Morgens früh im BR-Fernsehen

Viele denken ja, dass die unterste Latte deutscher Fernsehunterhaltung durch RTL2, 9Live und das DSF bereits voll abgedeckt sei.

Doch auch die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten sind sich ihres Programmauftrages, eine Grundversorgung herzustellen, weiterhin bewusst und versorgen so auch die Deppen der Nation am frühen Morgen mit allerlei Absurditäten.

Als Beispiel kann man hier sehr deutlich das Vormittagsprogramm des BR nennen, die meist den Vogel gleich zweimal abschie0en, damit es auch jeder Hintertupfinger merkt, dass er durch das Schauen dieses Programmes wertvolle Minuten seines Lebens vergeudet hat.

Meist beginnt das Morgenprogramm mit uralten Volkshochschul-Fernlehrgängen für Schmalspur-BWL, Mini-Englisch oder Steinzeit-Mathematik. Was sich die Produzenten zum Produktionszeitpunkt gedacht haben, farblose Präsentatoren, z.T. gekleidet in Flisspullies der Marke Bucks Fizz oder mit Rauschebärten vom Typ Alm-Öhi versehen, den langweiligen Lehrstoff auf Hauptschulniveau präsentieren zu lassen, unter Verwendung von scheinbaren Laienschauspielern, nichtssagenden Professoren, die den Unterschied zwischen Fernsehen und Rentnerlesung nicht verstanden haben, oder Computern aus den 80er Jahren, dessen „Rechenleistung“ dann anscheinend in Echtzeit abgefilmt wurde, wird wohl ewig ein Rätsel bleiben. Worin der pädagogische Wert dieser Frühmorgens-Einschläferei besteht, wohl auch. Und wieso das BR seit 20 Jahren dieselben schlechten Tele-Kolleg-Sendungen präsentiert, wohl ebenfalls.

Doch hat man den alltäglichen Wahnsinn der Algebra I, von „English by Television“ (der Erfinder dieses Titels sollte einen Sonderpreis für Unkreativität erhalten) oder der BWL-Sendung im Rahmen einer Informatik-Reihe (was das eine mit dem anderen zu tun hat, ist mir nie klar geworden) überlebt, wird es nicht besser: Dann kommen Kindersendungen aus den 80er und 90er Jahren, die wahrscheinlich nur deshalb beim BR kommen, weil sie beim KIKA auf der Blacklist stehen.

Seien es Sendungen aus Anfang der 80er Jahre, wo Frauen mit eindeutigem Sprachfehler und zuviel pädagogischer Ausbildung (was sich in der Satzstruktur auswirkt) Kindern erklären sollen, was eine Mühle ist (und dabei nicht etwa eine moderne Großmühle zeigen, sondern die letzten Überreste des Mittelalters hochjubeln), oder aus den 90er Jahren, wo Schauspielerinnen in den späten 20er Jahren (Altersmäßig) sich als Teenager verkleiden und für Grundschulkindern durch das inhaltslose Nennen von Kleidungsstücken diese zu erklären versuchen (fleißig unterstützt durch die obligatorischen Tiere, Kinder und schlechten, aber angeblich pädagogisch wertvollen selbstkomponierten Kinderlieder, die in Deutschland zu jeder Babysendung dazugehören). Bei der Sendung aus den 90er Jahren dachte ich nur: Kein Wunder, dass das Kinderfernsehen bei den Öffentlich-Rechtlichen vor die Hunde gegangen ist.

Überhaupt fällt bei all diesen Sendungen auf, dass der Kleidungsstil der Protagonisten nicht mit dem Produktionsdatum zusammenpasst. Flies-Pullies in den späten, Rauschebart in den frühen 90ern, Schauspielerinnen in knallbunt in den 90ern oder Ulrike-Meinhof-Frisur in den 80ern. Wobei: Die Produktionsqualität der Sendungen war ja wie zum Teil beschrieben auch 10-20 Jahre hinter der anderer Sendungen hinterher. Billige Kulissen für Laienschauspieler (English by Television) in einem Studio mit getuschtem Hintergrund in den 90ern, Kamerafahrt, Präsentationsstil und vor allem „Animationen“ von einer Qualität, gegen die sogar Biene Maja noch einen Preis gewinnt (bei einem „Trickfilm“ wurde sogar den Weizenkörnern kleine Gesichter aufgemahlt, ich hoffte echt auf die zu Tode erstarrten Gesichter im Moment des Zermahlens), in den 80er Jahren.

Doch wer da immer noch nicht genug hat, der kriegt danach die volle Dröhnung: Tele-Gym. Fernsehgymnastik für Rentner und Leute, die glauben, das Fernsehen würde bilden. Wahlweise am See oder im Wald aufgenommen. Wie realitätsnah gegenüber dem „Trainingsraum“ der vor dem Bildschirm Mitturnenden. Und vor allem, wie interessant. Da schaltet man freiwillig zum Morgenmagazin, selbst wenn man den Bericht, der gerade läuft, schon bei Report Mainz, Frontal 21, PlusMinus und in den Tagesthemen gesehen hat.

Liebes BR, wieso spielt ihr nach 3-4 Stunden Space-Night nicht etwas, was danach passen würde? Z.B. Die schönsten Bahnstrecken der Welt? Oder den berühmten brennenden Kamin? Die Fische suchen auch ein neues Zuhause. Oder wieso nicht etwas ganz innovatives: 3 Stunden Videotext. 3sat macht damit ja anscheinend auch Quote, sonst würde es das nicht bis heute geben 😉

Nenene, manchmal wünscht man sich echt das vormittägliche Testbild (ja, ich kenne es noch) zurück. Da wusste man wenigstens, dass das, was auf dem Bildschirm zu sehen ist, inhaltslos ist und nur Platzhalter-Charakter hat. Wobei: Die meist angezeigte Uhr beinhaltete sicher mehr Unterhaltung als die heute gezeigten Sendungen.

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2 Antworten to “Morgens früh im BR-Fernsehen”

  1. Der Monat Juli: Neues auf dem Blog « Sinnvolles und -loses für die Welt Says:

    […] Morgens früh im BR-Fernsehen: 11 Views Sendung vom Juli – Und etwas zum Thema: “Preiserhöhung”: 11 Views […]

  2. Ursel Gruber Says:

    Betr:
    Billige Kullisse für zweisprachigen Alm-Öhi mit Rauschebart und Fliespulli unter Anzugsjoppe aus den 80ern
    = Uralt-Sendung am frühen Morgen

    Guten Morgen,
    mir geht es um die Wiederholungen am dunklen Wertagmorgen um ca. 6:00, und zwar um die Learning-English-Sendung –

    UND DIE IST INHALTLICH EINFACH KLASSE,
    ABSOLUT SPITZENMÄSSIG …!

    Ein jeweils kleiner Teil der Grammatik wird pro Sendung in einleuchtende Beispiele verpackt, die gut erläutert werden und die man sich SEHR GUT merken kann.

    Ja, so ist’s dann auch wieder …

    Gruß, Gruber


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