendwo anders“ (da Melanie auch ihre Familie nicht verlassen möchte, was ich auch verstehen kann, ihr würde ein Wegzug aus Salzburg eigentlich nichts bringen) kommt mir manchmal, wenn ich selbst reflektiere, als einer der Gründe vor, wieso ich mich so schwer tue beim Bewerbungen für Praktika schreiben (da ist es aber auch noch die Angst vor Ablehnungen, die mich hemmt), oder meine Seminare mit der dafür nötigen Arbeit abzuschließen. Denn nach dem Studium wüsste ich wie nach dem Abitur, zumindest aus der heutigen Perspektive, nicht, was kommt…

    Nun werden einige sagen: Du musst ja auch während des Studiums bereits dich „bekannt“ machen, nur dafür fehlen mir zum einen Beziehungen (ich bin nunmal keiner, der in Salzburg aufgewachsen ist, während viele andere Studenten irgendwen kennen, der wiederum einen kennt usw.), zum anderen ist es aber ja nicht so, dass ich nichts mache. Acme.Tour 107,5 und die Beiträge bei WA-TV, nicht zu vergessen dieses Blog, möchte ich da mal erwähnen. Doch da frage ich mich oft: Mach ich das überhaupt richtig? Ich kriege im Blog kaum Kommentare, bei Acm.Tour heisst es irgendwie nur (umschrieben) „passt schon“, und Arne hat mir bisher nie seine persönliche Einschätzung zu irgendwas gesagt, was ich mache (Arne hat ja dieses WA-TV-Special „verbrochen“). Da kriege ich dann immer das Gefühl, als wäre es zwar fürs Kabarett oder als Comedy recht lustig, aber irgendwie nicht, wenn es darum geht, mich irgendwie weiter zu bringen (obwohl ich ja eigentlich das versuche). Ich bin doch nicht Tim Allen (zumindest will ich es nicht wirklich sein). Und leider habe ich in der Schule nie in der Theater-AG mitgemacht, weswegen ich das Gefühl habe, für „seriöses“ Kabarett nicht wirklich die Erfahrung zu haben 😦

    Das alles irgendwie sorgt dann immer dafür, dass ich es hasse, mich von Situationen, Leuten oder Orten zu verabschieden, die mir ein Gefühl der Geborgenheit bzw. des „hier kann ich mal mich etwas öffnen und kann mein mißtrauen ablegen“ geben, selbst wenn es nur für einige Monate oder Wochen sind. Sogar bei diesem Spiel D-A war ich noch recht spät auf dem Residenzplatz (also im Vergleich zu 90% der anderen Zuschauer), einfach um noch von dieser Situation, diesem Gefühl (in dem Fall das sehr interessante Gefühl, bei etwas schon (zumindest für Österreich) bewegendem dabei zu sein) kosten zu können. Manchmal bin ich da nahe des Heulens, wenn die Erkenntnis kommt, dass diese Situation (z.b. das Treffen mit Leuten, mit denen ich mich gut verstehe, die ich aber nicht so oft sehe (seien es Eltern, Jahrgangskameraden oder Freunde)), manchmal bin ich dadurch zu „anhänglich“ oder aufdrängend und nerve dadurch die anderen, und oftmals, was auch ein Problem ist, lasse ich deswegen vieles gar nicht erst so nahe an mich heran, was dann wiederum negativ gesehen wird.

    Naja, ich glaube, hier belasse ich es erstmal, oder? Könnt ja schreiben, ob ich weiterschreiben soll oder nicht… wenn, dann aber ehrlich…

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