Welcher Fehlerteufel reitet eigentlich die ARD?

Da schaut man mal abends zwei Sendungen der ARD, einmal Titel, Thesen, Temperamente, dann „Bericht vom F.D.P.-Parteitag“, und dann sowas:

Zuerst beweisst der Sprecher (oder der, der ihm den Text geschrieben hat), das er keine Ahnung von Geographie hat: Senquang (schreibt man die Stadt so), also die Gegend, in der vor 2 Wochen ein schreckliches Erdbeben stattfand, liegt dessen Meinung anscheinend im Pazifik zwischen Japan und Hawaii. Anders ist der Satz: „Die heftigen Erdstöße des Erdbebens wurden noch im 1500 Kilometer westliche gelegenem Peking gespürt“. Im Jahr von Olympia in Peking sollte man schon wissen, wo es in China liegt, auch als Kulturredakteur.

Im Bericht vom F.D.P.-Parteitag wurde die Partei als „Steuersenkungspartei“ gelobt. Weil sie die Einkommenssteuer senken will. Was interessant wäre, aber von der ARD verschwiegen wurde: Bei den F.D.P.-Plänen würden Familien draufzahlen: Anscheinend, zumindest wenn ich den Bericht richtig verstanden habe, will die Partei wie Merz vor einigen Jahren den Bierzettel einführen, sprich 15% bis 25.000, 25% bis 50.000 und darüber 35% Einkommenssteuer. Und die Steuergeschenke werden durch Streichung von Freibeträgen finanziert.

Und am Ende wird zwar der Grundfreibetrag von 7600 auf 8000 Euro erhöht, aber wahrscheinlich am Kinderfreibetrag gespart. Wodurch Familien dann mehr Steuern zahlen dürfen. Während reiche Singles weniger zahlen. Das ist Gerechtigkeit a lá F.D.P. und wieso vergisst die F.D.P. das?

Und dann noch ein schöner Fehler: Die ARD und dort ein bayrischer Politikredakteur (immerhin fand der Parteitag in München statt) redet von einer schwarz-gelben Koalitionsmöglichkeit in Bayern. Wie kann einer Politikredakteur in Bayern sein, ohne die Parteifarben der CSU zu kennen? Wenn es zu einer F.D.P.-CSU-Koalition kommen würde, wäre es eine blauweiss-gelbe Koalition, keine schwarz-gelbe!

Gott, können die nicht mal mehr fehlerfrei Berichte schreiben? Ich kann solche Fehler auch nicht in einem Referat für die Uni machen!

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5 Antworten to “Welcher Fehlerteufel reitet eigentlich die ARD?”

  1. Gast Says:

    Lieber Kollege,

    Ihre Hinweise auf die Steuersenkungspläne der FDP sind leider lückenhaft. Das Steuerkonzept der Liberalen sieht PRO PERSON einen Grundfreibetrag von 8.000 Euro vor (d.h. für Verheiratete 16.000 Euro). Kinder erhalten DENSELBEN Grundfreibetrag von 8.000 Euro. Mit den steuerfreien Rentenrücklagen würde eine Familie mit zwei Kindern einen jährlichen Freibetrag von über 40.000 Euro erhalten, also keineswegs eine Streichung des Kinderfreibetrags! Familien sind also in diesem Modell klar bevorzugt und nicht von Ihnen beschrieben benachteiligt! Das IST gerecht und wurde keineswegs vergessen!

    Die Einkommensteuer soll mit den drei Stufen von 10 % (also nicht 15 %) von 8.000 bis 20.000 Euro, 25 % von 20.001 bis 50.000 Euro und 35 % über 50.000 Euro – für alle niedriger werden!

    Ich hoffe, ich konnte ein bisschen zur Aufklärung des Steuermodells beitragen!

    MfG

  2. saschap Says:

    Gut, danke. Die Finanzierbarkeit ist in dem Fall natürlich die Frage, aber keiner verlangt von der F.D.P. ein wirklich realistisches Finanzierungsmodell (immerhin würden sämtliche Pläne durch das CDU/CSU oder auch CDU/CSU/Grün oder auch SPD/Grün Filterungssystem gehen, und es geht ja vor allem um die Profilierung im Wahlkampf.)

    Inwiefern „Kollege“ eigentlich?

    Mfg Sascha

  3. Gast Says:

    Hi Sascha,

    Kollege dachte ich jetzt wegen dem geteilten Interesse an dem Steuerkonzept 😉

    Es ist übrigens ganz streng und korrekt durchgerechnet und wäre, würde es in die Tat umgesetzt, vollständig finanzierbar. Dr. Hermann-Otto Solms hat es sich nicht leicht gemacht!

    Am Ende und da bin ich derselben Meinung, wird es einen Kompromiss geben müssen, aber es führt kein Weg daran vorbei: Die FDP hat gesagt, dass sie einen Koalitionsvertrag nur unterschreibt, wenn darin ein einfacheres, niedrigeres und gerechteres Steuerkonzept festgehalten ist!

    MfG

  4. saschap Says:

    Hey,

    Streng durchgerechnet sind die meisten Steuerkonzepte, das Problem ist nur: Die finanzielle Entwicklung eines Staates ist so wankelmütig, so abhängig von vielen externen Faktoren, dass oft es irgendwie nicht hinhaut. Da fehlen dann mal 100 Mill. Euro, oder man bekommt mehr Einnahmen und weiss nicht, wohin mit dem Geld (Die einfachste Lösung, sie gegen die Neuverschuldung einzusetzen und in den Schuldendienst, was Peter Zwegat jedem empfehlen würde, ist für Politiker anscheinend die unlogischte (man macht Steuergeschenke, wenn es dem Staat gut geht, nicht wenn er noch nicht stabilisiert ist)). Ich erinnere nur an Hartz IV, das war ja angeblich auch gaaanz korrekt durchgerechnet, und am Ende hatte man Mrd. Euro Minus, weil sich plötzlich Leute trauten, ihren Anspruch auf Hartz IV wahrzunehmen, die vorher sich geschämt haben, Sozialhilfe zu beantragen.

    Ich hoffe mal, die F.D.P. stellt sich nächstes mal nicht wieder genauso stur hin wie 2005, von wegen: „nein, mit den Grünen spielen wir nicht.“ Wer an die Macht will, oder an der Macht bleiben will, muss auch mal ungewollte Partner akzeptieren, die Große Koalition war ja auch kein Wunschkind, genauso wenig wie es in den 1980ern Rot-grün war. Wer die Linkspartei verhindern möchte (was die F.D.P. ja nach eigenem Bekunden vorhat), darf sich nicht auf einen Partner versteifen. (Dass Grün und Gelb oft gut zusammenarbeiten können, da es beides liberale bürgerliche Parteien sind (zumindest die Realo-Fraktionen), hab ich in der Kommunalpolitik schon selbst erlebt. Soooo groß wie behauptet sind die Gegensätze zwischen Grün und Geld nicht.)

    Nur für die anderen Leser zur Info: Der Gast ist F.D.P. Mitglied, und mir zumindest anhand von Recherchen mittlerweile bekannt (anhand seiner Emailadresse). Das wollte ich nur einmal für Außenstehende erwähnen, man muss sich natürlich nicht namentlich outen, aber es ist in einem politischen Diskurs wie hier immer von Vorteil, zu wissen, wer wer ist. (An den Gast: Du solltest allerdings deinem Admin mal sagen, dass er den Rechtschreibfehler bei deinem Steckbrief auf eurer Homepage herausmachen sollte, ihr habt ein I vergessen 😉 )

    mfg Sascha


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