Georg Pichler – oder: Der heutige Umgang mit kritischen Geistern

Einige werden es sicher schon auf seiner Seite rigardi.org gelesen haben, andere womöglich im Standard Online: Mein Studentenheimkollege Georg Pichler, seines Zeichens Betreiber des eben erwähnten rigardi.org, soll nach Ansicht der WIST zum 30. August 2008 das Heim verlassen, weil er, so die WIST, mehrmaligen Aufforderungen zum Entfernen des „Kühlschranks“ (einer Kühlbox mit 16 W Strom) nicht nachgekommen sei.

Dass es keine wirklichen Regeln gegen den Besitz von Kühlschränken im Zimmer gibt, dass die Kündigung gegen das hiesige Studentenheimgesetz ist und dass er beim Ministerium für Wissenschaft und Forschung eine Beschwerde eingereicht hat, steht ja alles in seinem Blog, ebenso wie seine Vermutung, der Rauswurf könnte eine Retourkutsche gegen seine Petition zur Abwendung der allumfassenden, weil nicht näher definierten Onlineüberwachung der WIST sein.

Wenn wir nun also mal annehmen, dass die WIST echt, sozialdemokratisch wie sie nunmal ist (beste Beispiele für die Methoden der heutigen Sozialdemokratie sind derzeit in Wien zu beobachten), den Herrn Pichler nicht etwa wegen des Kühlschranks herauskegeln will (was man schon dadurch annehmen kann, dass in früheren Jahren solche Kühlschränke zumeist „übersehen“ wurden und Besitzer dieser Kühlschränke, selbst wenn bekannt, immer ihre Verlängerungen bekommen haben), sondern aufgrund der Tatsache, dass er sich nicht alles hat gefallen lassen, ist das wieder mal ein gutes Beispiel dafür, wie Kritik, eigenes Denken und Meinungsfreiheit heute „geschätzt“ wird.

Nämlich gar nicht, solange sie nicht der Meinung der Kritisierten entspricht. Sei es der Herr Niggemeier und Herr „Mork vom Ork“, die von Callactive mehrfach verklagt wurden, da sie kritisch über CallIn-Sendungen berichtet haben, seien es die Kritiker in der SPÖ, denen derzeit ein harscher Wind aus der Parteizentrale, sprich von Faymann entgegenweht, seien es die Kritiker von G8, die möglichst weit abgeschirmt werden sollen von den großen Politikern, damit diese nicht womöglich ins Grübeln kommen, wenn ein kleiner Demonstrant „The war in Iraq is crime“ ruft.

Politiker wie Schäuble und bis vor kurzem Platter wollen ihre Ansichten von Grundsicherheit (andere nennen es Totalüberwachung) gegen alle Widerstände, Gegenargumente, Rechtsgrundsätze und Grundrechte durchsetzen (und verschenken dabei wertvolles „Humankapital“ wie die Familie von Arigona, dessen Jugendliche dank guter österreichischer Ausbildung und Lernwilligkeit der österreichischen Wirtschaft sicher helfen würden (statt dessen lässt man die Kinder im Kosovo ohne Schule, geregelter Arbeit oder Eltern vergammeln, die Menschenrechtskonvention der EU ist für Platter anscheinend nur eine Formalie)), die SPÖ hört nicht auf ihre Kritiker, dass es ihr in der Wahl nützen könnte, allfällige Entscheidungen wie die Abschaffung der Studiengebühren gegen den Willen der ÖVP jetzt nach Koalitionsbruch durchzusetzen, sondern geht schnurstracks weiter auf den Abgrund zu, und Georg? Naja, soviel ich zuletzt erfahren habe, wartet er noch auf eine Nachricht von WIST oder Wissenschaftsministerium.

Allerdings muss ich sagen, sollte Georg noch eines mehr machen: Nerven. Die WIST wöchentlich anrufen sollte ein Anfang sein, und auch das Wissenschaftsministerium wird sich Zeit lassen, und womöglich zuviel Zeit, wenn kein Druck kommt. Sprich: Etwas mehr Druck als nur eine Petition zum Verbleib von Georg im Heim sollte schon her. Wir wollen doch schließlich alle, dass er nächstes Semester noch weitere Petitionen gegen die WIST schreiben kann 😉

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