Der Land-Obus. Die Gegner. Meine Meinung

In der heutigen SN gab es in en Leserbriefen gleich eine ganze Seite Leserbriefe zur neuen Idee des Obusses nach Eugendorf.

Wie bereits geschrieben, sind ja der Stadtbus-Chef und der Bürgermeister von Hallwang dafür, der Bürgermeister von Eugendorf und der Chef der Marazeck-Busbetriebe Helmut Marazeck dagegen.

Und genau dieser hat nun einen Leserbrief geschrieben, und das mit den üblichen Lügen und Fehlinformationen, die die Betreiber von Autobuslinien gerne nennen, wenn es um den Oberleitungsbus geht. Ich zitiere:

Ein weiterer Ausbau des Obusnetzes in Salzburg ist ein Schritt in die absolut falsche Richtung, weil: Die Technik des Obus ist alt.

Sagt einer, der mit Autobussen fahren lässt, die teilweise 5 Jahre älter sind (und das nicht nur von der Technik her) als die ältesten Obusse. Und die vergleicht er mit der neuesten Generation von Obussen von Mitte dieses Jahrzehnts.

Ein Obus „neu“ kostet 700.000 Euro, ein vergleichbarer Autobus nicht einmal die Hälfte, hat aber modernsten technischen Standard, z. B. Klimaanlage – in den z.Z. vorhandenen „neuen Obussen“ ist/war diese nicht machbar.

Blöd nur: sämtliche „modernen Standards entsprechende“ Autobusse des heutigen ALBusses stammen aus den Beständen des Stadtbus von vor 2005, davor ließ Marazeck zumeist uralte Autobusse nach Taxham oder Fürstenbrunn fahren. Obendrein besitzen meines Wissens nach die Van-Hool-Obusse eine Klimaregulierung. Nebenbei: Ich hoffe nicht, dass der Herr Marazeck ausgerechnet seine kleinen Single-Autobusse mit den Gelenkobussen des Stadtbus vergleicht. Oder gar seine Reisebusse (die natürlich billiger sind als ein Obus). Denn Gelenkbusse hat Marazeck in Salzburg nie betrieben, woher will er deren mögliche Preise kennen 😉

Die neue Generation der Autobusse ist zumindest gleich umweltfreundlich wie der Obus, braucht aber nicht die immens teuren und letztendlich gefährlichen Oberleitungen (ein wertfreies Beispiel unter anderem ist die Kreuzung Ignaz-Harrer-Str./Siebenstädterstr. – Hand aufs Herz, wer möchte hier ab dem 1. Stock wohnen? Wie kann z.B. die Feuerwehr bei einem Brand löschen?).

Z.B., indem man für die Zeit des Einsatzes den Stromfluss unterbricht und die Leitung durch die Techniker des Stadtbusses abnimmt? Nebenbei sind die Leitungen nicht gefährlicher als andere Stromleitungen, von denen es in der Stadt und am Land viele gibt. Und dass man da keinen Drachen steigen lassen soll, sollte man wissen.

Und nur mal was zum umweltfreundlich: Zum einen kann man bei Strombussen durch die Art der Erzeugung die Umweltfreundlichkeit steigern oder senken, ohne irgendwas am Bus selbst umbauen zu müssen (viele Grüße an den Feinstaub vom ALBus), zum anderen ist es nicht nachhaltig und umweltfreundlich, endliche fossile Brennstoffe ausgerechnet zu verbrennen. In der Hinsicht wird man einen Autobus also niemals so umweltfreundlich kriegen, wie es ein Obus in der Theorie sein kann.

Der Flexibilität des Autobusses hat der Obus nichts entgegegenzusetzen, z.B. jederzeit mögliche Routenänderung (Straßensperre, Stau – aus welchem Grund auch immer).

