Das österreichische Problem

Die heutigen Spiele haben es zumindest faktisch gezeigt: Deutschland gewinnt 2:0 gegen Polen, Österreich verliert 0:1 gegen Kroatien.

Als Deutscher darf man sich nun in Österreich wieder einmal anhören, wie beschissen man ist, dass man nur mit Glück gewinnen würde, dass es alles ungerecht wäre usw.

Die Frage ist natürlich: Wieso ist Österreich so schlecht? So schlechte Spieler? So schlechte Trainer? Alles schlecht?

Betrachten wir einmal den Spielverlauf: Kroatien schießt durch Elfmeter in der 3. Minute das 0:1 und hält dieses 90 Minuten lang gegen eine österreichische Mannschaft, die vor allem in der zweiten Halbzeit versucht, das Blatt noch zu ändern, aber jedesmal kläglich vor dem Tor scheitert.

Und dann das andere Spiel: Zuerst ein Anstürmen Deutschlands auf das polnische Tor, zig Chancen, am Ende ein Tor nach einem Freistoss (Standardsituation), dann einmauern, als die Polen gerade anstürmen in der 2. Halbzeit ein Glückstor und wieder einmauern.

Österreich hat also wirklich gearbeitet, gekämpft, hatten Pech am Anfang und im Abschluss, aber sind echt die aggressivere Mannschaft gewesen. Deutschland versuchte schnell, alles klar zu machen, und nach erfolgreichem Versuch war nix mehr. Das Spiel war wirklich nur Mittelmaß, da gab es z.B. in der WM 2006 unter Klinsmann viel schönere Siege.

Doch was hört man in österreichischen Interviews? Der ÖFB-Chef spricht davon, „wir hätten uns ja ein Unentschieden erhofft“, Kommentator und die meisten Interviewpartner quält die Frage, wie man gegen Polen und Deutschland ankommen solle, die Interviewer erwähnen echt, dass man keine Punkte bekommen hat, alle, vom ORF bis hin zu Spielern schwelgen in Selbstmitleid.

Was machen die Deutschen? Das typische: Der Sieg war nicht schön, schlechte Chancenverwertung, einige böse Schnitzer, aber erwähnt das irgendwer? NEIN. Egal wie beschissen wir spielen, wir spielen weiter. Nach dem Halbfinale 2006 haben wir 3 Stunden gejammert, und dann skandiert: „Stuttgart. Wir holen den 3. Platz.“ Und heute wird trotz aller schlechter Spielweise im Deutschen Fernsehen nur das positive herausgestellt.

Die Österreicher hier meinten: „Diese deutsche Überheblichkeit nervt“… aber vielleicht ist es diese Vorwärtsdenken, dieses positive thinking, dass Mannschaften wie Italien, Frankreich oder Deutschland immer wieder nach vorne stürmen lässt, egal wie beschissen die Mannschaft, wie schlecht die Chancen, wie traurig die Vergangenheit war.

Also: Nicht mehr sagen: „Wir schaffen es eh nicht gehen Polen oder Österreich.“ Sondern: „Scheiss auf Kroatien, das war ein Testspiel, jetzt gehts richtig los.“ Und wenn nicht? „Dann hauen wir Färöer und Co. in die Pfanne und fahren zur WM!“ So denkt man. Nicht: „Wir können eh nicht gewinnen, also wozu bemühen, egal ob EM, WM oder Eurovision Song Contest.“ (Deutschland schickt auch viel Scheisse hin und wird letzter und macht dennoch weiter.)

Und es gäbe doch vieles positive: Die Österreichische Mannschaft ist nicht eingebrochen wie gegen die Niederlande, sie hat vor ein paar Tagen gegen Nigeria gewonnen, und Österreich ist nur auf Platz 3 und braucht nur ein Unentschieden und einen Sieg und sie sind weiter. Denn Polen hat ein Negativtor mehr 😉

Also, meine Aufforderung für Spieltag 2: Hört auf mit eurem Selbstmitleid. Solange man dabei ist, kämpft man! (Man muss es ja nicht übertreiben wie das ZDF mit dem Selbstlob 😉 )

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