Herr Marazeck, wann in den letzten Jahrzehnten ist einer ihrer Autobusse einen anderen Weg gefahren, um einem Stau zu entgehen? Wie soll das bei festgelegten und engmaschigen Verkehrsnetzen gehen? Und nebenbei gibt es auf so gut wie allen Strecken Ausweichmöglichkeiten für die Obusse. Nur die Innenstadt ist hier ein Problem, aber wenn z.b. der Rudolfskai gesperrt wird, kann der OBus heutzutage ebenfalls um den Kapuzinerberg herum zum Volksgarten fahren, so wie es auch der Autobus müsste, und ist somit genauso schnell. Flexibler ist ein Autobus also nicht.

Die 80 eingesetzten Obusse zu ersetzen kostet nach heutigem Preisniveau 56 Mill. Euro, 80 vergleichbare Autobusse mit wesentl. höherem technischem Standard max. 28 Mill. Euro – nicht zu vergessen sind die immensen Kosten für die Oberleitungen.

Von den 84 eingesetzten Obussen müssen in den nächsten 10 Jahren nur 25 Busse ersetzt werden. Aber auch nur, wenn man eine einheitliche Flotte erhalten möchte, theoretisch könnten die Busse der 90er Jahre, zumindest die Niederflurbusse von MAN, genauso lange fahren wie die erste Generation der neuen Van Hool, denn sie wurden nur 3 Jahre früher neu erworben! Und wie gesagt, ausgerechnet der Busunternehmer kommt mit Ersatzkosten, der selbst in vielen Jahren so gut wie keinen Autobus ersetzt hatte!

Obusse durch Autobusse zu ersetzen bringt also wahrlich viel Geld für Intervallverdichtungen, erspart die jährlichen Fahrpreiserhöhungen. Neue Linien, Linienänderungen und -verbesserungen können unmittelbar nach Beschaffung der Autobusse, also sehr rasch, vorgenommen werden. Der immens teure Oberleitungsbau mit allen seinen Nachteilen entfällt.

Hier mal ein sehr lustiges Argument. Vor allem, da es von jemandem gemacht wird, dessen Autobusse einen schlechteren Intervall haben als die Obusse, dessen Reisebusse nach Eugendorf nur einmal pro Stunde fahren (und das alle fast gleichzeitig). Genauso lustig wie das Argument der Preiserhöhungen: Die Fahrpreiserhöhungen der letzten Jahre waren allesamt wegen der steigenden BENZIN- und DIESELpreise. Dagegen gibt es dieses Jahr zwar eine Fahrpreiserhöhung des Bustickets auf 2 Euro, aber eine Senkung der Vorverkaufstickets auf 1,50. Eine Begründung für diese Umschichtung, von der vor allem Vielfahrer, die meist Vorverkauftickets nehmen: Man muss nicht erhöhen, da die OBusse die steigenden Dieselpreise nicht haben 😉

Nebenbei ist für mich eine langfristige Planung von Linien erfolgversprechender (auf lange Sicht hin) als kurzfristige Änderungen. Um mal den Nachteil zu nennen: Wenn der ALBus merkt, dass eine bestimmte Station unrentabel für ihn ist, auch wenn da viele Menschen wohnen, kann er sie rausnehmen. Der OBus kann das nicht, da kann man sich sicher sein, dass er auch in 10 Jahren noch dort hält.

Obendrein dieses noch: Fährt ein Autobus, fahren weniger Menschen. Diesen Effekt, bzw. den gegenteiligen Effekt, dass die Menschen lieber in OBussen statt in Autobussen fahren, hat der Stadtbus durch die Fahrgasterhöhungen auf den Neubaustrecken der letzten Jahre (unter anderem nach Mayrwies) erfahren dürfen. Gibt es ein wichtigeres Argument für eine neue OBus-Linie, als dass mit deren Errichtung mehr Fahrgäste den Obus benutzen?

In Österreich gibt es sehr bald nur mehr in Linz (eingeschränkt) und in Salzburg Obusse. Reduziert oder streicht der Bund die immensen Fördermittel für den Obus, ist der Obusbetrieb für die Stadt/das Land Salzburg nicht mehr finanzierbar, außer es wird auf den so nötigen weiteren Ausbau des ÖV verzichtet, oder OBusfahren wird zu wahren Luxus.

Herr Marazeck, in Innsbruck soll eigentlich eine Straßenbahnerweiterung den OBus ersetzen (bisher fahren aber da nur Autobusse, Folge: Weniger Fahrgäste und weniger Komfort!), in Linz ebenso. Und zu den Subventionen: Bis heute erhalten die Dieselbus-Betriebe Millionen an Subventionen, z.b. durch billigere Mineralölsteuer usw. Und dennoch steigen überall da, wo vornehmlich auf Dieselbusse gesetzt wird, die Fahrpreise. Nebenbei geschieht der Ausbau des ÖPNV im Normalfall nicht durch die Betriebe selbst, sondern durch staatliche Aktionen, sei es Ubahn-Bau, Oberleitungserweiterung oder S-Bahnbau. Ich kenne keinen Verkehrsverbund, in dem die AUTOBUSBETREIBER das Netz erweitert haben. Im Gegenteil, zumeist haben sie es durch Linienstreichungen, Umlegungen, Einsetzen von uralten Bussen usw. unattraktiv gemacht!

Und Herr Marazeck, ausgerechnet Sie, der seine innerstädtischen ALBusse an den Dr. Rieder verkauft haben, weil Ihnen der Betrieb dieser Buslinien zu teuer wurde, der seine komplett privat benutzten Linien also an ein Konsortium aus ALBus und Stadtbus abgegeben hat, behauptet, dass Autobusse rentabler sind als Autobusse? Lügen Sie sich bitte nicht selbst ins Täschchen, glauben tut Ihnen das sowieso keiner (hoffe ich mal).

Nun aber zu anderen Leserbriefschreibern. Diese haben eine Ersatzidee: Statt des OBusses könnte ja die Ischlerbahn wieder nach Eugendorf fahren.

Klar, sie könnte es. Wenn statt der attestierten 1 – 2 Mio. Euro für eine neue Obusleitung und 2 neue Obusse eine Trasse für mind. 25 Millionen Euro gebaut wird. In eine Region, wo die alte Ischlerbahn in den 60er Jahren abgeschafft wurde, da sie unrentabel wurde, weil der Betrieb einer Nebenbahn zu teuer wurde. Durch eine Region, wo die Trassenführung größtenteils zu Fahrradwegen umgebaut wurde.

Die Idee von Herrn Seymann ist dabei noch einigermaßen zukunftsträchtig (wenn auch nicht finanzierbar): Eine Zweigstrecke von Bergheim über Kasern nach Eugendorf. Wird für die meisten Entscheider wahrscheinlich zu teuer sein, wenn die schon Probleme haben, die Innenstadt-Ubahn zu finanzieren, die verkehrspolitisch längst überfällig ist. Aber immer noch besser als die Idee einer reinen alten Ischlerbahn. Und so nebenbei: Auch auf einer Bundesstraße soll man nicht rasen, vor allem ist interessant, dass ein Verkehrschaos auf einer Straße attestiert wird, nur weil alle 10-20 Minuten mal ein Obus daherkommt. Das glauben Sie doch hoffentlich selbst nicht, Herr Prähauser.

In diesem Sinne meine Meinung: Lasst euch nicht durch Lügen verunsichern. Oder durch Fehlinformationen.

Update: Nach einem Bericht des Standards würde eine solche Ischlerbahn sogar 300 Millionen Euro kosten. Als Vergleich: Der Citytunnel + Erweiterung bis nach Anif sind mit 350 Millionen Euro veranschlagt. Dass die Stadt-SPÖ diesem Schildbürgerstreich mal wieder aufgeschlossen gegenüber steht, ist klar. 😉

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2 Antworten to “Der Land-Obus. Die Gegner. Meine Meinung”

  1. Suchanfragen- und Seitenstatistik April/Mai 2008 « Sinnvolles und -loses für die Welt Says:

    […] wir mal ganz normal, oft gefunden wurde der Artikel zur Linie 4 nach Eugendorf und der Artikel über die Meinung der Gegner dieser […]


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